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Bachelorpräsentation HS25

Mattia Ruben De Lucia: Verwahrlost? Eine kulturwissenschaftliche Analyse der Bäckeranlage (ZH)

Die Arbeit untersucht die Bäckeranlage im Zürcher Kreis 4. Ausgangspunkt sind die Fragen, wie institutionelle Akteur:innen den Park regulieren und wie Nutzer:innen durch alltägliche Praktiken räumliche Normen erzeugen, verschieben oder herausfordern. Auf Grundlage teilnehmender Beobachtung und dichten Beschreibungen werden Interaktionen und situative Dynamiken analysiert. Die Ergebnisse zeigen, dass staatliche Präsenz vor allem über symbolische Signale wirkt und zu antizipativen Anpassungen führt, während Nutzer:innen zugleich informelle Mikroterritorien ausbilden. Theoretisch wird dies mit Ansätzen von Guido Lauen, Loïc Wacquant und Martin Klamt verknüpft, die Fragen nach Gouvernementalität, territorialer Stigmatisierung und verorteten Normen aufwerfen. Die Arbeit trägt damit zur kulturwissenschaftlichen Stadtforschung bei, indem sie die Bäckeranlage als ambivalenten Raum, in dem urbane Sicherheitspolitik, soziale Ungleichheit und alltägliches Zusammenleben sichtbar macht.

Asja Dinkelmann: Der Flohmarkt Kanzlei Zürich als soziales Archiv: Zur Verschränkung von Materialität, relationalem Raum und autobiografischer Narration

Die empirische Bachelorarbeit befasst sich thematisch mit dem sogenannten Flohmarkt Kanzlei im pulsierenden Zürcher Quartier Aussersihl. Obwohl Flohmärkte einen wichtigen Stellenwert im Bereich der lokalen Marktkultur haben, mangelt es in der Schweiz weitgehend an aktueller kulturwissenschaftlicher Forschung. So liegen die wenigen vorhandenen Studien bereits vierzig Jahre zurück. Im Laufe der Arbeit wird insbesondere der Frage nachgegangen, inwiefern materialkulturelle Alltagspraktiken auf dem Flohmarkt Kanzlei Zürich sichtbar werden und wie der Begegnungsraum als Austragungsort von Produktions- und Transformationsprozessen fungiert.

Zur Beantwortung der Fragestellung wurden neben der kulturthoeretischen Auseinandersetzung mit Konzeptionen von Raum, Materialität und autobiografischem Erzählen halbstrukturierte Interviews mit den Akteur*innen im Feld geführt. Zusätzlich wurden Verkaufsgegenstände fotografisch nach dem Modell von Erwin Panofsky ausgearbeitet und für die Arbeit aufbereitet.

Die Ergebnisse der Forschung zeigen auf, dass der Flohmarkt Kanzlei Zürich durch die Interaktion zwischen Besuchenden und Verkäufer*innen als sozialer Begegnungsraum dient, aus dem zahlreiche Transformationsprozesse hervorgehen. Materialität erweist sich dabei als kommunikatives Medium zwischen den unterschiedlichen Akteur*innen. Weiterführende Betrachtungen zeigen das Potential von Materialität der Verkaufsgegenstände als Ausdrucksform für autobiografisches Erzählen, Selbstreferenzialität und Historizität auf. Im Sinne eines sozialen Archivs hält der Flohmarkt Kanzlei Zürich materielle Kultur und Geschichte durch haptische Erfahrung und direkten sozialen Austausch lebendig.

Magdalena Gjorgjieva: Zwischen K-Pop und Haute Couture: Entstehung und Aushandlung von Massenmode im Westen und in Südkorea

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, inwiefern Massenmode einer Gesellschaft soziokulturell gewachsen ist und wie diese laufend verhandelt wird. Im Rahmen der Untersuchung erfolgt aus populärkultureller Perspektive eine vergleichende Analyse der Mode zweier Gesellschaften, der westlichen und der südkoreanischen.

Zur Beantwortung der Frage diskutiert die Arbeit vorangehend ausgewählte Theorien, wobei Kategorien zur weiteren Analyse erarbeitet werden. Innerhalb dieser Kategorien werden anhand von Medieninhaltsanalysen die relevanten Faktoren untersucht. Dazu gehören kollektive Praktiken, räumliche und zeitliche Dimensionen sowie die Konsumkultur und Diffusionsprozesse. Zu diesem Zweck werden Fallbeispiele herangezogen und diskutiert. Die Analyse hat zum Ziel, zu veranschaulichen, wie die oben genannten Faktoren Massenmode innerhalb unterschiedlicher Gesellschaften prägen.

Die Untersuchung gewinnt insbesondere vor dem aktuellen Hintergrund der Modeindustrie an Relevanz. Während der Westen historisch als normsetzendes Zentrum der Modeindustrie gilt, zeigt sich eine wachsende Präsenz des asiatischen Marktes im Sektor der Mode. Vermehrt stellt sich in der Modebranche die Frage, inwiefern die unterschiedlichen Märkte füreinander relevant bleiben, Spannungsfelder überwinden und angesichts der Globalisierung einander ergänzen können. In Anbetracht dieser Diskussion trägt die Arbeit dazu bei, populärkulturelle Dynamiken der Mode zu beleuchten und zu veranschaulichen. Sie widmet sich der Analyse der Faktoren, die die Akzeptanz von Mode und deren Konsum in den beiden Gesellschaften bestimmen.

Aline Sophia Mullis: Die Schlange vor dem Frauen-WC. Eine qualitative Analyse von Toiletten als Räume der Gender-, Raum- und Verhaltenskonstruktionen

Die Nachfrage, ob wir gut geschlafen oder gegessen haben, ist gewöhnlich. Andere alltägliche Bedürfnisse – wie der Toilettengang – bleiben unausgesprochen. Diese Arbeit soll dem stillen Örtchen eine Stimme verleihen und aufzeigen, dass das Ungesagte oft besonders aussagekräftig ist. Konkret untersucht die Arbeit die Toilettennutzung an der Universität Zürich – mit Schwerpunkt auf der alltäglichen Nutzung, die das Warten vor der Frauentoiletten beinhaltet. Dabei werden genderneutrale WCs und Frauenurinale mithilfe von Gleichstellungs- und Diversity-Expertinnen als mögliche Lösungsansätze diskutiert.

Die Arbeit ist im Forschungsbereich von feministischer Raumforschung angesiedelt. Sie verbindet kulturwissenschaftlich anerkannte Theorien Elias’ und Foucaults mit der wenig erforschten Toilette. Ergänzend dazu werden Theorien von u.a. Martina Löw, Gabriela Muri und Ruth Barcan genutzt, um Toiletten als räumliches Konstrukt zu analysieren, in und mit dem Geschlecht und Raum ausgehandelt wird. Denn Toiletten sind ausschliessende Räume, die die Illusion einer binären Einteilung der Menschen aufrechterhalten, sowie bestehende Machtverhältnisse sichtbar machen. Ergänzend berücksichtigt sie die historische Entwicklung geschlechtlich separierter Toiletten sowie die Rolle von Scham und Ekel, die das heutige Nutzungsverhalten prägen. Die Interviews mit Student:innen zeigen deutlich, wie diese verinnerlichten Emotionen routinierte, möglichst kontaktlose Praktiken entstehen lassen.

Plädiert wird damit für mehr genderneutrale Toilettenräume sowie für eine offene Diskussion über Toiletten, da diese zentrale Fragen der Gleichberechtigung und der Raumnutzung berühren.

Fiona Elena Steiger: Biotechnologien als potenzielle Erlösung von menschlichem Leid? Drei dystopische Zukunftsentwürfe

Die Bachelorarbeit untersucht dystopische Narrative zu Biotechnologien in drei Science-Fiction-Filmen aus den frühen 1990er bis 2010er Jahren. In einer inhaltlichen Filmanalyse werden die imaginierten Zukünfte in Gattaca (USA 1997), The Island (USA 2005) und In Time (USA 2011) auf die darin entworfenen biopolitischen Machtregime untersucht. Theoretisch ist die Arbeit in Michel Foucaults Konzept der «BioMacht» und «Bio-Politik» eingebettet. Zudem setzt sich die Arbeit mit der philosophischen Strömung des Transhumanismus und den darin diskutierten Enhancement-Technologien auseinander und fragt, inwiefern in den Filmen eine transhumanistische Utopie erreicht wird.

In der Analyse wurden zentrale Themen herausgearbeitet, welche sich in allen drei Filmen wiederfinden lassen. Diese lassen sich in biologische (genetischer Determinismus), gesellschaftliche (Inszenierung von Konformität und Reinheitsideologien), religiöse (Naturwissenschaftler:innen als gottesähnliche Surrogate) und technische (die maschinelle Massenproduktion von Körpern und die Cyborgisierung des Lebens) Aspekte kategorisieren. Zudem wird die Transzendierung zu einer posthumanen Gesellschaft im transhumanistischen Sinne thematisiert. Das Fazit dieser Arbeit ist, dass diverse Enhancement-Technologien viele Ängste auslösen, welche in Science-Fiction-Filmen diskursiv verhandelt werden. So widerspiegeln die drei Filme die Unsicherheiten, die in dieser Zeitperiode um das Potential und die Risiken von Bio- und Gentechnologien aufkamen. Abschliessend ist zu betonen, dass die drei untersuchten Filme vor allem die Interaktion von eingesetzten Biotechnologien in einer neoliberalen Marktwirtschaft kritisieren.

Besprochene Filme
  • Bay, Michael, dir. 2005. The Island. DreamWorks Distribution.
  • Niccol, Andrew, dir. 1997. Gattaca. Sony Pictures Releasing.
  • Niccol, Andrew, dir. 2011. In Time. 20th Century Fox.