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ISEK - Institut für Sozialanthropologie und Empirische Kulturwissenschaft Populäre Kulturen

«Claiming Folklore» – Politiken und Praktiken von Volksmusik im Schweizer Fernsehen (1960er–1990er Jahre)

Fördergefäss

Schweizerischer Nationalfonds (SNF)
SNF-Projektnummer: 204406
Projektwebseite beim SNF

Förderungsdauer

01/2022–12/2025

Projektleitung

Bernhard Tschofen, Prof. Dr.

Projektmitarbeitende

Sabine Eggmann, Dr.
Patricia Jäggi, Dr.
Alexandra Neukomm, MA
Inken Blum, MA (Hilfsassistentin)

Kontakt

claimingfolklore@isek.uzh.ch

Projektbeschrieb

Thema dieses kulturwissenschaftlichen Forschungsprojekts ist Tradition in modernen Kanälen. Es fragt nach Zuschreibungen und Inanspruchnahmen (Claiming) von Volkskultur (Folklore) in Bezug auf Volksmusik-Sendungen im Schweizer Fernsehen. Der Blick richtet sich auf die spezifischen Aneignungen und Bewertungen durch unterschiedlich verbundene Akteur*innen – das Sich-zu-Eigen-Machen von Volksmusik. Es erforscht heimatliche Klangkulturen im Fernsehen der 1960er bis 1990er Jahre im Vergleich mit alternativen Lesarten und Bewegungen desselben Zeitraums und sucht nach neuen Einsichten in identitätspolitische Zugriffe auf und Reflexionen von Volksmusik, ihre gesellschaftlichen Funktionen und Effekte.

Zentrale Frage ist, wie verschiedene Akteur*innen auf Produktions-und Rezeptionsseite mit welchen Interessen und von welchen sozialen Positionen aus Volksmusik als identitätspolitische Ressource entwarfen und an der Entstehung von bis heute gültigen Vorstellungen populärer heimatlicher Traditionen mitwirkten. Diese für das Verständnis der schweizerischen Alltagskultur in Jahrzehnten eines beschleunigten gesellschaftlichen Wandels relevanten Zusammenhänge sind bis dato ebenso wenig untersucht wie ihre nachhaltigen Spuren in der politisch-kulturellen Landschaft. Ausgehend vom Leitmedium Fernsehen – repräsentiert in einmaligen Archivbeständen des SRF – setzt sich das Projekt das Ziel, die Berührungsflächen (repräsentativer) Volkskultur und (medialer) Massenkultur in eine innovative musik- und medienanthropologische Perspektive zu rücken, die zum einen die fernsehkulturelle Praxis als gemeinsames Feld von Produktion und Konsumtion begreift und zum anderen im Sinne eines erweiterten relationalen Ansatzes auch die Heterogenitäten und Widersprüche im Zugriff auf die als volksmusikalische Tradition verstandene klangliche Kultur adressiert.

Für die Bearbeitung der damit verbundenen Forschungsfragen schlägt das Projekt neue Wege ein, die jenseits der Frage nach der Konstruktion die nicht-repräsentativen Dimensionen musikalischer und medialer Praxis ins Zentrum rücken. Dies soll einerseits über die praxeografische Rekonstruktion der Arbeitsweisen der SRF-Redaktion Volkskultur unter der langjährigen Leitung von Wysel Gyr (1927–1999) in der Interaktion mit Musizierenden und Publikum, andererseits durch eine Reintegration historischen Sendematerials in partizipative medienethnografische Untersuchungen ermöglicht werden. Kontrastierend dazu können Dokumente und audiovisuelles Material der «alternativen» Volksmusikszene u.a. aus dem Volksliedarchiv der Schweizerischen Gesellschaft für Volkskunde und dem Zentrum für Populäre Kultur und Musik, Freiburg i. Br., in qualitative Forschungen integriert werden. Neben dem SRF trägt die Unterstützung durch ein Netzwerk von Kooperationspartner*innen mit gegenständlicher, technischer und methodischer Expertise zur Realisierung und Qualitätssicherung bei. Für das beantragende Fach verbindet sich eine besondere Chance zu einer empirisch fundierten und theoretisch vielversprechenden Reflexion historischer Wissensbestände und gegenwärtiger Epistemiken als Ausdruck schweizerischer Selbstverständnisse.

Weiterführende Informationen