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Über das Projekt

TEMP MIGRATION liegt an der Schnittstelle von Migrationsforschung, sich rapide verändernden Arbeitswelten sowie dem demografischen und soziokulturellen Wandel. Globalisierung, Digitalisierung und die COVID-19-Pandemie haben Arbeitsmärkte und zentrale Arbeitsprozesse grundlegend verändert. Entgegen der weit verbreiteten Behauptung, dass die Arbeit der Zukunft weitgehend automatisiert sein wird, haben sich bestimmte Berufsfelder als unverzichtbar erwiesen – sie erfordern die physische Anwesenheit von Menschen vor Ort. Gleichzeitig stellen das Ausmass und das Tempo des Alterns in den Industrieländern sowie der daraus resultierende Arbeitskräftemangel Demokratien vor grosse Herausforderungen.

Die zunehmende Abhängigkeit von ausländischen Arbeitskräften zur Behebung des Arbeitskräftemangels spiegelt weltweit vorherrschende gesellschaftliche Tendenzen wider. Zu beobachten sind eine steigende Zahl temporärer Migrantinnen, zunehmend restriktive Einwanderungsbedingungen, die das Recht von Ausländerinnen auf einen langfristigen Aufenthalt einschränken sowie eine besorgniserregende Kluft zwischen Personen, die dauerhaft aufgenommen werden und denjenigen, denen dies verwehrt bleibt. TEMP MIGRATION nutzt die Perspektive des „Place-making“ und die Frage nach Zugehörigkeit in zunehmend vielfältigen soziokulturellen Räumen, um die Subjektivitäten zu verstehen, die sich bei vorübergehend aufgenommenen Arbeitsmigrantinnen herausbilden. Das Team wird analysieren, wie Staaten und Firmen befristete Lebens- und Arbeitsverhältnisse kreieren und institutionalisieren und wie sich dies auf die Denkweisen und Handlungen der Menschen im Kontext ihres Lebens und ihrer Erfahrungen als temporäre Migrantinnen auswirkt. Das Projekt erfasst, wie Zeit und ein staatlich oktroyiertes „temporäres Dasein“ die Lebensorientierungen in einem fremden Land prägen und versucht aufzuzeigen, wie diese Orientierungen zu Praktiken führen, die sich auf die Aufnahmegesellschaften auswirken.

Forschungsfragen

RQ 1

Inwiefern beeinflusst die befristete Aufenthaltsdauer von Migrantinnen ihre Strategien und sozialen Praktiken in ihrem Aufenthaltsland, unter Berücksichtigung von Investitionen in berufliche und soziale Netzwerke, des Spracherwerbs, der Familiengründung, der Haushaltsentscheidungen und der Zukunftsplanung?

RQ2

Wie erleben befristete Migrantinnen ihr Leben und tägliche Arbeitswelten im Ausland unterschiedlich je nach der Klassifizierung ihrer beruflichen Qualifikation und der entsprechend unterschiedlichen Länge ihrer Aufenthaltsgenehmigung sowie (nicht) vorhandener Möglichkeiten dauerhafter Niederlassung? Welcher „Wert“ wird damit beruflicher und Sektor-spezifischer Qualifikation in Migrationsregimen beigemessen? Wir untersuchen dies am Beispiel hochbezahlter Fachkräfte im Bereich der Informationstechnologie, sogenannter „(mittel-)qualifizierter“ Fachkräfte im Gesundheitswesen und Niedriglohnarbeitende im Baugewerbe. Dabei beleuchten wir ausserdem, wie soziale Kategorien wie Geschlecht und ethnische Zugehörigkeit mit der Hierarchisierung der genannten Arbeitssektoren interagieren und befristete Arbeitsmigrantinnen unterschiedlich beeinflussen und einschränken.

Methoden

Das Projekt kombiniert qualitative Methoden, um eine integrative Perspektive auf temporäre Arbeitsmigration auf globaler Ebene zu entwickeln. Die ethnografisch fundierte Studie setzt sich aus einer qualitativen Untersuchung dreier Akteure zusammen: Unternehmen, die temporäre Arbeitskräfte beschäftigen, ausländische Arbeitskräfte und deren berufliche und soziale Netzwerke, zu denen ein breites Umfeld aus Interessensvertretern sowohl aus der Industrie wie auch der Zivilgesellschaft gehören. Im Fokus steht die subjektive Erfahrung des befristeten Daseins als Arbeitsmigrantinnen sowie deren Wahrnehmung durch die Gesellschaft und einstellende Firmen.