Studien zur Kulturwissenschaftlichen Technikforschung

Bd. 9: Christine Oldörp: Verschriftlichungen?

Cover Oldörp

Zur Technizität und Medialität des Sprechens im qualitativen Interview. Zürich: Chronos 2018.

ISBN 978-3-0340-1415-1

Das qualitative Interview ist eine zentrale subjektorientierte Methode der empirischen Kulturwissenschaft, mit der der andere selbst zu Wort kommt und in seinem Sprechen einen gewissen Gestaltungsspielraum hat. Aber was wird aus dem Sprechen im Zuge des «doing data»? Wird der andere als Sprecher seiner selbst anerkannt oder transformieren die im Forschungs­prozess eingesetzten Repräsentationstechniken die mündlichen Äusserungen im Sinne einer «writing culture»?

Von der leitfadenorientierten und tontechnisch gestützten Erhebung der Daten in Frage-Antwort-Sequenzen über das Verstehen bis hin zur Transkription und Analyse des Gesprochenen wird der Forschungsprozess untersucht. Es wird aufgezeigt, wie die Repräsentationstechniken die Gesprächswirklichkeit jeweils auf spezifische Art und Weise zu etwas Anderem machen und welchen Effekt das auf das mündliche Sprechen hat. Die gesprächsanalytische Untersuchung erfolgt im Kontext allgemeinerer Überlegungen darüber, wie Erkenntnis durch Schriftlichkeit geprägt wird und in welchem Verhältnis Mündlichkeit dazu steht. Damit wird ein kulturwissenschaftlich motivierter, poetologisch-performativer Zugang zur Sprechwirklichkeit gesucht.

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Bd. 8: Christian Ritter: Postmigrantische Balkanbilder

Cover Ritter

Ästhetische Praxis und digitale Kommunikation im jugendkulturellen Alltag. Zürich: Chronos 2018.

ISBN 978-3-0340-1416-8

Im Social Web inszenieren Jugendliche eine gemeinsame Herkunft aus den westlichen Balkanstaaten auf vielfältige und kreative Art. Dabei entstehen komplexe Fotografien und Collagenbilder. Über diese werden stereotype Zuschreibungen des «Balkanischen» verhandelt und vor dem Hintergrund von Jugendkultur und globaler Populärkultur mit neuen Bedeutungen überformt. Das postmigrantische «doing ethnicity» zeigt sich dabei als eine alltäg­liche soziale Ressource, die eingelassen ist in die Ästhetisierung der Gesellschaft.

Das Buch gibt Einblick in die Bild- und Medienwelten postmigrantischer Jugendkulturen im deutschsprachigen Europa, mit Schwergewicht auf der Schweiz. Anhand zahlreicher Beispiele aus dem Social Web wird gezeigt, wie Vorstellungen von Ethnizität und Herkunft im Umgang mit digitaler Fotografie und Online-Kommunikation angeeignet und verhandelt, aber auch reproduziert werden. Im Zentrum stehen die intermedialen Praktiken, mittels deren Symbole und Narrative aus ­jugend- und populärkulturellen Kontexten sowie aus den nationalen Diskursen der westlichen Balkanstaaten zu neuen, (audio-)visuellen Erzählungen des «Balkanisch-Seins» verwoben werden. Die Imagination eines trans­nationalen Balkans als Ort gemeinsamer Herkunft dient als Schablone für die Verhandlung alltäglicher Erfahrungen sozialer und kultureller Stigmatisierung, aber auch als Ressource für die soziale Positionierung im Freundeskreis und nicht zuletzt gegenüber der Mehrheitsgesellschaft. Das Buch lenkt den Blick auf die Ambivalenz von kreativer Anrufung und sozialer Ermächtigung, insbesondere in der Aneignung identitätspolitischer Diskurse.

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Bd. 7: Ute Holfelder, Klaus Schönberger, Thomas Hengartner, Christoph Schenker (Hg.): Kunst und Ethnografie – zwischen Kooperation und Ko-Produktion?

Cover "Kunst und Ethnografie"

Anziehung – Abstossung – Verwicklung: Epistemische und methodologische Perspektiven. Zürich: Chronos 2018. (Im Erscheinen)

ISBN 978-3-0340-1410-6

Die in diesem Band versammelten ­Beiträge verweisen auf die Gemengelage zwischen künstlerischer und ethnografischer Forschung, zwischen der Praxis der Feld­forschung und der Kunstbetriebe, zwischen Künstler*innen, Ethnograf*innen und ­hybriden Akteur*innen, die heute dies und morgen etwas anderes sind. Im Fokus ­stehen transdisziplinäre Perspektiven, die die gegenwärtigen entgrenzten gesellschaft­lichen Verhältnisse methodisch und ­epistemisch einzuholen versuchen.

Der Band präsentiert die Ergebnisse eines im Rahmen des Projekts «Handyfilme – künstlerische und ethnografische Zugänge zu Repräsentationen jugendlicher Alltagswelten» durchgeführten Workshops. In diesem wurde gefragt, in welcher Weise ein Zusammengehen von Kunst und Ethno­grafie als Ko-Produktion praktiziert werden kann, die sich nicht im Modus einer additiven Kooperation oder einer Kollaboration erschöpft. Ein Grossteil der Beiträge bezieht sich auf dieses zwischen kulturwissenschaftlicher Technikforschung und künstlerischer Forschung angesiedelte Forschungsprojekt. Daneben finden sich zum einen Texte, die das Verhältnis von Kunst und Ethno­grafie grundsätzlich ausloten, zum anderen Darstellungen weiterer künstlerisch-gesellschaftswissenschaftlicher Forschungsprojekte. Alle Beiträge diskutieren neben konzeptionellen Überlegungen die Potenziale und Schwierigkeiten des Zusammenarbeitens von Kunst und Ethnografie. Sie veranschaulichen unterschiedliche Formen im Zusammengehen, Sich-­gegenseitig-Anziehen, aber auch im Sich-Reiben, Separieren und Abstossen.

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Bd. 6: Johannes Müske, Ute Holfelder, Thomas Hengartner (Hg.): Fixing and Circulating the Popular

Cover "Fixing and Circulating the Popular"

Ethnographies of Technology, Media, Archives and the Dissemination of Culture. Zürich: Chronos 2018. (Im Erscheinen)

ISBN 978-3-0340-1394-9

Die Beiträge in diesem Band zur kulturwissenschaftlichen Technikforschung stellen Praxen, Techniken und Pfade der (Wieder-)Aneignung, (Neu-)Schöpfung und (Weiter-)­Verbreitung von populärer Kultur vor. Sie behandeln Techniken des Sammelns von als kulturell codierten Arte­fakten in Geschichte und Gegenwart, volkskundliche Archive sowie Kulturpolitiken, die mittels populärer Musik im Radio zur Anwendung kommen. Auch am Beispiel von via Smartphone hergestellten und verbreiteten Handyfilmen und dem Umgang mit Geodaten-Plattformen wie Googlemaps wird gezeigt, wie populäre Kultur hergestellt, fixiert und verbreitet wird. Die Autor_innen arbeiten in den kultur­wissenschaftlichen Feldern Europäische Ethnologie/Empirische Kultur­wissenschaft, Cultural Studies, Medienethnologie und Anthropology of the Senses/Sound Studies.

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Bd. 5: Anke Rees: Das Gebäude als Akteur

Cover Rees

Architekturen und ihre Atmosphären. Zürich: Chronos 2016.

ISBN 978-3-0340-1362-8

Nicht nur Menschen tun etwas mit Gebäuden – auch Gebäude tun etwas mit Menschen. Sie haben unterschiedliche individuelle und kollektive Bedeutungen für uns. Sie bringen uns dazu, dass wir uns mit ihnen auseinandersetzen und für oder gegen sie aktiv werden. Als Symbole von Vergangenem lassen sie uns Zeitgefühl erahnen und bieten Orientierung im öffentlichen Raum. Und sie können im Laufe der Zeit zu Vertrauten werden, zu Metaphern für (Fehl)Entscheidungen oder zu technischen Herausforderungen.

Wodurch und wann werden Gebäude zu Akteuren? In welchen Konstellationen entfalten sie Wirkmächtigkeit? Welche Handlungsspielräume in sich, der Stadt und im Raum eröffnen und begrenzen sie? Anke Rees stellt eine innovative Herangehensweise vor, mit der sich die Verbindungen zwischen den Menschen und der materiellen Umwelt in ihrer Dynamik erfassen und deuten lassen – das «Atmosphären-Netzwerk-Modell». Ausgehend von Architekturen und unter Einbezug der sinnlich-emotionalen Faktoren können mit ihm die multidimensionalen Wechselbeziehungen untersucht werden: die Materialität des Bauwerks, die beteiligten Akteure mit ihren Netzwerken und die entstehenden Gefühlsräume mit ihren Atmosphären. Am Beispiel der Schiller-Oper in Hamburg, einem Stahlskelettbau aus dem Fin de Siécle, zeichnet die Autorin die empirische Herleitung des Modells nach. Dafür bündelt sie Ansätze der kulturwissenschaftlichen Technikforschung, der Material Culture Studies und der Urban Anthropology. Sie bezieht Atmosphärenkonzepte ebenso ein wie die Akteur-Netzwerk-Theorie. Mit dem entwickelten Instrumentarium analysiert sie die 125-jährige Geschichte des Beispielobjekts, die aus umfangreichen Archivalien und Alltagsquellen rekonstruiert wurde. Eine solche Herangehensweise ermöglicht einen «empathischen Blick» auf Gebautes und in der konkreten Umsetzung einen nachhaltigen, zufriedenstellenden Umgang mit der materiellen Umwelt.

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Bd. 4: Forschungsgruppe «Broadcasting Swissness»: Die Schweiz auf Kurzwelle

Cover "Die Schweiz auf Kurzwelle"

Musik – Programm – Geschichte(n). Zürich: Chronos 2016.

ISBN 978-3-0340-1333-8

Der Schweizerische Kurzwellendienst repräsentierte die Schweiz über das Radio. Er wurde 1935 gegründet und 1978 in «Schweizer Radio International» umbenannt. Gemäss bundesrätlichem Willen sollte der Kurzwellendienst die Bande zwischen den Auslandsschweizerinnen und -schweizern und der Heimat enger knüpfen und für die Schweiz werben. Bis 2004 verbreitete der Auslandssender über den Äther Informationen und Unterhaltung in alle Teile der Welt. Das Buch beleuchtet die Gründungs- und Ausbauzeit des Senders (1930er bis 1970er Jahre) und sein Musik- und Unterhaltungsprogramm.

Das breit gefächerte Programm musste unterschiedlichsten Ansprüchen genügen: Es sollte die «fünfte Schweiz» erreichen, jedoch auch ein internationales Publikum ansprechen; zudem waren die Sendungen über den Telefonrundspruch im Inland zu hören. Anhand von Fallstudien zeigen die Autorinnen und Autoren, wie die institutionellen Vorgaben in ein attraktives Programm übersetzt wurden, und gehen zum Beispiel folgenden Fragen nach: Wie entstand die Sammlung von «Schweizer Musik» (Sammlung Dür), die heute als Kulturerbe von der Schweizer Nationalphonothek aufbewahrt wird? Wie wurde aus Johanna Spyris «Heidi» ein arabisches Hörspiel? Wie wurde über die alpine Schweiz berichtet und wie mithilfe des Rundfunks ein weltweites Radioschützenfest inszeniert? Im Zentrum stehen die Jahre der Geistigen Landesverteidigung und des Kalten Krieges – die goldene Zeit des Kurzwellenradios. Kontextessays zur Rezeption von Volksmusik in der zeitgenössischen Presse und zum Umgang mit dem audiovisuellen Kulturgut in der Schweiz ergänzen den Band.

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Bd. 3: Johannes Müske: Klänge als Cultural Property

Cover Müske
Cover Müske

Technik und die kulturelle Aneignung der Klangwelt. Zürich: Chronos 2015.

ISBN 978-3-0340-1308-6

Wie kommen Gruppen und Akteure zu «ihrer» Kultur, und wie werden aus alltäglichen Phänomenen besondere, geschätzte Kulturgüter (Cultural Property)? Welche Bedeutung hat Technik für die Entstehung von klingendem Kulturgut? Die Studie erforscht am Beispiel der alltäglichen Klangwelt und aus der Perspektive einer anthropology of the senses die sinnlich-ephemere Dimension der Entstehung von Cultural Property und Cultural Heritage: die Beziehung zwischen Gruppen und ihren Kulturgütern und die Stabilisierung dieser Verbindung durch Performances, Medien und Archive. Der Autor verbindet die Themenfelder kulturwissenschaftliche Technikforschung, Sound Studies und Heritage Studies. Auf der Basis von Interviews, Rundfunkarchivalien und weiteren ethnografischen Daten werden in empirischen Fallstudien aus der alltäglichen Klangwelt die maritime Klanglandschaft Flensburgs, klingende Erinnerungsorte im Rundfunk und Politiken der Archivierung des audiovisuellen Erbes untersucht. Technik ermöglicht die kulturelle Aneignung von Klängen: Archiv-, Speicher- und Medientechnik bilden die Voraussetzung für die Verwandlung der flüchtigen Alltagskultur in dauerhaft verfügbare immaterielle Kulturgüter, die für Identitätspolitiken und ökonomische Wertschöpfungen valorisierbar werden. Drei Modi kultureller Aneignung im Alltag werden konturiert: Wahrnehmung, Semiotisierung und Archivierung.

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Bd. 2: Thomas Overdick: Photographing Culture

Cover Overdick
Cover Overdick

Anschauung und Anschaulichkeit in der Ethnografie. Zürich: Chronos 2010.

ISBN 978-3-0340-1044-3

Immer wieder wurde – und wird – die Fotografie als eine Erweiterung des Sehens beschrieben, als eine «Wahrnehmungsschule». Es scheint daher nahezuliegen, die Fotografie in das Methodenbündel der kulturwissenschaftlichen Feldforschung zu integrieren. Die aktuelle ethnographische Praxis der Volkskunde zeigt sich dem Medium gegenüber jedoch äusserst skeptisch. Die aktuelle volkskundliche Auseinandersetzung mit der Fotografie, die seit den 1990er Jahren einen regelrechten Boom im Fach erlebt, lässt sich vor allem als Diskurs über Fotografie kennzeichnen. Im Mittelpunkt steht die öffentliche, private und nicht zuletzt auch fachhistorische Fotografie, die es sowohl mittels bildanalytischer Verfahren quellenkritisch als zeitgeschichtliches Dokument als auch in ihrem individuellen und gesellschaftlichen Gebrauch zu erschliessen gilt. Ein Diskurs mit Fotografie, also ein fotografischer Diskurs im Sinne einer visuellen Ethnographie («Ethnofotografie»), fand bislang nicht statt. Mit der vorliegenden Arbeit zur Anschauung und Anschaulichkeit in der Ethnographie liegt nun die erste medien- und erkenntnistheoretisch fundierte Untersuchung innerhalb der deutschsprachigen Kulturwissenschaften vor, die auf Basis aktueller Ansätze der angloamerikanischen Visual Anthropology eine methodisch reflektierte Re-Integration der Fotografie als Instrument und Medium der ethnographischen Forschung und Repräsentation begründet. Ausgehend von der spezifischen Medialität der Fotografie und ihrer eigenen Art des Erzählens legt die Arbeit dezidiert die erkenntnistheoretischen Potenziale der fotografischen Praxis dar und rückt damit die Bedeutung der Fotografie als kulturwissenschaftliches Bildmedium in den Mittelpunkt der Betrachtung.

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Bd. 1: Hans Joachim Schröder: Technik als biographische Erfahrung 1930–2000

Cover Schröder
Cover Schröder

Dokumentation und Analyse lebensgeschichtlicher Interviews. Zürich: Chronos 2007.

ISBN 978-3-0340-0809-9

In zunehmendem Masse übt die Technik einen weitreichenden, oft genug geradezu umfassenden Einfluss auf das menschliche Leben aus. Um diesen Einfluss in seiner Wirkung auf das Individuum näher kennenzulernen, wurden am Institut für Volkskunde der Universität Hamburg ausführliche lebensgeschichtliche Interviews mit 92 Einzelpersonen geführt. Innerhalb des Dienstleistungssektors der Grossstadt Hamburg wurden zu gleichen Teilen Frauen und Männer aus unterschiedlichsten Berufen befragt. Die Interviewten sind zwischen 1924 und 1983 geboren, so dass Technikbiographien für den Erfahrungszeitraum von 1930 bis 2000 rekonstruiert werden können. Ein vorrangiges Ziel der Auswertungen ist es, die Befragten ausführlich selbst zu Wort kommen zu lassen. Das umfangreiche Interviewmaterial wird in breiter Form dokumentiert, damit die Analyseschritte, die mit ihm und an ihm vollzogen werden, jederzeit nachprüfbar bleiben. Dokumentation und auswertende Analyse sind dabei kontinuierlich miteinander verschränkt. Zugleich wird ein völlig neuer Weg beschritten, indem in einer strengen Abfolge aus sechzehn Kapiteln jeweils themenzentrierte, also nach Themenschwerpunkten geordnete «Querschnittskapitel» abwechseln mit der «vertikalen» Rekonstruktion von Einzelbiographien. In den Querschnittskapiteln sind jeweils Abschnitte etwa zum Thema «Technik als Gewalterfahrung im Zweiten Weltkrieg», «Umgang mit mobiler Technik», «Umgang mit Computertechnik» usw. zusammengefasst. In den Vertikalkapiteln werden beispielsweise die Biographien einer Buchhändlerin, einer Haushaltshilfe, eines Organisationsprogrammierers usw. nachgezeichnet, wobei für vier Frauen und vier Männer der Geburtsjahrgänge zwischen 1928 und 1982 detaillierte Technikbiographien entstehen. Der Intention nach wird ein möglichst differenzierter Zugang zu einer Vielfalt subjektiver Erfahrungen gesucht. Mit der breiten Widerspiegelung von Technikerfahrungen am Kristallisationspunkt einer Jahrtausendschwelle wird nicht nur innerhalb der Volkskunde, sondern auch interdisziplinär neues Forschungsterrain erschlossen.

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