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Schweiz

Obwohl die Schweiz seit Jahrzehnten von ausländischen Arbeitskräften profitiert, steht sie in ambivalentem Verhältnis zur Identität eines Einwanderungslands. In der Schweiz herrscht ein gravierender Arbeitskräftemangel, insbesondere im Gesundheitswesen, wo der Anteil der Pflegekräfte mit ausländischem Abschluss sehr hoch ist, aber auch im Ingenieurwesen und in gering qualifizierten Branchen wie dem Baugewerbe. Die Arbeit in den weniger angesehenen Branchen ist unterbezahlt und unzureichend wertgeschätzt. Zwar garantiert das bilaterale Abkommen der Schweiz mit der EU die Personenfreizügigkeit, doch hat dies zu einer strengen Kontrolle der Einwanderung aus Nicht-EU-/EFTA-Ländern geführt. Allerdings leisten auch Migrantinnen aus Nicht-EU-/EFTA-Ländern einen Beitrag zur Wirtschaft und zur Gesellschaft. Gerade diese Gruppe gibt Anlass zur Sorge: Zwar verfügen unter den Nicht-EU-Migrantinnen mehr Frauen als Männer über einen Hochschulabschluss, sie gehören jedoch zu denjenigen, die am ehesten arbeitslos oder unterbeschäftigt sind. Dies deutet auf das Zusammenspiel von Geschlecht, ethnischer Zugehörigkeit und Nationalität hin. In Verbindung mit den langwierigen und schwierigen Verfahren zur Erlangung der Staatsbürgerschaft sowie der Lobbyarbeit rechter Parteien gegen Migrantinnen stellt die Schweiz einen Sonderfall dar. Sie liegt zwischen dem Siedlerstaat Kanada und Japan, das bis vor kurzem als „negatives“ Beispiel für Einwanderung galt.

PhD Projekt: Who cares? Migrant nurses in Switzerland

Start des Projekts: 01. August 2026
Melanie Jane Jäger, Doktorandin

Die Nachfrage nach Pflegekräften in der Schweiz ist nach wie vor hoch. Gründe hierfür sind die alternde Bevölkerung und eine hohe Fluktuation der Beschäftigten, von denen viele die Branche komplett verlassen, was zu einem gravierenden Arbeitskräftemangel führt. Deshalb sind Pflegekräfte mit Migrationshintergrund besonders gefragt, sehen sich jedoch mit schwierigen Einreisebedingungen konfrontiert. Die Anforderungen an Personen, die innerhalb der Pflege- und Betreuungsberufe als „hochqualifiziert“ oder „geringqualifiziert“ eingestuft werden, unterscheiden sich. Diese Unterscheidung bestimmt, wer eingestellt wird und wer welche Art von Pflegearbeit ausübt und steht in Wechselbeziehung zu den Perspektiven und Hoffnungen der Betroffenen auf Verbleib und Zugehörigkeit. Ein weiterer relevanter Aspekt der Pflege ist, dass die meisten Pflegekräfte Frauen sind, was diesen Beruf zu einem stark geschlechtsspezifisch geprägten Beruf macht.

Pilotinterviews und ethnografische Beobachtungen mit Pflegekräften mit Migrationshintergrund im Kanton Zürich deuten darauf hin, dass sich Nationalität, Migrationswege, Berufseinstieg, Aufenthaltsstatus, Lebensentscheidungen und Arbeitszufriedenheit je nach formalem Qualifikationsniveau unterscheiden.

Der befristete Status von Pflegekräften ist somit eng mit dem formal anerkannten Qualifikationsniveau verknüpft und die subjektiven Erfahrungen von Arbeitsmigrantinnen in derselben Branche können erheblich variieren. Das PhD-Projekt versucht aufzudecken, was ein befristeter Status für verschiedene Gruppen von Pflegekräften bedeutet. Schliesslich wirkt sich diese „Qualifikationskluft“ auch darauf aus, wie Vermittlungsagenturen mit Migrantinnen und Rückwanderung umgehen. Ab August 2026 wird das PhD-Projekt mithilfe von Ethnografie und Interviews die Lebenserfahrungen von Pflegekräften untersuchen und dabei die zusätzlichen strukturellen Ebenen von Vermittlungsagenturen und politischen Massnahmen berücksichtigen. Ziel des Projekts ist es, ein umfassendes Bild des befristeten Daseins zu vermitteln, welches das Leben zugewanderter Pflegekräfte in der Schweiz sowie ihre unmittelbaren Arbeitsumgebungen und sozialen Netzwerke prägt.

Unterprojekt zu temporären ausländischen Arbeitskräften im IT-Sektor und im Bauwesen

Prof. Dr. Helena Hof, Projektleiterin