Kanada
Unterprojekt zur temporären Arbeitsmigration in Kanada, beginnend am 1. Februar 2027
Kanada blickt auf eine jahrhundertelange Tradition als Einwanderungsland zurück. Lange Zeit war das Land als Siedlerstaat bekannt, in dem Migrantinnen auf direktem Wege die Staatsbürgerschaft erhielten. Im 21. Jahrhundert sind Programme für ausländische temporäre Arbeitskräfte zu einer wichtigen Säule der Wirtschaftspolitik Kanadas geworden, was dazu geführt hat, dass das Land heute als neoliberales Einwanderungsregime eingestuft wird. Am schnellsten haben sich Programme für Niedriglohnarbeiterinnen ausgeweitet, doch auch in hochqualifizierten Berufen wie dem der Ärztin oder der Ingenieurin machen ausländische Arbeitskräfte einen sehr hohen Anteil aus. Diejenigen, die als Hochqualifizierte eingestuft werden, profitieren von einer beschleunigten Bearbeitung ihrer Anträge auf eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung. Der Niedriglohnsektor im Baugewerbe sieht sich hingegen mit einem so dringenden Arbeitskräftemangel konfrontiert, dass die Regierung zunächst ein Sonderprogramm einführte und anschliessend ausweitete. Dieses Programm gewährt einer begrenzten Anzahl ausländischer Arbeitskräfte ohne gültigen Aufenthaltsstatus eine dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung. Solche politischen Massnahmen verdeutlichen die Dringlichkeit des Problems, das durch die sehr niedrige Geburtenrate des Landes und den Eintritt der Babyboomer-Generation in den Ruhestand in den 2010er Jahren noch verschärft wird. Heute ist die (Im-)Migration, von der ein wachsender Anteil befristet ist, der alleinige bestimmende Faktor der Bevölkerungsentwicklung, doch ihre Folgen für den Arbeitsmarkt und die Gesellschaft sind ungenügend erforscht.