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Forschungsdesign

TEMP MIGRATION befasst sich mit Ansätzen der Migrationstheorie, Arbeitsethnologie sowie der Forschung zu Zugehörigkeit und Place-Making im Kontext demografischer und soziokultureller Veränderungen. Das Forschungsdesign orientiert sich an der Perspektive der Migrationsregime, die aufgrund ihrer strukturellen und historischen Entwicklung die Arbeitsmigration unterschiedlich regeln. Dennoch lässt sich weltweit ein gemeinsamer Trend in demokratischen Staaten beobachten. Die temporäre Migration hat sich zu einem zunehmend bedeutenden Instrument entwickelt, um den Bedarf an Arbeitskräften in systemrelevanten Branchen zu decken, von denen drei in diesem Projekt untersucht werden. Dabei handelt es sich um den IT-Sektor, das Gesundheitswesen mit Schwerpunkt auf zertifizierte Krankenpflege sowie manuelle Tätigkeiten im Baugewerbe.

Eine weitere Gemeinsamkeit der Regime, die Arbeitsmigrantinnen aufnehmen, ist die differenzierte Zuteilung von Rechten für Migrantinnen entsprechend sozial konstruierter Qualifikationsniveaus. Diese Rechte werden auf der Grundlage des vermuteten wirtschaftlichen Beitrags der Migrantinnen gewährt und somit durch eine „Hierarchie von Qualifikationen“ differenziert. Diese Hierarchie interagiert auch mit sozialen Kategorien wie Geschlecht und Ethnizität, wie es bei den drei im Mittelpunkt des Projekts stehenden Branchen der Fall ist: Das Baugewerbe, das mit männlichen Arbeitsmigranten aus dem Globalen Süden gleichgesetzt wird. Die Pflege, die als qualifizierter Beruf gilt, aber im breiteren Gesundheitssektor angesiedelt ist, der global als unterbezahlt gilt und durch die Konnotation als „weiblicher Sektor“ geringe Wertschätzung erfährt. Der dritte Sektor umfasst Hightech-Berufe in der IT-Branche. Hier hat sich das Bild von vermeintlich männlichen, aus dem Globalen Norden stammenden und „weissen“ Arbeitskräften zwar in jüngster Zeit gewandelt, diese Gruppe wird aber unverändert als privilegiert aufgefasst.

Auf Basis der dargestellten Fallstudien – temporäre Arbeitsmigration in den drei Zielländern Kanada, Schweiz und Japan in den drei Sektoren IT, Gesundheits- und Bauwesen – formuliert sich der Kern des Projekts: die Ausgestaltung von Lebensräumen und Arbeitswelten temporärer Migrantinnen und deren Zugehörigkeitsgefühl im Aufnahmeland. Während wir uns in erster Linie auf die Perspektiven temporärer Arbeitsmigrantinnen konzentrieren, führen wir auch ethnografische Beobachtungen an ihren Arbeitsplätzen und bei gemeinschaftlichen Aktivitäten ihrer sozialen Umgebung durch. Unser Ziel ist es, die Bedeutung des sozialen Raums für Prozesse das Place-Making temporärer Arbeitsmigrantinnen zu ergründen, um zu verstehen, wie sich ein (partielles) Zugehörigkeitsgefühl auf die Ausbildung migrantischer Identitäten und ihrer Zukunftspläne in sich rasch diversifizierenden und alternden demokratischen Gesellschaften auswirken.

Um ein ganzheitliches Bild zu vermitteln, untersucht TEMP MIGRATION Kanada als ehemaligen Siedlerstaat und heutiges „neoliberales Regime“ mit hohen Einwanderungszahlen und beschleunigtem Zugang zur Staatsbürgerschaft, die Schweiz als „intermediäres Regime“ aufgrund der Personenfreizügigkeit innerhalb der Europäischen Union und an der EU-Schweiz Grenze, aber begrenzter Vergabe der Staatsbürgerschaft, sowie Japan als „restriktives Regime“ mit geringeren Migrations- und Einbürgerungszahlen. Trotz der unterschiedlichen Einordnung der drei Länder auf einem Kontinuum zwischen der Regulierung von Befristung und der Gewährung eines dauerhaften Aufenthaltsrechts hat die Forschung in den letzten Jahren erhebliche Veränderungen aufgezeigt. Eine vergleichende Analyse wird daher dazu beitragen, aufzudecken, inwieweit die Erfahrung und Identität eines „Lebens auf Befristung“ sich über verschiedene Regime hinweg verallgemeinern lässt.