Zürcher Schriften zur Erzählforschung und Narratologie

Bd. 4: Michael Hiltbrunner: Blaubart.

Cover Blaubart

Parodien eines Potentaten. Marburg: Jonas-Verlag 2018.

262 S., ISBN 978-3-89445-547-7

Die Erzählung Blaubart, seit der Veröffentlichung von 1797 als Märchen von Charles Perrault bekannt, gilt als besonders ambivalent, dies auch durch zahlreiche Weiterschreibungen und Neuinszenierungen. Die hier dokumentierte Forschung zur Stoffgeschichte von Blaubart benennt zahlreiche nicht bekannte Adaptionen. Auch wird sichtbar, wie Blaubart, besonders in deutsch- und französischsprachigen Versionen um 1940, unter schwierigen Zeitumständen sich einer tragischen Lesart widersetzt und die Erzählung als Parodie gegen Potentaten benutzt wird.

Wie bei Jacques Offenbach (1866) zeigt Blaubart hier als komische Figur eine Auseinandersetzung mit der extremen Ungerechtigkeit und den Verbrechen im Zweiten Weltkrieg, besonders des Nationalsozialismus. Im Mittelpunkt stehen ein Knetfigurenfilm von René Bertrand (1938), ein Roman von Hans Natonek (1938–44 verfasst), eine Radiooper von Jacques Ibert (1943), ein Schauspiel von Bernt von Heiseler (1950) und ein Spielfilm von Christian-Jaque (1951).

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Bd. 3: Harm-Peer Zimmermann (Hg.): Gutes Leben im Alterszentrum.

Cover Zimmermann

Gespräche in 19 Einrichtungen in der Schweiz. Marburg: Jonas-Verlag 2017.

168 S., ISBN 978-3-89445-539-2

Gutes Leben im Alterszentrum? – Ist das möglich? Und inwiefern ist das möglich? Was berichten alte Menschen über ihr Leben und ihre Erfahrungen in diesen modernen Einrichtungen, zu denen sich die vormaligen Altersheime inzwischen entwickelt haben? 22 Studierende haben Gespräche mit 24 Bewohnerinnen und Bewohnern von 19 Alterszentren in der Schweiz geführt. Der Band dokumentiert, was dabei herausgefunden wurde, und das ergibt insgesamt ein erfreuliches Bild. Vor allem vier Aspekte wurden positiv hervorgehoben: Sicherheit und Geborgenheit, Entlastung und Erleichterung, Selbständigkeit und Selbstbestimmung, Professionalität und Freundlichkeit des Personals. Aber viel hängt auch von der persönlichen Einstellung ab sowie von guter Vorbereitung und Gestaltung des Umzugs.

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Bd. 2: Simone Stiefbold: Mit dem Wechselbalg denken.

Cover Stiefbold
Cover Stiefbold

Menschen und Nicht-Menschen in lebensweltlichen Narrativen. Marburg: Jonas-Verlag 2016.

224 S., ISBN 978-3-89445-518-7

Das Wissen um das eigene Menschsein bildet sich an den Vorstellungen, was Mensch ist und was nicht Mensch ist. In Erzählungen und im Erzählen wird dieses Menschsein erprobt und gefordert, wenn in Narrativen Nicht-Menschen die menschliche Lebenswelt betreten oder aus Menschen nichtmenschliche Figuren narrativ generiert werden. In den Erzählungen vom Anderen und ebenso in deren wissenschaftlicher Ansprache werden Grenzen und Positionierungen in ihren Aushandlungen sichtbar, verweisen auf Differenzierungen und Differenzsetzungen. Die schriftlich fixierten Erzählungen aus den Sammlungen des 19. und 20. Jahrhunderts sind dabei vielsinnig und können irritieren, geben (Ein-)Blick in wissendes Erzählen und erzähltes Wissen. ErzählerInnen und ErzählforscherInnen werden schlaglichtartig sichtbar und kommen als Menschen zur Sprache. Im vorliegenden Band werden die Aushandlungen, Fest-Setzungen und Fest-Stellungen in Narrativen und wissenschaftlicher Ansprache in ihrem Zusammenspiel betrachtet und nach Potenzialen und Grenzen für die Sagen- und Erzählforschung abgetastet. Hierfür werden exemplarisch drei Gestaltungen des Anderen befragt, in denen Mensch und Nicht-Mensch, Erzählen und Erfahren, Erzählung und Erzählforschung, Wissen als ‚falsches‘ und ‚wahres‘ Wissen verhandelt werden: Mensch und/als Zwerg als heterogene Figur, die Ohrfeige aus dem Nichts als körperloses Anderes und der Wechselbalg, der nah am Menschen Mensch und Nicht-Mensch ist und sein kann. Über Perspektivwechsel sollen dabei verschiedene Zugänge zur Vielsinnigkeit der Narrative gesucht und gleichzeitig wissenschaftlicher Eigensinn hinzugefügt werden.

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Bd. 1: Harm-Peer Zimmermann (Hg.): Lust am Mythos.

Cover Zimmermann
Cover Zimmermann

Kulturwissenschaftliche Neuzugänge zu einem populären Phänomen. Marburg: Jonas-Verlag 2015.

320 S., ISBN 978-3-89445-505-7

Seit einigen Jahren erleben wir eine Wiederkehr des Mythos. Eine breite Öffentlichkeit findet ein ganz unideologisches und fröhliches Gefallen am Mythos. Populäre Lese- und Kinostoffe wie Herr der Ringe, Harry Potter, Star Trek spielen mit mythischen Themen, Typen undTheatraliken. Mythisches findet sich auch in der boomenden Eventkultur, zum Beispiel auf Mittelaltermärkten, auf Heavy Metal-Konzerten, beim sogenannten Reenactment. Zugleich ist eine wissenschaftliche Neubesinnung auf den Mythoszu beobachten, und diese zeigt gedanklich zusehends spielerische Züge – wenigstens im Vergleich mit der älteren Mythenforschung und deren Kritik. Den kulturwissenschaftlich entscheidenden Anstoss für die Lösung hat Roland Barthes’ Schrift Mythen des Alltags gegeben, in der er bis dahin zentrale Vorstellungen über den Mythos revidierte. Die Überlegungen von Roland Barthes sind besonders für eine wissenschaftliche Disziplin richtungsweisend, die sich auf Alltagskultuen, auf populäre Kulturen und Medien spezialisiert hat: die Volkskunde, Europäische Ethnologie, Empirische Kulturwissenschaft, Kulturanthropologie. Der Band enthält die Vorträge der Herbsttagung 2012 "Mythos, Mythen, Mythologien" der Kommission für Erzählforschung in der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde.

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