Header

Suche

Bachelorpräsentation FS26

Franziska Mutter: Museumsleitung aus der Perspektive von Leitungspersonen. Eine qualitative Interviewstudie zum Spannungsfeld von öffentlichen Interessen, gesellschaftlichen Veränderungen und individuellen Ressourcen.

Wow…ein Dachs! Dies ist der Titel einer Sonderausstellung, die zurzeit in Naturmuseen der Deutschschweiz gezeigt wird. Museen, so hat eine neue Studie gezeigt, stehen bezüglich ihrer Vertrauenswürdigkeit in der Einschätzung der Bevölkerung gleich nach der eigenen Familie auf Platz zwei. Insbesondere Naturmuseen verzeichnen seit der Covidpandemie einen eindrücklichen Publikumszuwachs. Diese Arbeit befasst sich mit den Museumsleitenden, die dahinterstehen und diese anspruchsvolle und vielfältige Führungsaufgabe bewältigen. Bleibt der anfängliche Idealismus für diese Leitungsaufgabe erhalten, oder weicht er schleichend einem ernüchternden Realismus? Kaum jemand kennt die breite Aufgabenpalette dieser Leitungspersönlichkeiten, die in der Regel allein die Hauptverantwortung tragen. Gesellschaftliche Veränderungen, politische Interessen, Trägerschaften, die sich gezwungen sehen, finanzielle Ressourcen zu kürzen, ein deutlich zunehmender administrativer Aufwand trotz Digitalisierung sowie ein wachsendes Spannungsfeld zwischen Controlling und Vertrauen erschweren diese Arbeit. Mithilfe der qualitativen Forschungsmethode des leitfadengestützten Interviews wurden Gespräche mit Leitungspersönlichkeiten von vier Naturmuseen geführt. Das reichhaltige empirische Material zeigt, welche emotionalen Belastungen diese Persönlichkeiten zu bewältigen versuchen und welche diesbezüglichen individuellen und institutionellen Ressourcen ihnen dafür zur Verfügung stehen. Welche Verantwortung tragen die Trägerschaften für die mentale Gesundheit von Leitungspersönlichkeiten und werden sie dieser in der Praxis gerecht? Diese Frage ist aus kulturwissenschaftlicher Sicht zentral, da auch davon der langfristige Erhalt der Museen für die Gesellschaft abhängt. Die Arbeit versucht, unter Einbezug von Fachliteratur aus Museologie, Psychologie sowie Kulturwissenschaft Antworten auf diese Fragen zu finden.

Chávi Lörtscher: Abendarbeit und Zeitkonflikte. Ethnografische Untersuchungen in einer Zürcher Pizzakurier-Filiale.

An dem Ort, an den wir uns während dieser Bachelorarbeit begeben, fängt der Arbeitstag erst richtig an, wenn andere schon auf dem Nachhauseweg sind. Die Mitarbeitenden einer Zürcher Pizzakurier-Filiale arbeiten abends, wenn der Tag in die Nacht übergeht und die Stadt langsam zur Ruhe kommt. Das Arbeiten zu Randzeiten bringt Herausforderungen in verschiedenen Lebensbereichen mit sich, die in der vorliegenden Arbeit beleuchtet werden. Was bedeutet es, wenn die Arbeitszeit gegen den gesellschaftlichen Takt läuft? Welches sind die vorherrschenden Normvorstellungen zum Thema Arbeitszeiten? Wie kann Zeit losgelöst von der Uhrzeit erlebt werden? Anhand einer zweimonatigen teilnehmenden Beobachtung und vier Leitfadeninterviews in der besagten Pizzakurier-Filiale wird versucht, diese und weitere Fragen zu beantworten und einen Einblick in den Alltag der Mitarbeitenden zu geben. Die ethnografische Forschung verbindet Arbeitskulturforschung mit Zeitkulturforschung und versucht so, den kulturwissenschaftlichen Blick auf Arbeitszeiten zu schärfen.

Elisa Gendolla: Ein Punk am Genfer See: Do it Yourself, ein Leben lang. Eine empirisch-biographische Untersuchung am Genfersee.

Punk entstand Mitte der 1970er Jahre in London und New York. Aber er blieb nicht dort. Diese Arbeit untersucht, was passiert, wenn Punk in einem wohlhabenden Dorf am Genfersee landet – und dort nicht mehr verschwindet: Wie manifestiert sich Punk als Lebenspraxis über Jahrzehnte in der Biografie einer Person in einem lokalen Kontext ausserhalb seiner ursprünglichen Entstehungsorte?
Im Mittelpunkt steht Rebell, ein Mann in seinen Sechzigern, der seit seinem elften Lebensjahr Punk aktiv lebt und diese Haltung bis heute nicht aufgegeben hat. Auf der Grundlage eines viereinhalb Stunden langen Oral-History Interviews wird untersucht, wie Rebell seinen Punk lebt, definiert und erzählt. Der Genfersee bietet dafür einen besonders aufschlussreichen Kontext. Anders als im britischen Ursprungskontext gab es hier keine Wirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit. Rebell wuchs in einem wohlhabenden Milieu auf – und wurde trotzdem, oder vielleicht gerade deshalb, zum Punk.
Der methodische Rahmen dieser Arbeit folgt Portelli, Bernold, Schneider und Spiritova. Theoretisch stützt sich die Analyse auf Hebdige, Dunn, Bennett, Frith und Müller. Das Do-It-Yourself (DIY) Prinzip bildet dabei den analytischen Kern – als jenes Merkmal, das Punk über verschiedene Kontexte und Generationen hinweg definiert und das als Massstab für gelebte Punk-Praxis dient.
Punk ist für Rebell mehr als ein britisches Exportprodukt oder eine Jugendphase. Punk ist seine Lebenshaltung – erkennbar in konkreten Alltagsentscheidungen, in Musik, Freundschaften und der Weigerung, das Leben nach den Massstäben Anderer zu führen. Rebells Biografie ist ein eindrückliches Beispiel dafür.

Hyesung Park: Living with Subscriptions: Consumer Behavior, Everyday Life, and Consumption Narratives.

Iulia Alexia Costea: Netflix und die Ästhetik des Nebenbei-Schauens: Casual Viewing, Second Screening und narrative Folgen.

Was passiert, wenn Netflix nicht mehr nur entwirft, was wir schauen, sondern auch, wie
wir schauen? Diese Bachelorarbeit untersucht Casual Viewing als Rezeptionsmodus
und Second Screening als Rezeptionspraktik im Kontext der Streamingplattform Netflix.
Der Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass die gegenwärtige Streamingkultur
zunehmend Rezeptionsformen begünstigt, die nicht mehr auf ungeteilter
Aufmerksamkeit beruhen. Die untersuchten Phänomene erscheinen dabei nicht bloss
als individuelle Gewohnheiten, sondern werden als kulturell und plattformlogisch
mitbedingte Formen des Medienkonsums erkannt. Mit der zunehmenden Verbreitung
von Casual Viewing und Second Screening wird deutlich, dass sich für die Rezeption von
Serien und Filmen andere ästhetische und formale Ausprägungen bewähren als in
aufmerksamen Binge-Watching-Situationen. Methodisch kombiniert die Arbeit
theoretische Texte mit einer qualitativen Analyse medialer popkultureller Diskurse.
Durch die Untersuchung wissenschaftlicher Texte, Netflix-eigener Quellen sowie
alltagsnaher Artikel und Blogbeiträge wird herausarbeitet, wie Casual Viewing und
Second Screening beschrieben, bewertet und kulturell lesbar gemacht werden. Die
Analyse zeigt, dass Casual Viewing und Second Screening durch plattformlogische und -
ökonomische Gestaltungen von Netflix begünstigt werden. Medienkonsum wird nicht
mehr nur anhand des Inhalts organisiert, sondern ebenso situativ. Darüber hinaus wird
sichtbar, dass neue Rezeptionsmodi und -praktiken die inhaltliche und ästhetische
Produktion von Filmen und Serien mitprägen.

Ye In Kim: Global Differences in Tipping Culture : Comparing Switzerland and South Korea in the context of a Korean restaurant in Zurich.

To tip or not to tip? This Bachelor’s thesis deconstructs the act of tipping from a seemingly trivial, individualized financial transaction into a profound expression of transcultural negotiation, linguistic socialization, and labour economics. In the gastronomy sector, tipping forms a substantial part of one’s earnings as a waiter or waitress and functions as a reciprocal gesture of appreciation for friendly service and professional assistance. The social expectations behind adding a monetary gratuity to the bill differs from country to country, and this essay examines and compares the cultures of Switzerland and South Korea before delving into the case study of a Korean restaurant located in Zurich.
The empirical core of this study comprises a meticulous dataset of 256 unique table interactions within the restaurant, collected by the insider-researcher over a period of one month. This specific field site functions as a dynamic transcultural space, allowing for the cross-examination of three core hypotheses regarding nationality, language, age, and transcultural autonomy. The findings successfully validate the resilience of domestic cultural conditioning across geographic borders. When South Korean patrons enter the restaurant, the combination of the authentic Korean food, the rapid, high-efficiency service patterns expected in Korean restaurants, and the presence of Korean servers greeting them in their native language prompted a spatial enclave effect, triggering a natural regression to their local non-tipping norms despite the geographical location. Conversely, the analysis of the Swiss-German customer subgroup illuminates the deeply socialized preference for the customary comfort of rounding up bills to close milestone numbers rather than calculating percentage-based “overtips”. Furthermore, a generational divide can be observed when breaking down the data according to age, proving that younger consumers tend to demonstrate a significantly more conservative and pragmatic financial mindset.
The thesis also examines the contemporary digital landscape, arguing that the absence of automated digital percentage-based tip prompts at the field site was crucial in preserving the raw authenticity of consumer behaviour. It also touches on the difficulty of tracking the trajectory of paid gratuities, describing different distribution patterns and criticizing the systemic vulnerabilities of the tip distribution system. Ultimately, the case study and literature review analyse the differences in tipping culture between different global regions, applying them onto the specific transcultural case of a Korean restaurant in Switzerland.

Angela Sisca: Zwischen Realität und Fiktion: Selbstbilder, Hingabe und Erwartungen junger Erwachsener auf digitalen Dating-Plattformen im deutschsprachigen Raum.

Zwischenmenschliche Beziehungen wie die Liebe sind Teil des Lebens und beschäftigen viele Menschen diverser sozialer Gruppierungen. Diese Beziehungen werden oft angestrebt, gar gesucht – zunehmend auch per Smartphone. Digitale Dating-Plattformen wie Tinder, Hinge, Bumble oder Grindr haben sich in den vergangenen Jahren zu einem festen Bestandteil urbaner Alltagspraxis entwickelt und dabei sowohl die Form des Kennenlernens, als auch auch die Logik, nach der es funktioniert, verändert. Die
vorliegende Bachelorarbeit geht der Frage nach, inwiefern die Anwendung von Dating-Apps das Verständnis von Liebesbeziehungen junger Erwachsener im deutschsprachigen Raum beeinflusst und welche äusseren Faktoren dabei eine Rolle spielen.
Auf Basis von drei qualitativen Interviews mit Personen im Alter zwischen 26 und 42 Jahren sowie eines Forschungstagebuchs als Instrument teilnehmender Beobachtung werden mittels Narrationsanalyse Selbstbilder, Erwartungen und Verhaltensmuster im Kontext digitaler Partnersuche untersucht. Theoretisch stützt sich die Arbeit auf soziologische und kulturwissenschaftliche Perspektiven, darunter Konzepte der Selbstdarstellung, Gefühlsarbeit, Plattformökonomie und romantischer Liebe als kulturelles Narrativ.
Die Ergebnisse zeigen, dass Dating-Apps das Verständnis von Liebesbeziehungen weniger grundlegend verändern als vielfach angenommen. Verändert hat sich vielmehr die Infrastruktur, über die Beziehungen verhandelt werden: Plattformlogiken, kapitalistische Strukturen und die spezifischen Bedingungen digitaler Kommunikation formen Selbstbilder und Erwartungen – ohne die Grundbedürfnisse nach Verbindung und Nähe zu ersetzen. Dating-Apps erweisen sich dabei weniger als Ursache, denn als Ausdruck jener gesellschaftlichen Strukturen, in denen Liebe heute gesucht wird.