Abgeschlossene Dissertationsprojekte

Die abgeschlossenen Dissertationen sind nach Publikationsjahr und Name geordnet.

2018: Christoph Herrmann: Unscharfer Raum

Cover Herrmann
Cover Herrmann

Christoph Herrmann: Unscharfer Raum. Ermächtigungspraxen in urbanen Freiräumen am Beispiel des Tempelhofer Felds. Zürich 2018.

Das Tempelhofer Feld ist ein unscharfer Raum. Anstoß nehmend an den vielfältigen (Planungs)Prozessen um die städtische Nachnutzung/Entwicklung des Freiraums des ehemaligen Berliner Zentralflughafens, Berlin Tempelhof, wird der Ort selbst, oder vielmehr die differenten Vorstellung dieses Raums, als eine Ursache für die Zerwürfnisse der Diskursparteien gesehen. Ausgehend vom ‚Tempelhofer Feld werden Praktiken der Raumproduktion offengelegt von der Feldlerche bis zum Finanzinvestor, von Pionieren bis Politikern, die zeigen, wie verschieden sich die Räume am Ort des Tempelhofer Feldes in der Wahrnehmung unterschiedlicher Akteure darstellen. In dieser Unschärfe des Raums liegt möglicherweise sowohl der Ausganspunkt für die aktuellen Schwierigkeiten in der (planeirschen) Auseinandersetzung mit urbanem Raum, als auch (s)eine große Stärke der Vielheit, als Vorstellung einer Gleichzeitigkeit von Differenz und Einheit, die Gesellschaft heute bestimmt.

Die Dissertation wurde online publiziert: Zora.

2018: Christine Oldörp: Verschriftlichungen?

Cover Oldörp

Christine Oldörp: Verschriftlichungen? Zur Technizität und Medialität des Sprechens im qualitativen Interview. Zürich: Chronos 2018.

Das qualitative Interview ist eine zentrale subjektorientierte Methode der empirischen Kulturwissenschaft, mit der der Andere selbst zu Wort kommt und in seinem Sprechen einen gewissen Gestaltungsspielraum hat. Aber was wird aus dem Sprechen im Zuge des «doing data»? Wird der Andere als Sprecher seiner selbst anerkannt oder transformieren die im Forschungsprozess eingesetzten Repräsentationstechniken die mündlichen Äusserungen im Sinne einer «writing culture»?

Von der leitfadenorientierten und tontechnisch gestützten Erhebung der Daten in Frage-Antwort-Sequenzen über das Verstehen bis hin zur Transkription und Analyse des Gesprochenen wird der Forschungsprozess untersucht. Es wird aufgezeigt, wie die Repräsentationstechniken die Gesprächswirklichkeit auf je spezifische Art und Weise zu etwas anderem machen und welchen Effekt das auf das mündliche Sprechen hat. Die gesprächsanalytische Untersuchung erfolgt im Kontext allgemeinerer Überlegungen darüber, wie Erkenntnis durch Schriftlichkeit geprägt wird und in welchem Verhältnis Mündlichkeit dazu steht. Damit wird ein kulturwissenschaftlich motivierter, poetologisch-performativer Zugang zur Sprechwirklichkeit gesucht.

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2018: Christian Ritter: Postmigrantische Balkanbilder

Cover Ritter
Cover Ritter

Christian Ritter: Postmigrantische Balkanbilder. Ästhetische Praxis und digitale Kommunikation im jugendkulturellen Alltag. Zürich: Chornos 2018.

Die Studie befasst sich mit der Konstruktion und Verhandlung von „Ethnizität“ im transkulturellen Europa und deren Hinterlegung durch digitalisierte Kommunikations- und Kameratechnik. Im Zentrum stehen die (inter-)medialen und interaktiven Praktiken des „doing ethnicity“ von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, deren Eltern aus den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawiens ins deutschsprachige Europa ausgewandert sind, mit einem Schwerpunkt auf der Schweiz. Anhand zahlreicher Beispiele aus dem Social Web wird gezeigt, wie Vorstellungen von Ethnizität und Herkunft im Umgang mit digitaler Fotografie und Online-Kommunikation angeeignet und verhandelt, aber auch reproduziert werden. Einen besonderen Fokus legt die medienethnografischen Untersuchung auf die Praktiken, mittels derer Symbole und Narrative aus jugend- und populärkulturellen Kontexten sowie aus den nationalen Diskursen der westlichen Balkanstaaten zu neuen, (audio-)visuellen Erzählungen des „Balkanisch-Seins“ verwoben werden. Die Imagination eines transnationalen Balkans wird als Schablone für die Verhandlung alltäglicher Erfahrungen sozialer und kultureller Stigmatisierung deutlich gemacht – aber auch als Ressource für die soziale Positionierung in Peergroup und nicht zuletzt gegenüber der Mehrheitsgesellschaft. Dabei geht es immer auch um die Ambivalenz von kreativer Anrufung und sozialer Ermächtigung in Prozessen gesellschaftlicher Ästhetisierung.

Die Dissertation wird betreut durch Prof. Dr. Hans Ulrich Reck (Kunsthochschule für Medien Köln, Bereich Wissenschaft) und Prof. Dr. Thomas Hengartner (Universität Zürich, ISEK).

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2017: Macarena García-González: Origin Narratives

Cover García-González 2017
Cover García-González 2017

Macarena García-González: Origin Narratives. The Stories We Tell Children About Immigration and International Adoption. Oxford: Routledge 2017.

The first of its kind, this volume unpacks the cultural construction of transnational adoption and migration by examining a sample of recent children’s books that address the subject. Of all European countries, Spain is the nation where immigration and transnational adoption have increased most steeply from the early 1990s onward. Origin Narratives: The Stories We Tell Children About Immigration and International Adoption sheds light on the way contemporary Spanish society and its institutions re-define national identity and the framework of cultural, political and ethnic values, by looking at how these ideas are being transmitted to younger generations negotiating a more heterogeneous environment. This study collates representations of diversity, migration, and (colonial) otherness in the texts, as well as their reception by the adult mediators, through reviews, paratexts, and opinions collected from interviews and participant observation. In this new work, author Macarena Garcia Gonzalez argues that many of the texts at the wider societal discourse of multiculturalism, which have been warped into a pedagogical synthesis, underwrite the very racism they seek to combat. Comparing transnational adoption with discourses about immigration works as a new approach to the question of multiculturalism and makes a valuable contribution to an array of disciplines.

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2017: Mia Koller-Heidenrijk: Studium im (Pensions-)Alter

Dissertation Koller
Dissertation Koller

Mia Koller-Heidenrijk: Studium im (Pensions-)Alter: Motive, Daten und Entwicklungen. Zürich 2017

Der heutige Forschungsstand zum Thema „Reguläres Studieren im Alter“ steht, im Gegensatz zur Forschung über Seniorenuniversitäten, noch in den Anfängen. Wir werden immer älter und bleiben länger geistig fit, wie die demografischen Entwicklungen zeigen. Das Interesse älterer Menschen hat sich zu mehr Bildung und Weiterbildung entwickelt. Deshalb wird dieses Thema in Zukunft sicher an Bedeutung gewinnen.

Diese Arbeit befasst sich mit Personen, welche sich im Alter von 50 Jahren und älter entschliessen – nochmals – ein reguläres Studium aufzunehmen oder nun endlich das Studium mit einem Doktortitel zu beenden.

Wie gehen die Gesellschaft und die Universitäten mit diesen Studierenden um? Bestehen für ältere Studierende andere Zulassungskriterien als für jüngere? Gedacht sei hier an höhere Studiengebühren oder Beschränkungen bei der Fächerwahl.
Hierzu wurden weltweit 354 Universitäten angeschrieben und gefragt, wie viele Studierende ab 50 Jahren eingeschrieben waren und wie hoch der Anteil an den insgesamt eingeschriebenen Studierenden ist. Ist der Anteil im Vergleich zu früheren Jahren steigend, gleichbleibend oder abnehmend? Aufgrund der demografischen Entwicklungen scheint es möglich, dass die Zahl der älteren Studierenden in Zukunft ansteigen wird. Wie könnten die Universitäten mit steigenden Zahlen älteren Studierenden umgehen?

Untersucht wird weiter, welche Motivation die älteren Studierenden haben, ob sich ihr Bildungsideal im Alter gegenüber dem Bild, das sie als Jugendliche vom Studium hatten, geändert hat. Hierzu wurden 77 teilstrukturierte Interviews durchgeführt. Konnte früher das studiert werden, was gewollt war, oder herrschten da Vorstellungen, wie: Frauen brauchen nicht zu studieren, denn sie heiraten ja. Oder bei Männern: Studiere ein Fach, mit dem du später eine Familie ernähren kannst.

Da es von Interesse war, auf die obengenannten Fragen eine Antwort zu bekommen, wurden bewusst sowohl akademisch Gebildete als auch Nicht- Akademiker und -Akademikerinnen interviewt.

Die interviewten Personen, wurden ausserdem nach ihrer sozialen Herkunft und Religionszugehörigkeit gefragt. Dies mit dem Ziel, herauszufinden, ob es stimmt, dass Kinder aus akademisch gebildetem Elternhaus eher studieren als Kinder aus nicht akademischen Familien. Dies könnte für unsere Gesellschaft von Bedeutung sein, damit Informationen über Bildungsmöglichkeiten breiteren Schichten zugänglich gemacht werden. Die Frage nach der Religionszugehörigkeit könnte Hinweise darauf liefern, ob es religionsbedingte Gründe für oder gegen ein Studium gibt. Auch dies ist in der heutigen Zeit von zunehmender Bedeutung, haben wir es doch heute durch die Migration mit vielen verschiedenen Religionszugehörigkeiten zu tun. Müsste auch hier eventuell vermehrte Informationsarbeit geleistet werden?   Die interviewten Personen wurden in vier Gruppen aufgeteilt. Erstens nach Geschlecht, innerhalb des Geschlechts nach Alter, wobei der Durchschnitt bei ca. 50 Jahren lag.

In der Gruppe ab 50 Jahren wurde untersucht, ob es zwischen 50 und 60 Jahren mehr weibliche als männliche Studierende gibt. Falls es mehr Studentinnen gibt, könnte dies darauf hindeuten, dass diese Frauen als Jugendliche aus verschiedenen Gründen nicht studiert haben oder nicht studieren durften und dies nun, wo die Kinder flügge sind, nachholen. Falls die Anzahl der Männer ab ca. 60 Jahren deutlich zunimmt, könnte dies einen Hinweis auf eine eventuelle Frühpensionierung sein. Dies ist ebenfalls ein relevantes Thema für die Gesellschaft.

Um einen Eindruck zu bekommen, wie Studierende, die ihr Studium oder einen Teil davon im Ausland absolviert haben, die besuchten Universitäten beurteilen, wurden Interviews mit diesen Studierenden geführt. Auch wurden Gespräche mit Personen geführt, welche ihr Studium teilweise oder ganz in ihrem Heimatland absolviert haben. Zu Wort kamen 25 Personen aus allen Teilen der Welt.

Die vorliegende Arbeit ist in drei Teile gegliedert. Im ersten Teil werden Theorien besprochen, im zweiten Teil werden die Antworten der Universitäten und die Ergebnisse aus den Interviews dargestellt. Im Schlussteil werden die Erkenntnisse aus dieser Arbeit besprochen.

Aus ihr geht hervor, dass in der nächsten Zukunft kein Bedarf für einen neuen Universitätstypus besteht.

Die Dissertation wurde online publiziert: Zora.

2017: Tobias Scheidegger: »Petite Science«

Cover Scheidegger
Cover Scheidegger

Tobias Scheidegger: »Petite Science«. Ausseruniversitäre Naturforschung in der Schweiz um 1900. Göttingen: Wallstein 2017.

„La petite science“ schliesst eine historiographische Lücke: Obwohl Naturforschung – in erster Linie botanischer und entomologischer Ausrichtung – um die Jahrhundertwende eine populäre Freizeitbeschäftigung bildungsbürgerlicher Schichten darstellte, wurde sie noch wenig untersucht.

Die Studie zeigt auf, dass die Freizeitforscher in diesen Jahrzehnten einen eigenständigen Modus der naturgeschichtlichen Wissenschaftspraxis etablierten. Dieser bestand neben der Hochschulwissenschaft und pflegte mit dieser partiell auch Austausch, bildete jedoch in epistemischer wie sozialer Hinsicht eine (teil-)autonome Sphäre aus. Der titelgebende Quellenbegriff der „petite science“ bewährte sich als heuristisches Leitkonzept zur Charakterisierung jenes Wissenschaftsmodus: In epistemischer Hinsicht präsentierten sich besagte Aktivitäten als „kleine“ Wissenschaft, da sie hauptsächlich nahräumliche Naturphänomene ins Auge fassten und als sammelnd-inventarisierende Lokalforschung funktionierten. Das „Kleine“ zeichnete aber auch die soziale Strukturierung dieses Wissenschaftsmodus aus. Im ausgehenden 19. Jahrhundert war die ausseruniversitäre Naturforschung stärker als zuvor geprägt von Akteuren bäuerlich-kleinbürgerlicher Herkunft. Vor allem in den Hauptorten ländlicher Kantone ohne eigene Hochschule formierten diese (autodidaktischen wie studierten) Akteure der Petite Science eigenständige kleinstädtische Wissensmilieus. Diese Milieus waren in allen Hauptorten geprägt durch vergleichbare Strukturen. Sie stützten sich jeweils auf die selben institutionellen Standbeine und deren fallweises Zusammenspiel: den kantonalen Naturforschenden Gesellschaften, den ortsansässigen Gymnasien und den lokalen Naturmuseen.

Welches sind die wichtigsten Ergebnisse dieser historisch-ethnografischen Studie? Erstens ermöglicht sie neue Einsichten in die Struktur und das Funktionieren dieser Naturforschermilieus um 1900: Auch wenn die oben erwähnten Institutionen Verein, Schule und Museum wichtige Ressourcen und Bühnen des Öffentlichkeitsbezuges der Petite Science darstellten, waren für die konkreten Forschungsprojekte der Lokalforscher (beispielsweise floristische oder faunistische Bestandesinventarisierungen) informelle Netzwerke von weit grösserer Bedeutung als institutionelle Gefässe. Die Studie illustriert, dass diese Netzwerke der Kooperation vorwiegend durch wissenschaftliche Dingpraktiken strukturiert und zusammengehalten wurden: durch normative Standards der Dinghandhabe, durch mediale Wirkweisen von Inventarisierung und Taxonomie sowie durch die soziale Bindekraft des Gabentauschs.

Zweitens liefert die Studie einen wichtigen Beitrag zur Geschichte des Naturschutzes in der Schweiz. Ich konnte aufzeigen, dass die naturkundlichen Lokalforscher um 1900 eine grundlegende Rolle in der Entstehung des modernen Naturschutzgedankens spielten, die bislang noch kaum beachtet wurde. Der aufkommende Naturschutz war nicht bloss eine ideologisch-diskursive Formation des fortschrittsskeptischen Bürgertums des Fin de Siècle. Die rasche Ausbreitung des Naturschutzgedankens zu Beginn des 20. Jahrhunderts beruhte ebenso auf empirischen Einsichten der Lokalforscher. Aufgrund ihrer akribischen Landschaftskenntnisse und inventarisierenden Logik der Naturbetrachtung konnte diesen der faktische Rückgang der Artenvielfalt um die Jahrhundertwende nicht verborgen bleiben.

Drittens zeigt die Studie auf, wie sich die naturkundliche Lokalforschung um 1900 zunehmend zur „Heimatwissenschaft“ wandelte. Auf wissenschaftlicher Ebene umfasste diese heimatliche Wende die Rezeption jüngerer ökologischer Theorien. Deren holistisches Leitkonzept einer Pflanze, Tier und Mensch gleichermassen umfassenden „Lebensgemeinschaft“ entfaltete grosse Auswirkungen auf die Petite Science. Neben der damit einhergehenden Ausweitung ihrer Forschungsinteressen hin auf volkskundlich-ethnographische Themenbereiche waren die politischen Implikationen dieser Heimatwende wohl noch gewichtiger: Mittels der ökologisch unterlegten Rede einer räumlich definierten und angeblich homogenen „Heimatnatur“ akzentuierte die naturwissenschaftliche Lokalforschung ihre Rolle als Produzentin gesellschaftlichen Orientierungswissens. Angesichts des innerwissenschaftlichen Bedeutungsverlusts taxonomisch-inventarisierender Naturforschung ab der Zwischenkriegszeit erhielt die institutionelle Verflechtung der nunmehr heimatlich ausgerichteten Petite Science mit dem Schulwesen noch grösseres Gewicht als zuvor. In dieser Institution fand besagter Wissenschaftsmodus sein Reservat, in dem er bis in die 1970er-Jahre überdauerte und durch seine Einbettung in das Curriculum der Volksschule – Stichwort Natur- und Heimatkunde – grossen Einfluss auf die Naturkonzeptionen breiter Bevölkerungsschichten entfalten konnte.

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2017: Susanne Seiz: "Ich habe einen Schnitt gemacht!"

Dissertation Seiz
Dissertation Seiz

Susanne Seiz: "Ich habe einen Schnitt gemacht!": narrative Identitäten älterer Frauen nach einem Umzug ins Betreute Wohnen. Zürich 2017.

Die vorliegende Arbeit widmet sich einem Thema, das bisher wenig untersucht wurde: dem Betreuten Seniorenwohnen in Deutschland. Zehn Frauen wurden zu ihrem Umzug in diese Wohnform, ihrem dortigen Alltag, zum Älterwerden sowie zu ihren Zukunftserwartungen befragt. Im Vordergrund stehen die Dokumentation und Interpretation ihrer vielfältigen, subjektiven Erfahrungen und Empfindungen sowie die Analyse ihrer narrativen Identitätsbildungen. Methodisch ordnet sich diese Arbeit in den Schnittbereich von qualitativer Kulturanalyse und Narrativer Gerontologie ein. Es wird gezeigt, dass die meisten Frauen es verstehen, flexibel und situativ zwischen verschiedenen narrativen Positionierungen zu pendeln, Ambivalenzen nicht nur zu ertragen, sondern auch positiv zu werten. Im Gegensatz zu vielen anderen Studienergebnissen wird hier offenbar, dass der Umzug im Alter mehrheitlich als aussichtsreich eingeordnet und mit der Chance für einen Neuanfang und für kreative Neupositionierungen verknüpft wird.

Bemerkenswert ist, dass sich die Narrationen um die Aufrechterhaltung der eigenen Autonomie im Alltag drehten und das Betreute Wohnen eine untergeordnete Rolle spielte. Die Arbeit zeigt, dass das mit der Konzeption der Wohnform zusammenhängt, die keine umfassende Betreuung bei tatsächlichen körperlichen und psychischen Abbauprozessen vorsieht. Daran wird deutlich, dass das Älterwerden einseitig betrachtet wird, was einem populären Masternarrativ unserer Kultur und Gesellschaft entspricht.

Die Dissertation wurde online publiziert: Herunterladen.

2016: Julia Fleischhack: Eine Welt im Datenrausch

Cover Fleischhack 2016
Cover Fleischhack 2016

Julia Fleischhack: Eine Welt im Datenrausch. Computeranlagen und Datenmengen als gesellschaftliche Herausforderung in der Bundesrepublik Deutschland (1965–1975). Zürich: Chronos 2016.

Die 2012 abgeschlossene Dissertation verfolgte in erster Linie die Frage, wie der gesellschaftliche Umgang mit Daten zu einem zentralen Konfliktfeld des späten 20. Jahrhunderts wurde. Im Fokus stand mit den 1960er und 1970er Jahren die Frühphase der ›Computerisierung‹ in der Bundesrepublik Deutschland: Untersucht wurden u.a. neben der Entstehung(sgeschichte) der ersten Rechenzentren und den großangelegten Vernetzungsplänen und -visionen zum Datenaustausch in der öffentlichen Verwaltung auch die Ausweitung des Datenhandels und speziell der Datenerfassung von Personen im kommerziellen Bereich.

Die empirische Basis bildeten Verwaltungsfachzeitschriften, technikwissenschaftliche Fachliteratur und archivalische Quellen, die den Automatisierungsprozess dokumentieren. Doch wurden auch sozial- und rechtswissenschaftliche Studien wie auch populäre Schriften vor allem aus dem US-amerikanischen Raum aus der Zeit 1965-1975 herangezogen und ausgewertet, in denen speziell der gesellschaftliche Umgang mit Personendaten erstmalig im großen Umfang problematisiert wurde.

2016: Thomas Järmann: ‹Swissness› über Kurzwelle

Cover Dissertation Järmann

Thomas Järmann: ‹Swissness› über Kurzwelle. Musik als identitätspolitisches Element am Beispiel der Tonbandsammlung von Fritz Dür. Zürich 2016.

Die Dissertation entstand als Teil des SNF–Sinergia–Forschungsprojekts ‹Broadcasting Swissness›, welches von Dezember 2012 bis November 2016 als transuniversitäres Projekt durchgeführt wurde. Zentraler Untersuchungsgegenstand war ein Tonband–Konvolut von rund 7600 Magnettonbändern, das von Fritz Dür im Zeitraum von 1957 bis etwa 1967 für die Verwendung im Radiobetrieb des Schweizerischen Kurzwellendiensts zusammengestellt wurde. Befördert durch die politische Situation während und nach dem Zweiten Weltkrieg, sah es der Sender als seine programmatische Pflicht an, durch Wortbeiträge die im Ausland lebenden Schweizerinnen und Schweizer über ihre Heimat zu informieren und die emotionale Bindung aufrecht zu halten. Der Musik fiel dabei identitätsstiftende Funktion zu. Neben den historischen, soziokulturellen und institutionellen Rahmenbedingungen bei der Genese, der Überlieferung und der Verwertung der Tonbandsammlung lag das Hauptaugenmerk der Abhandlung auf Fallstudien. Aufgrund dieser wurden Fragen zur sinnlichen Konstruktion von Identität beantwortet. Aus kulturanthropologischer Sicht wurde nach der Konstruktion von Identität mittels Musik gefragt und aus musikwissenschaftlicher Sicht nach möglichen musikalischen Elementen von Swissness. Es konnte gezeigt werden, dass neben den Wortbeiträgen eine klangliche Vorstellung von Swissness auf emotionaler Ebene gezielt angestrebt und durch stetige Wiederholung im kollektiven Gedächtnis der Hörerschaft gefestigt wurde.

Die Dissertation wurde auf online publiziert: Zora.

2016: Anke Rees: Das Gebäude als Akteur

Cover Rees 2016
Cover Rees 2016

Anke Rees: Das Gebäude als Akteur. Eine empirische Hinführung zum Atmosphären-Netzwerk-Modell am Beispiel der Schiller-Oper in Hamburg. Zürich: Chronos 2016.

Nicht nur Menschen tun etwas mit Gebäuden – auch Gebäude tun etwas mit Menschen. Sie haben unterschiedliche individuelle und kollektive Bedeutungen für uns. Sie bringen uns dazu, dass wir uns mit ihnen auseinandersetzen und für (oder auch gegen sie) aktiv werden. Als Symbole von Vergangenem lassen sie uns Zeitgefühl erahnen und bieten Orientierung im öffentlichen Raum. Und sie können im Laufe der Zeit zu Vertrauten werden, zu Metaphern für (Fehl)Entscheidungen oder zu technischen Herausforderungen.

Wodurch und wann werden Gebäude zu Akteuren? In welchen Konstellationen entfalten sie Wirkmächtigkeit? Welche Handlungsspielräume in sich, der Stadt und im Raum eröffnen und begrenzen sie? Diese Arbeit stellt eine innovative Herangehensweise vor, mit der sich die Verbindungen zwischen den Menschen und der materiellen Umwelt in ihrer Dynamik erfassen und deuten lassen – das Atmosphären-Netzwerk-Modell. Ausgehend von Architekturen und unter Einbezug der sinnlich-emotionalen Faktoren können mit ihm die multidimensionalen Wechselbeziehungen untersucht werden: die Materialität des Bauwerks, die beteiligten Akteure mit ihren Netzwerken und die entstehenden Gefühlsräume mit ihren Atmosphären.

Am Beispiel der Schiller-Oper in Hamburg, einem Stahlskelettbau aus dem Fin-de-Siécle, wird die empirische Herleitung des Modells nachgezeichnet. Dafür werden Ansätze der kulturwissenschaftlichen Technikforschung, der Material Culture Studies und der Urban Anthropology gebündelt. Atmosphärenkonzepte werden ebenso einbezogen wie die Akteur-Netzwerk-Theorie (ANT). Mit dem entwickelten Instrumentarium wird schließlich die 125-jährige Geschichte des Beispielobjekts analysiert, die aus umfangreichen Archivalien und Alltagsquellen rekonstruiert wurde. Dabei zeigt sich, dass eine solche Herangehensweise einen empathischen Blick auf Gebautes und in der konkreten Umsetzung einen nachhaltigen, zufriedenstellenden Umgang mit der materiellen Umwelt ermöglicht.

2016: Gerda Wurzenberger: Intermedialer Style

Cover Wurzenberger
Cover Wurzenberger

Gerda Wurzenberger: Intermedialer Style. Kulturelle Kontexte und Potenziale im literarischen Schreiben Jugendlicher. Bielefeld: transcript 2016.

In der globalisierten digitalisierten Medienwelt nehmen gerade bildungsferne Jugendliche einen privilegierten Platz ein. Anhand umfangreicher Texte aus einem Schreibprojekt zeigt Gerda Wurzenberger, wie das Medienwissen sowie die alltagssprachlichen Ressourcen der Jugendlichen genutzt werden können, um literarisches Schreiben aus der Lebenswelt der Jugendlichen heraus zu entwickeln und zugleich auch darin zu verorten.
Der Style, den die Jugendlichen beim gemeinsamen Schreiben kreieren, macht das innovative Potenzial erkennbar, welches die (Inter-)Medialisierung des Alltags sowie die Migrationsbewegungen für die Sprache und das Erzählen bereithalten.

Zur Publikation (Open Access)

2015: Peter Büttner: Schreiben lehren um 1800

Cover Buettner
Cover Buettner

Peter Büttner: Schreiben lehren um 1800. Hannover: Wehrhahn Verlag, 2015.

Das Untersuchungsobjekt dieser Arbeit betrifft die Kulturtechnik Schreiben am Ende der Frühen Neuzeit. Ihre kulturhistorische Darstellung wird ermöglicht durch den Informationsreichtum der Stapfer-Enquête von 1799, einer Schulumfrage aus der Zeit der Helvetischen Republik (1798–1803). Aus ihren professionellen Fragen und individuell gefärbten Antworten, Schlussfolgerungen und Ergebnissen entsteht so etwas wie die Momentaufnahme einer vergangenen Schreibkultur. Im Zentrum der Untersuchung stehen die angewandten Schreibmethoden und Vermittlungspraktiken, die Schreibkenntnisse der Lehrer, Pfarrer und der Kinder, die Schreibmaterialien und Lehrmittel sowie die Schreibvorschriften. Mit diesen Fragen hat sich die historische Bildungsforschung zwar immer wieder beschäftigt, aber eine fundierte Beantwortung der Frage, wie der elementare Schreibunterricht im 18. Jahrhundert in der Praxis durchgeführt wurde, steht bis heute aus. Experten mutmaßen irrtümlicherweise noch heute, dass der Schreibunterricht im 18. Jahrhundert keine besondere Beachtung erfahren hatte. Die Forschung ist über die Ansicht, dass der schulische Schreibunterricht mehr eine Art Zeichen- bzw. Kopierunterricht war, nicht hinausgekommen. Bis heute ist es ihr nicht überzeugend gelungen darzustellen, wieviel Raum der Schreibunterricht in den Schulen um 1800 einnahm und welche Bildungsziele überhaupt verfolgt wurden. Trotz ausführlicher Antworten mancher Lehrer bleiben gewisse Sachverhalte in der Schwebe, unausgesprochen oder unterdrückt. Diese lassen sich rückblickend nur dann rekonstruieren, verstehen und interpretieren, wenn der europäische Schreibdiskurs in die Analyse mit einbezogen wird, der die Quelle in ihrem historischen Umfeld erst verhandelt. Durch ihn wird offenbar, ob das deutschsprachige Schulwesen am Ende der frühen Neuzeit in Begriff war eine Epochenschwelle zu überschreiten oder ob diese sich als längst überschritten erwies.

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2015: Mischa Gallati: Entmündigt

Cover Galatti
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Mischa Gallati: Entmündigt. Vormundschaft in der Stadt Bern 1920–1950. Zürich: Chronos 2015.

1912 wurde das Vormundschaftsrecht im Schweizerischen Zivilgesetzbuch national vereinheitlicht: Es regelte die Entmündigung von Menschen mit psychischen Krankheiten oder mit sogenannten sozialen "Mängeln" wie "Misswirtschaft" und "Verschwendung", "Trunksucht" oder "lasterhaftem Lebenswandel". Das 2013 revidierte Vormundschaftsrecht machte diesem stigmatisierenden Recht ein Ende. Es ist nun an der Zeit, Institutionalisierung, Vollzug und alltägliche Praktiken in der Vormundschaft über Erwachsene einer historischen Analyse zu unterziehen.

Die Untersuchung widmet sich beispielhaft der kommunalen Vormundschaftspraxis der Stadt Bern und fokussiert dabei die Jahre 1920 bis 1950 unter Beizug von Fallgeschichten. Die moderne Vormundschaft wird als Phänomen des 20. Jahrhunderts beschrieben und als machtvoll gegliedertes Beziehungsgefüge verstanden. Seine Spezifik wird historisch kontextualisiert: Seit dem 19. Jahrhundert wurde die Modernisierung der Vormundschaft als Aufgabe der Einwohnergemeinden mit nationalen Rahmungen vorangetrieben – unter starkem Bezug auf ältere Traditionslinien, was als eigentliche "Invention of Tradition" verstanden werden kann. Neben dem Behördenhandeln wird die "innere Mechanik" der Vormundschaft analysiert, wobei insbesondere eigensinnige Handlungslogiken entmündigter Personen interessieren, die häufig zwischen Konformität und Dissens changierten. Die Arbeit leistet einen Beitrag zur historischen Aufarbeitung fürsorgerischer Praktiken sowie zur sozial- und kulturwissenschaftlichen Diskussion um menschliche Handlungsfähigkeit.

Wie in andern Ländern auch erfuhren eugenische Argumentationsweisen in der Schweiz in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts in psychiatrisch-medizinischen, bevölkerungs- und sozialpolitischen Zusammenhängen einige Verbreitung. Sozialpolitische Praktikerinnen und Praktiker rückten von ökonomischen oder politischen Lösungsansätzen der 'sozialen Frage' zusehends ab und schwenkten auf einen zumindest teilweise eugenisch motivierten Kurs ein. Zeitlich parallel dazu begann sich der Sozialstaat modernen Zuschnitts in seinen Grundzügen auszuformen. Im schweizerischen Kontext entwickelten sich insbesondere kommunale Einrichtungen zu eigentlichen sozialstaatlichen Laboratorien. Verbunden mit ihrem Ausbau auf Gemeindeebene kam es zu verstärkten Professionalisierungsbestrebungen der Berufsfelder, die heute unter dem Begriff der sozialen Arbeit subsumiert werden. Inwiefern nun die Eugenik in diesem und vor allem für diesen Prozess der Institutionalisierung und Professionalisierung eine Rolle spielte, ist Gegenstand dieser Arbeit. Dies wird anhand der Praxis der Stadtberner Vormundschaftsbehörde 1920-1950. Als Quellen dienen vor allem die Protokolle der Vormundschaftskommission, Vormundschaftsberichte der sowie ausgewählte Personendossiers der Sozialen Fürsorge.

Das Vormundschaftswesen spielt für sozialstaatliche Ein- und Ausschlussmechanismen insofern eine bedeutende Rolle, als hier über die zentrale Frage der Mündigkeit, Entscheidungsfreiheit bzw. Urteilsfähigkeit als Grundlage des staatsbürgerlichen Subjekts entschieden wird. Über die Bevormundung erhalten staatliche Organe direkten Zugang zu allen Bereichen der normalerweise unter besonderem staatlichen Schutz stehenden Privatsphäre einer Person: Vermögensverwaltung, berufliche Aktivitäten, Wohnsitznahme, Sexualität.

Die Arbeit liefert einen Beitrag zur Geschichte der Entstehung des sozialstaatlichen Netzes in der Schweiz sowie zu Rezeption und Gebrauch von Eugenik in diesem Berufsfeld im Zeitraum von 1920-1950.

2015: Monika Litscher: Urbane Szenerien

Monika Litscher: Urbane Szenerien : ein Konzept im Repräsentationsmodus der ethnografischen Collage in Bild und Text. Münster: Waxmann 2015.

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Das Konzept der Szenerien ermöglicht die Analyse gegenwärtiger komplexer, dynamischer und widersprüchlicher Verflechtungen, Ordnungen und gesellschaftlicher Transformationen in räumlichen Settings. Seine theoretisch-methodologische Kontur basiert auf einem Zuschnitt ausgewählter Raumbegriffe und -vorstellungen, Aspekten der Akteur-Netzwerk-Theorie und des Performativen. Als spezifische, expressive Repräsentationsfasson der Szenerien fungiert die ethnografische Collage in Bild und Wort, sie eröffnet vielgestaltige und vielstimmige Lesarten, Deutungsofferten und Wahrnehmungsangebote, die auch für Bedeutungsverschiebungen offen bleiben. – Dem Konzept der Szenerien dienen zwei öffentliche Räume der Stadt Zürich am Bellevue und am Idaplatz als Schauplätze für die empirischen Suchbewegungen, die in Monika Litschers Analyse zu einer signifikanten Spielart, den Urbanen Szenerien führen.

2015: Johannes Müske: Klänge als Cultural Property

Cover Müske
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2015: Johannes Müske: Klänge als Cultural Property. Technik und die kulturelle Aneignung der Klangwelt. Zürich: Chronos 2015.

Das Dissertationsprojekt entsteht im Rahmen des gleichnamigen Forschungsprojekts und untersucht aus der Perspektive einer kulturwissenschaftlichen Technikforschung kulturelle Aneignungsprozesse von Klängen in unterschiedlichen Kontexten. Die Aneignung von Kultur und die damit verbundenen Implikationen, etwa Ansprüche auf die Nutzung von kulturellen Ressourcen, ist vor dem Hintergrund weitreichender Digitalisierungsprozesse ein immer wichtigeres gesellschaftliches Thema. Inwertsetzungen und Schutz von materiellen und immateriellen kulturellen Überlieferungen blicken auf eine breite interdisziplinäre Erforschung unter den Begriffen Cultural Heritage und Cultural Property zurück. Zahlreiche Fallstudien untersuchen Verhandlungen zwischen unterschiedlichen, etwa staatlichen und nicht-staatlichen, Akteuren um kulturelle Aneignungen von Kultur. Demgegenüber geht die Dissertation am Beispiel von Klängen ethnografisch der Frage nach, wie Akteure und Gruppen zu »ihrem« kulturellen Eigentum kommen, noch bevor es zum Gegenstand gesellschaftlicher Aneignungen und Nutzungen resp. deren Verhandlung wird. Klänge und Töne, verstanden als die Gesamtheit der klingenden Umgebung, eigenen sich dabei besonders, weil sie bisher vor allem als intellektuelles Eigentum angeeignet werden (Copyright, klingende Marken, Sounddesign) und kaum zum Gegenstand von kulturellen Propertisierungen geworden sind. Gleichwohl sind erste Inwertsetzungsprozesse zu beobachten, die die Dissertation untersucht:

  • Archivierungspraxen und Heritage-Prozesse: Der Archiv-Kontext ist als Untersuchungsfeld von Interesse, da Klänge erst zum »Gegenstand« von Propertisierungsprozessen werden können, wenn sie langfristig technisch gespeichert sind. So schützt zum Beispiel das Unesco-Heritage-Programm »Memory of the World« mehrere Klangspeicher, von Phonogrammarchiven bis hin zu Tonträgern historischer Ereignisse. Mit dem Ziel, unterschiedliche Archivierungspraxen zu erforschen, werden an Hand von Interviews mit Archivar/innen (D, A, CH) Sammelstrategien und Nutzungen/Inwertsetzungen von Medienarchivalien untersucht.
  • Klangchiffren (Fallstudien): Anknüpfend an bestehende Klangforschungsstränge zu Soundmarks und (akustischen) Gedächtnisorten wird in empirisch-kulturanthropologischer Perspektive nach der Entstehungsgeschichte kultureller Chiffren für bestimmte Gruppen gefragt. Ein Beispiel ist die Stadt Flensburg, in der die Heritage-Konstruktion und Inwertsetzung einer »maritimen« Klanglandschaft im touristischen Kontext untersucht wird. Die Frage nach der Bedeutung von Klängen im Alltag (zum Beispiel in individuellen und kollektiven Erinnerungen) wird mit Hilfe von Interviews mit der Methode der Écoute réactivée operationalisiert.
  • Technizität von Cultural Property: Gerade am Beispiel eines ephemeren Phänomens wie Klang kann die Technisierung kultureller Überlieferung gut beschrieben werden: Technik bildet eine wichtige Voraussetzung für die Aufzeichnung von kulturellem Wissen und damit für die Entstehung und Inwertsetzung von Cultural Heritage. Mit der Veränderungen der Technik gingen Veränderungen des Konzepts von Cultural Property, seiner Reichweite und gesellschaftlichen Relevanz einher. Daher bildet insbesondere die Rolle der Speicher- und Aufzeichnungstechnik im Alltag einen Fokus der Arbeit.

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2014: Christine Lötscher: Das Zauberbuch als Denkfigur

Christine Lötscher: Das Zauberbuch als Denkfigur. Lektüre, Medien und Wissen in der zeitgenössischen Fantasy für Jugendliche. Zürich: Chronos 2014 (Populäre Literaturen und Medien; 10).

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Das Buch hat bei seinen jungen Leserinnen und Lesern so viel Konkurrenz wie noch nie. Einst König der Medien im Kinderzimmer, ist es heute von Smartphones, Computerspielen und einem riesigen Angebot an Filmen und TV-Serien im Internet umzingelt. Fantasy-Romane für Jugendliche zelebrieren das Lesen hingegen als das grösste und aufregendste Abenteuer. Aufgeladen mit magischen Kräften, die den Funktionen von Multimedia-Gadgets entsprechen, erscheint das Zauberbuch als Supermedium. Mit einem kulturwissenschaftlich-medientheoretischen Ansatz untersucht die Autorin eine Reihe von Fantasy-Romanen, darunter Michael Endes Klassiker «Die unendliche Geschichte», Cornelia Funkes «Tintenwelt»-Trilogie und Walter Moers’ «Die Stadt der Träumenden Bücher». Sie zeigt auf, wie eng die Narrative rund um Lektüre, Medien und Wissen mit der Kulturgeschichte des Buches und den Debatten um Medienpädagogik verflochten sind und dass die Zauberbuch-Fantasy die Sehnsucht nach einem vormedialen Paradies sichtbar macht.

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Die Dissertation entstand im Rahmen des vom Schweizerischen Nationalfonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung finanzierten Projekts Übergänge und Entgrenzungen. Welt, Wissen und Identität in fantastischer (Kinder- und Jugend-)Literatur und ihren Verfilmungen

2014: Malte Völk: Materielle Kultur im ästhetischen Kontext

Malte Völk: Materielle Kultur im ästhetischen Kontext. Zur allegorischen Dingwelt bei Jean Paul, Aby Warburg und Walter Benjamin. Berlin: Kulturverlad Kadmos 2015.

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Die Möglichkeit, Walter Benjamins Allegorie-Begriff in akademischen Untersuchungen mit der Prosa Jean Pauls in Verbindung zu bringen, wurde von Benjamin noch selbst abgewogen: in der Rezension einer frühen Abhandlung zu diesem Thema, die er für zu kurz gegriffen befand. Ein solches Vorhaben, das »beste Chancen« böte, dürfe sich nämlich nicht auf literaturwissenschaftliche und geistesgeschichtliche Perspektiven beschränken. Notwendig sei vielmehr, auch die Dimension der Alltagskultur einzubeziehen und Jean Pauls Hinabgreifen »in Tiefen des Volkstums und der Tradition« zu berücksichtigen.
Diesem Hinweis Benjamins folgt die vorliegende Untersuchung. Indem sie sich auf den Bereich der materiellen Kultur konzentriert, legt sie eine Geschichte der Theorie der Dingwelt offen. Jean Pauls ästhetische Überlegungen zur projektiven Belehnung der Dingwelt mit seelischen Regungen wurden von Aby Warburg aufgegriffen und für seine kulturwissenschaftliche Methode fruchtbar gemacht. Dabei erschließt er unter anderem einen Traditionsstrang des Denkens von materieller Kultur im ästhetischen und kulturanthropologischen Kontext, der geprägt ist von aus der Antike herrührenden abergläubischen Vorstellungen über die Einflüsse der Planeten auf die menschliche Geistesverfassung wie etwa die Saturnfürchtigkeit.
Benjamin wiederum knüpft daran an und entwirft eine »Dialektik des Saturn«. Diesen theoretischen Zusammenhängen wird schließlich auch im erzählerischen Werk Jean Pauls nachgegangen, in dem sich eine dem entsprechende Rolle der materiellen Kultur zeigen lässt, so dass die Prinzipien einer ästhetisch verstandenen Epistemologie auch in ihrer literarischen Ausgestaltung zu betrachten sind.
Als vermittelnde und organisierende Instanz lässt sich dabei die Allegorie bestimmen. Die Aussage Benjamins, das Werk Jean Paul sei das des größten Allegorikers der deutschsprachigen Literatur, wird in ihrer Konsequenz dann erfassbar, wenn man mit Benjamin die Allegorie als eine dynamische Figur begreift, die selbstreflexiv Beziehungen herstellt: zwischen dem Ding als Realie und seiner symbolischen Übersteigung, zwischen Kulturwissenschaft und Literatur, zwischen melancholischer Versenkung und weltzugewandter Erkenntnis.

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2013: Moritz Grasenack: Spitznamen in Montevarese

Moritz Grasenack: Spitznamen in Montevarese. Eine interdisziplinäre Untersuchung im Spannungsfeld von Autorität, Gewalt und Rebellion in Namensgebung und Alltag eines kalabresischen Dorfes, Edition AV, Lich 2013.

Cover Diss Grasenack
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Ausgehend von der Sammlung und Analyse der Spitznamen eines kalabresischen Dorfes, dringt der Autor in einer kulturwissenschaftlich-psychologischen Untersuchung zum verbreiteten Menschenbild vor, isoliert die lokalen Wurzeln von Gewalt und Rebellion und leitet damit auch die Entwicklungsproblematik Kalabriens aus dem Verharren in einer nur scheinbar anarchischen, tatsächlich jedoch autoritären und mafiosen Mentalität ab.

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2013: Gisela Unterweger: Der Umgang mit Geld als kulturelle Praxis

Cover Unterweger

Gisela Unterweger: Der Umgang mit Geld als kulturelle Praxis: eine qualitative Untersuchung in der gesellschaftlichen Mitte. Zürich: Chronos 2013.

Das Dissertationsprojekt untersucht geldbezogene Verhaltensweisen, Einstellungen und Aussagen in unterschiedlichen Berufsgruppen der schweizerischen Mittelklasse. Bis jetzt wurden 15 ausführliche Leitfadeninterviews mit Frauen und Männern unterschiedlicher Altersgruppen durchgeführt. Die Befragten arbeiten zu gleichen Teilen in der Finanzwirtschaft, in der Sozialarbeit oder sind geisteswissenschaftliche Doktorand/innen. Die qualitative Studie untersucht, welche Vorstellungen und Bewertungen, welche kulturellen Deutungsmuster mit dem Erwerb, Gewinn und Verlust von Geld verknüpft werden. Sie möchte in Erfahrung bringen, wie die Interviewten in ihren lebensweltlichen Zusammenhängen ihre Geldpraxen reflektieren, welche symbolischen Gehalte sie mit Geld verknüpfen und wie sie diese kommunizieren, an welche Deutungsangebote sie anknüpfen, welche Positionen sie zu dem ideologisch aufgeladenen Gegenstand beziehen und wie sich diese Positionen in ihren Handlungen (oder eher den Darstellungen ihrer Handlungen) zeigen. Der theoretische Hintergrund der Studie ist unvermeidlicherweise interdisziplinär und berücksichtigt soziologische, philosophische und psychologische Perspektiven, die zu einer kulturwissenschaftlichen Betrachtungsweise vereint werden. Ebenso werden neuere Ergebnisse aus der Ökonomie-Forschung miteinbezogen, die nicht mehr davon ausgehen, dass das Modell des homo oeconomicus für das Verhalten realer Menschen repräsentativ sei.

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2012: Dana Frei: Challenging Heterosexism from the Other Point of View

Dana Frei: Challenging Heterosexism from the Other Point of View - Representations of Homosexuality in Queer as Folk and The L Word. Peter Lang 2012.

Die Dissertation wurde vom Forschungskredit der Universität Zürich gefördert.

Cover Diss Frei
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Representations of Homosexuality in Present-Day Television Series

More than ever before, present-day television series include gay- and lesbian-themed material and discuss sex-related issues. Besides the numerous shows that have begun to feature homosexual characters in addition to a mainly heterosexual world of fiction, the past few years have brought about a number of television shows which concentrate predominantly on homosexual characters and depict their lifestyles particularly as homosexuals. One mainstream example of such a series is Will & Grace (1998-2006), a comedy series which deals with homosexuality in a very light-hearted way. Other shows, however, have been much more frank in their depiction of homosexual lifestyles and sex, and have dared to include very controversial storylines, such as same-sex marriage, coming out, drugs, gay adoption, artificial insemination, safe sex, HIV-positive status, discrimination in the work place based on sexual orientation, internet pornography, and the like. Series such as Queer as Folk (UK: 1999-2000; USA: 2000-2005) or The L Word (since 2004) feature explicit sex scenes and reflect upon previously taboo aspects of homosexuality in a very straightforward and explicit way. A first part of this dissertation will be to analyse the ways in which popular forms of entertainment (specifically television shows) have, in the past decade, changed in their forms of representing homosexual characters in general and what kinds of social changes this altered discourse sprung out of and what changes it has brought about respectively. In a next step, it will be the aim of this dissertation to discuss how specifically ‘queer’ shows fulfil a function of challenging institutionalised attitudes of society (such as dichotomous notions of gender, heterosexism or ‘compulsory heterosexuality’, homophobia etc.), and to raise the question whether they also serve to do the opposite unintentionally, if we consider the question of constructionism. Judith Butler’s notion of performativity does not only apply to gender but also to aspects of sexual orientation. On the one hand, for example, the parody and drag portrayed in the discussed shows exaggerate gender and thereby unmask it as performance and a social construct. On the other hand, a television series dealing explicitly with homosexuality and depicting the lives of a number of characters as homosexuals may also harden stereotypes and give a rather rigid image of the concept of homosexual identity (i.e. is camp a performance of gender or rather of sexual orientation?). Thus, in the same way the discussed television shows may challenge certain attitudes of society, they may also harden some others (such as stereotypes and issues of identity).

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Eintrag Forschungsdatenbank UZH

2011: Meret Fehlmann: Die Rede vom Matriarchat

Meret Fehlmann: Die Rede vom Matriarchat. Zur Gebrauchsgeschichte eines Arguments. Zürich: Chronos, 2011.

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Die Dissertation „Die Rede vom Matriarchat. Zur Gebrauchsgeschichte eines Arguments“ (abgeschlossen 03/2010) von Meret Fehlmann untersucht die Genese des Matriarchatsdiskurses. Das Matriarchat begegnet als Vorstellung gegenwärtig vor allem in esoterischen und/oder feministischen Kreisen. Ihnen gilt das Matriarchat als eine in früheren Zeiten weltweit verbreitete, gewaltfreie und klassenlose Gesellschaft mit einem Kult der Grossen Göttin – als Herrin über den ewigen Kreislauf von Leben und Tod. Diese Gesellschaftsordnung soll in historischen Zeiten durch das Patriarchat abgelöst worden sein. An der Ausgestaltung dieser Vorstellung waren verschiedene Strömungen beteiligt. Einerseits speiste sich die Matriarchatsvorstellung im ausgehenden 19. und frühen 20. Jahrhundert aus verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen. Andererseits erhielt sie auch Impulse von sozialen Bewegungen. Beide Einflüsse haben sich gegenseitig befruchtet. Vorstellungen einer frauenzentrierten Vergangenheit der Menschheit tauchten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auf. So gilt auf der wissenschaftlichen Seite oft J. J. Bachofen (1815-1887) wegen seines Werks „Das Mutterrecht“ (1862) als „Vater“ des Matriarchats. Etwa zeitgleich entdeckte der vor allem in den angelsächsischen Ländern vertretene kulturelle Evolutionismus das Thema der einstigen Vormacht des weiblichen Geschlechts im religiösen, sozialen und kulturellen Bereich, von wo aus es von der Religionswissenschaft, der Archäologie, von der Volkskunde und der Psychologie aufgegriffen und weitergeformt wurde. Den sozialen Bewegungen ging es um die erneute Etablierung eines Matriarchats als Prototyp einer anderen, besseren Gesellschaft. Bereits der utopische oder Frühsozialismus im frühen 19. Jahrhundert entwickelte entsprechende Vorstellungen einer Umstellung der Gesellschaft, um den Frauen zu ihren Rechten zu verhelfen und so die Gesellschaft insgesamt genesen zu lassen. Die erste Frauenbewegung bezog sich vor allem in den angelsächsischen Ländern auf das Matriarchat, um ihren Forderungen nach Frauenrechten eine historische Basis und Legitimation zu geben. Im deutschsprachigen Raum beteiligten sich auch die Lebensreform und die völkische Bewegung am Matriarchatsdiskurs, teilweise tendierten diese Bemühungen auf die Umgestaltung der christlichen Religion bzw. auf die Wiedererweckung der heidnischen Vergangenheit Europas. Das Matriarchat war für gewisse Teile der zweiten Frauenbewegung ein wichtiger Bezugspunkt. In den späten 1970er Jahren kulminierten alle genannten Stränge des Matriarchatsdiskurses im eingangs geschilderten Bild. Im deutschsprachigen Raum fand teilweise eine undifferenzierte Rezeption von Schriften aus dem völkischen Milieu der 1920er bis 1940 Jahre statt, was die Berechtigung der Kritik des gegenwärtigen Matriarchatsdiskurses als eurozent-ristisch oder gar antisemitisch belegt. Die Analyse zielte darauf ab, die Entstehungs- und Verwendungszusammenhänge der Rede vom Matriarchat unter Berücksichtigung des jeweils zeitgenössischen gesellschaftlichen, politischen und kulturellen Kontextes zu rekonstruieren. Dabei zeigte sich, dass der Bezug auf das „Matriarchat“ seit dem ersten Auftreten im frühen 19. Jahrhundert ideologisch aufgeladen wurde und die Rede vom Matriarchat immer als Ausdruck von Sehnsüchten und/oder Ängsten der jeweiligen RednerInnen fungierte.

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2011: Norbert Wernicke: Kurz, was sich in den Kalender schikt

Norbert Wernicke: Kurz, was sich in den Kalender schikt. Literarische Texte in Schweizer Volkskalendern von 1508 bis 1848: eine Bestandsaufnahme. Bremen: Edition Lumière 2011 (Presse und Geschichte 60).

Literarische Texte werden in der Dissertation von Norbert Wernicke analysiert. Das Dissertationsprojekt hat sich vorgenommen, die Kalender bezüglich dieser 'freien' Texte zu untersuchen, die Frage nach dem Auftreten unterschiedlicher literarischer Genres zu beantworten und die Einbindung in die Mediengeschichte durch Vergleich von Texten mit Vorlagen in anderen Medien (Zeitungen, Schwankbücher, Fabel- und Exemplasammlungen) zu betrachten. Die in Kalendern auftretenden Texte sind dabei äusserst vielseitig und stehen in einem Spannungsfeld zwischen (wahrer) Nachricht und fiktiver Erzählung. Die Gestaltung der Texte, ihre Quellen und Bearbeitungen, ihre Einarbeitung in den Kalenderkontext, ihre Vermittlung an ein zum grossen Teil illiterates Publikum und die Interaktion der Erzählerfigur mit dem Lesepublikum bzw. seine Rechtfertigungsstrategien sollen an Kalendern besonders der Nordostschweiz untersucht werden.

2009: Brigitte Frizzoni: Verhandlungen mit Mordsfrauen

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Brigitte Frizzoni: Verhandlungen mit Mordsfrauen. Geschlechterpositionierungen im ‹Frauenkrimi›. Zürich: Chronos 2009.

Unter dem Label «Frauenkrimi», «women's mystery», «polar féminin» werden in den 1980er und 1990er Jahren vorübergehend neuere Krimis von Frauen vermarktet. Als «Sisters in Crime» bzw. «Mörderische Schwestern» organisiert, setzen sich die Autorinnen dieser Texte erfolgreich für die Förderung weiblichen Krimischaffens ein und entwerfen Figuren jenseits traditioneller Geschlechterrollen. Ob Kommissarin oder Forensikerin, Privatermittlerin oder Amateurin, Täterin oder Rächerin: allen Protagonistinnen gemeinsam sind Unerschrockenheit, Handlungsfähigkeit und ein Sensorium für Genderfragen. Der «Frauenkrimi» wird so zum Ort der Verhandlung von neuen Geschlechterpositionierungen. Diese «new wave of crime writing» findet in allen Krimisubgenres, intermedial und international Verbreitung. Die breite öffentliche Aufmerksamkeit und die damit verbundenen, mitunter heftigen Kontroversen, die zum Teil bis heute andauern, sind Gegenstand der Studie. Zur Analyse der textinternen und -externen Verhandlungen werden dreissig international verbreitete angelsächsische Frauenkrimiserien sowie Verlagsunterlagen, Werbeanzeigen, Mailinglisten, Leserbriefe, Rezensionen und Forschungsarbeiten aus dem deutschen und englischen Sprachraum beigezogen.

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2009: Teresa Tschui: Wie solche Figur zeiget

Teresa Tschui: Wie solche Figur zeiget. Der schweizerische Volkskalender als Bildmedium vom 17. bis zum 19. Jahrhundert. Bremen: Edition lumière 2009.

Die Arbeit von Teresa Tschui beschäftigt sich mit allen graphischen Elementen in Volkskalendern, wobei ein Schwerpunkt auf die Illustrationen gelegt werden soll, die Nachrichten, nichtliterarische oder literarische Texte optisch untermalen, erklären, verdeutlichen und hinterfragen. Das Text-Bild-Verhältnis ist in diesem Zusammenhang äusserst interessant. Die zeitliche Entwicklung der Bebilderung im Zusammenspiel von technischer Entwicklung, wirtschaftlichen Überlegungen und der Ausprägung des Publikumsgeschmacks soll reflektiert werden und zu der Frage nach Bedeutungen der optischen Elemente im Textmedium Kalender für Illiterate und für ungeübte Leser überleiten. Aufgrund seiner reichen Bebilderung wird vor allem der Appenzeller Kalender im Vergleich zu anderen Deutschschweizer Kalendern im Blickpunkt des Interesses stehen.

2007: Urs Keller: Wenn die Liebe auf Reisen geht

Cover Keller
Cover Keller

Urs Keller: Wenn die Liebe auf Reisen geht. Zur Praxis der Hochzeitsreisen von Schweizer Brautpaaren. Zürich: Institut für Populäre Kulturen der Universität Zürich 2007.

Dieses Dissertationsprojekt befasst sich mit Hochzeitsreisen oder Flitterwochen, wie Erstere im Volksmund auch genannt werden. Studien aus den USA und den Niederlanden indizieren starke Zunahmen der Hochzeitsreisen in den letzten Jahrzehnten. Auch in der Schweiz scheinen Hochzeitsreisen sehr populär zu sein. Für dieses Forschungsprojekt wird ein multimethodischer Zugang gewählt. Ansätze aus der Alltagskulturforschung, Geografie und Ökonomie werden integriert, um so zu einem tieferen und ganzheitlichen Verständnis der modernen Hochzeitsreise vorzustossen. Im Zentrum der Studie stehen die Fragen nach Sinn- und Wertzuschreibungen sowie der konkreten Formen und Inhalte der Hochzeitsreisen von Schweizer Brautpaaren. Diese werden mit einem Survey unter heiratswilligen Paaren und der Durchführung qualitativer Interviews bei Paaren, die aus ihren Flitterwochen zurückgekehrt sind, angegangen. Ferner werden Daten zum Hochzeitsreise-Markt aufgenommen. Die Untersuchung hat eine spezielle, biografisch motivierte Tourismusform zum Thema, transzendiert diesen Rahmen aber in einigen Punkten. So erfährt man einiges über die alltägliche Praxis des „über die Ferien Erzählens“. Des weiteren kann die Arbeit auch als Beitrag zur Tourismusforschung im Allgemeinen angesehen werden, denn manche Reiseprinzipien und –verhaltensmuster, die während des Forschens entdeckt wurden und hier beschrieben werden, gelten auch für Reisende, die sich nicht auf Hochzeitsreise befinden. Und nicht zuletzt repräsentiert die Hochzeitsreise einen Spiegel, in dem sich Konturen des gesellschaftlichen Wandels ebenso ablesen lassen wie die Bedeutung der Ehe und der ökonomisierte Konsum von Romantik und Fantasie.

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