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PK-Veranstaltungen im November

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12. November 2025, 19.00 Uhr, UZH, AFL Olivenhalle

Schwarze deutsche Literatur

Eine Buchvorstellung

 

Der Sammelband Schwarze deutsche Literatur. Ästhetische und aktivistische Interventionen von den 1980er Jahren bis heute (2025) spürt einer Schwarzen deutschen Literaturtradition nach, die sich aus vielfältige Akteur:innen, Themen, literarischen Formen, Wissensproduktionen und Netzwerken zusammensetzt. Genauso wie der Band, soll auch die Buchpräsentation zu offenen Gesprächen über Schwarze Autor:innen im deutschsprachigen Raum, transnationale und transtemporale Bezüge literarischer Texte sowie Leerstellen in der Forschung anregen. Das Publikum bekommt zudem Einblicke in den Publikationsprozess des Bandes.

 

Mit Dr. Jeannette Oholi, Sharon Dodua Otoo, Prof. Dr. Sigrid Köhler und Joseph Kebe-Nguema

Künstlerisch begleitet von Fatima Moumouni

Moderation: Claudia Sackl

 

 → Schwarze deutsche Literatur. Eine Buchvorstellung

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26. November 2025, 18.30 Uhr, UZH, AFL E-15

«Mutter Helvetia will Schäfchen zählen». Schlaglichter auf Schweizer Volkszählungen aus kulturwissenschaftlicher Perspektive

Referat von Samuel Wegmann

 

26'268 Einwohnerinnen und Einwohner zählte der Kanton Luzern gemäss Eidgenössischer Volkszählung 1990. Welche Übersetzungs- und Konstruktionsleistungen stehen hinter solchen Zahlen? Wie kann die statistische Wissensproduktion im Sinn eines Netzwerks rekonstruiert werden? Im Mittelpunkt des Referats steht ein Rechercheprojekt zur Volkszählung 1990.

 

 → Mutter Helvetia will Schäfchen zählen

Weitere Veranstaltungen

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02.10.2025 – 07.02.2026, Museum Thalwil

Intervention #5 

Schlotter – Von Geisterhänden und weiteren furchterregenden Erscheinungen

 

Im Rahmen der Sonderausstellung Thalwil Unheimlich wird das Treppenhaus des Museum Thalwil künstlerisch bespielt.

Das in Oberrieden aufgewachsene Künstler:innenduo Barbara Cahn (*1976) und Samuel Wegmann (*1974) zeigt Bilder und Objekte, die sich zwischen Bekanntem und Unbekanntem, Behaglichem und Unbehaglichem bewegen. Ihre Arbeiten, inspiriert von Erzählungen und Geschichten, laden ein zum Spiel mit Fiktion und Fantasie.

 

Barbara Cahn, Samuel Wegmann und Irène Fiechter (Kuratorin/Betriebsleiterin des Museums Thalwil) sind Alumni:ae des ISEK.

 

 → Museum Thalwil

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6. November 2025, Campus Oerlikon

SchreibXplosion - ein Abend rund ums Schreiben

 

Ein Abend rund ums Schreiben mit praxisnahen Workshops, einem Datenvisualisierungswettbewerb mit interessanten Preisen und einem informativen und kontroversen Panel zu Objektivität und Bias im wissenschaftlichen Schreiben, im Anschluss gibt es einen Apéro.

 

 → schreibxplosion - Universitätsbibliotheken

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8.-9.November 2025, ALEKI, Köln

1. FKJM-Kolloquium

 

Das vor einem Jahr gegründete Forum Kinder- und Jugendmedien (FKJM) für Early Career Researchers ist erfreut, zum ersten Kolloquium einzuladen!

Als Zusammenschluss von Doktorand:innen und Postdoktorand:innen im Forschungsbereich Kinder- und Jugendmedien und der damit zusammenhängenden Disziplinen der Literatur-, Kultur- und Medienwissenschaften sowie der Didaktiken der deutschen Sprache und Literatur bietet FKJM ein Forum für interdisziplinären Austausch.

Im Rahmen des jährlich stattfindenden Kolloquiums stellen Early Career-Wissenschaftler:innen zwischen Studium und Qualifikationsphase ihre aktuellen Projekte vor. In einer Podiumsdiskussion mit Prof. Dr. Lena Hoffmann, Vertr.-Prof. Dr. Stefanie Jakobi, Dr. Manuela Kalbermatten, Dr. Sarah Maaß und Dr. Sabrina Thomas sprechen wir zudem über Berufswege in der Wissenschaft und damit zusammenhängende strukturelle Herausforderungen.

 

Organisiert von Lea Bachmann, Dr. Larissa Carolin Jagdschian, Johannes Krause, Julia Lückl, Merle Lotter, Claudia Sackl und Helena Trapp

Mit einem Vortrag von Jacqueline Heinzelmann: Coming of Plant. From (Eco)Narrative Moment to Growing Futures

 

Weitere Infos gibt es hier → FKJM-Kolloquium

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9. November 2025, 11.00 Uhr, Trammuseum Zürich, Forchstrasse 260

Klangspaziergang entlang des Wildbachs mit Patricia Jäggi und Anna Fasoli

 

Auf Einladung von Andres Bosshard und des Quartiervereins Riesbach entwickeln die Klangkünstlerin und Komponistin Anna Fasoli (IT) und die Kulturanthropologin und Klangforscherin Patricia Jäggi (CH) einen Klangspaziergang entlang des Wildbachs. Dabei leiten die Rhythmen des Atems, der Schritte und des über Stufen fliessenden Bachs das Hören sowie das Interagieren mit den Klängen mitgebrachter Instrumente wie Tingsha oder Gong. Inspiriert von westlichen wie östlichen Geh- und Hörpraktiken soll ein kontemplatives Erleben dieser etwas versteckten, urbanen Klangoase ermöglicht werden. 

 

 → Treffpunkt an der Tramhaltestelle Burgwies

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13. November 2025, 18.00 Uhr, Museum der Kulturen Basel

Die Zukunft des Museums gemeinsam denken

Gespräch

 

Friedrich von Bose hat die Populären Kulturen der UZH per Ende Oktober verlassen, um am 1. November seine neue Funktion als Direktor des Museums der Kulturen aufzunehmen. Am Donnerstag, 13. November, stellt er sich in Basel der Öffentlichkeit vor. Er lädt dazu ein, gemeinsam mit ihm einen Blick in die Zukunft des Museums zu werfen. Im Anschluss an das Gespräch lädt das Museum zu einem Apéro ein.

 

Wir sind sehr gespannt und freuen uns schon jetzt auf die Fortsetzung des Austauschs mit Friedrich von Bose in seiner neuen Funktion!

 

 → Museum der Kulturen

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13.-14.11.2025, UZH, KOL-E-13

Workshop: Black German Literature and Cultural Memory / Schwarze deutsche Literatur und kulturelles Gedächtnis

 

Erinnern ist politisch. Um diesen Umstand dreht sich in auffälliger Weise die Schwarze deutsche Literatur seit den 1980er Jahren. Das Erinnern betrifft dabei nicht allein die Figuren, an denen mit ihm ein zentraler Aspekt afrodiasporischer Erfahrung verhandelt wird. Vielmehr richtet sich dieser Fokus auch auf den ‹Erinnerungsraum› Literatur und fordert zu einer systematischen Auseinandersetzung heraus. Der zweitägige internationale Workshop bringt aktuelle Forschung von Wissenschaftler:innen verschiedener Karrierestufen zu Schwarzer deutscher Literatur aus Deutschland, Österreich und der Schweiz in den Dialog mit den Cultural Memory Studies und seinen Konzepten und Modellen.

Organisiert von Dr. Cornelia Pierstorff, Dr. Jeannette Oholi

Mit einem Vortrag von Claudia Sackl: Denk-mal. Gedanken zu Poetiken, Praktiken und Politiken der Erinnerung und Archivierung in Schwarzer deutscher Lyrik

 

Zum detaillierten Programm geht es hier → Workshop: Black German Literature and Cultural Memory

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14. November 2025, 20.30 Uhr, Volkshaus Basel

Culture Wars

Podiumsdiskussion im Rahmen der BuchBasel mit Moritz Ege, Franziska Schutzbach, Cenk Akdongabulut und Katharina Morawek

 

Auseinandersetzungen um kulturelle Deutungsmacht, sogenannte ‹Kulturkämpfe›, prägen längst die öffentlichen Debatten – nicht nur in den USA, sondern auch in der Schweiz. Handelt es sich dabei um reale Auseinandersetzungen zwischen gegensätzlichen Auffassungen? Oder um reaktionäre Strategien, angesichts einer gesellschaftsliberalen Öffnung Störendes zu delegitimieren und aus dem Weg zu räumen? Wie erfolgreich sind die gebetsmühlenartigen Warnungen vor ‹Cancel Culture› und ‹Wokeness›? Wer führt die Culture Wars, wohin bringen uns die von Algorithmen angetriebenen Öffentlichkeiten und auf welchen Wegen kann die demokratische Resilienz gestärkt werden? 

 

 → BuchBasel

 

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18. November 2025, 17.00 Uhr, UB Kommunikationswissenschaft 

Textilatelier ...in der Bibliothek

Veranstaltung der Universitätsbibliothek


Du würdest eigentlich gern mal was Textiles machen, weisst aber nicht wie?
An unseren drei Textilatelier-Abenden kannst du in 3 Stunden ein einfaches Projekt umsetzen. Unsere drei Textilexpertinnen begleiten dich dabei und geben dir Tipps. 

18.11.: Nähen

9.12.: Häkeln

Nähmaschinen und Material stellen wir für dich bereit. Sowie auch Kaffee und Snacks 😋 Bring deine Freund:innen mit und auf gehts! Weitere Infos und Infos zur Anmeldung finden sich auf der Webseite.

 

 → Veranstaltungen UB

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21. November 2025, 12.30-14.00 Uhr, UZH, SOD-1-105, Deutsches Seminar

Workshop mit Sharon Dodua Otoo

Aufwachsen erzählen. Schwarze Kindheit und Jugend im deutschsprachigen Raum

 

«‹Der Spruch ‘boys will be boys’ meint eigentlich: ‘white boys will be boys’›, sagte Tyrell. ‹Wenn meine Freunde und ich uns so verhalten würden, könnte es tödlich enden.›»

 

In ihrem Essay Liebe für die Anthologie Eure Heimat ist unser Alptraum (2020) reflektiert die Schriftstellerin und Aktivistin Sharon Dodua Otoo über das Aufwachsen ihres zweiten Sohnes Tyrell in Deutschland. In einem Gespräch über seine rassismusbewusste Erziehung drückt dieser seine Sehnsucht nach einem «Segen der Unwissenheit» aus, wie er bereits von James Baldwin in Notes of a Native Son (1955) mit Blick auf die weiße Mehrheitsgesellschaft beschrieben wurde. In Out of This World (2025) wiederum betont die Germanistin Priscilla Layne die Bedeutung der Figur des Kindes für Schwarze deutsche afrofuturistische Literatur und betrachtet dabei historische Formationen Schwarzer Kindheit in Deutschland, welche auch in aktuellen Kinder- und Jugendmedien verhandelt werden. 

 

Basierend auf der Lektüre von Liebe und weiteren kurzen Textausschnitten treten wir im Workshop in Austausch mit Sharon Dodua Otoo über kulturelle Konstruktionen von Kindheit und Jugend und das kulturelle und literarische Erzählen darüber. Besondere Aufmerksamkeit widmen wir dabei den Interdependenzen von Age, Race, Gender und Class sowie damit zusammenhängenden Zuschreibungen von Alter, (Un)Schuld und Hoffnung.

 

Organisation und Konzeption: Claudia Sackl, ISEK – Populäre Kulturen.

In Kooperation mit dem Studienprogramm Kulturanalyse.

 

→ Anmeldung und weitere Informationen unter claudia.sackl@uzh.ch.

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02. Dezember 2025, 18.15-19.45 Uhr, Zoom

Kulturwissenschaftliche Perspektivenwechsel: Von der Volksmusik zu Politiken und Praktiken des nationalen Regierens

Dr. Sabine Eggmann (Zürich)

 

Volksmusik gehört seit Beginn in den späten 1950er Jahren zum gern gesehenen Angebot des Schweizer Fernsehens (SRF)  – die (hohen) Einschaltquoten belegen dies. Trotz vielfältiger historischer Wenden und gesellschaftlichen Veränderungen bleibt dieser Befund bis heute aktuell. Inspiriert von der Leitung des SRF-Fernseharchivs hat sich das Forschungsteam zum SNF-Projekt Claiming Folklore. Politiken und Praktiken von Volksmusik im Schweizer Fernsehen (1960er–1990er Jahre) in den letzten vier Jahren der Frage gewidmet, wie es zu dieser TV-medial manifestierten und (mit-)produzierten Beliebtheit von Volksmusik kam, welche Akteur:innen dieses Interesse damals und heute möglich gemacht sowie legitimiert haben und aus welchen fachlichen Perspektiven sich diese Fragen beantworten lassen. In der historisch-kulturwissenschaftlichen Werkstatt soll an einem konkreten Ausschnitt des SRF-Archivs und dem exemplarischen Nachvollzug von Bebilderungen der ‹Schweizerin› in historischem Fernsehmaterial vorgestellt werden, wie eine praxeologische, sich auf Theorien der ‹Assemblage› beziehende Quellenanalyse aussehen kann, sowie die Diskussion darüber anstossen, welche Herausforderungen damit verbunden sind.

 

→  Zoom-Link
Meeting-ID: 684 7419 8156
Kenncode: 445540

Uni Göttingen hkw@uni-goettingen.de

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Um über bevorstehende Veranstaltungen informiert zu bleiben und einen Ausblick auf die Termine im November und Dezember zu erhalten, empfehlen wir, regelmässig die UZH-Agenda für interne Veranstaltungen sowie unsere Social-Media-Kanäle auf LinkedIn und Instagram zu konsultieren. Ausserdem lohnt es sich, regelmässig einen Blick auf die Veranstaltungen der Universitätsbibliothek zu werfen.

 

Save the Date:

  • 15.12.25: Die letzten Fragen des Max Frisch • Podium mit Julian Schütt und Christine Lötscher → Kaufleuten Kultur
 

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Lehrstuhl-Vitrine:

Lehrstuhl für Empirische Kulturwissenschaft / Populäre Kulturen mit Schwerpunkt Alltagskulturen, Prof. Dr. Moritz Ege  

In der aktuellen Lehrstuhl-Vitrine steht der Lehrstuhl von Prof. Dr. Moritz Ege im Mittelpunkt. Präsentiert werden das Schwerpunktthema, Mitarbeitende sowie laufende Projekte.

Am Lehrstuhl wird ein breites Spektrum von Themen im Spannungsfeld von Popular- und Populärkultur bearbeitet. Schwerpunkte sind die Stadtforschung, die Populismusforschung, die Popmusikforschung und Forschung über alltägliche Ökonomien und Moralvorstellungen.  

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Schwerpunktthema Culture Wars

Ein Leitthema der letzten Zeit waren – nicht nur, aber auch an diesem Lehrstuhl – Culture Wars bzw. Kulturkämpfe: die Politisierung von Alltagspraktiken und Populärkultur und die Vertiefung von Spaltungslinien zwischen gesellschaftlichen ‹Lagern›.  

Im Frühjahrssemester drehten sich ein MA-Seminar (Culture Wars in der Schweiz. Die Politisierung des Alltags in der Gegenwart, Moritz Ege) sowie die ISEK-PK-Vortragsreihe, die Kathrin Ottovay und Julian Schmitzberger organisierten, um dieses Thema.  

Aktuell bzw. in den nächsten Wochen finden sich dazu Beiträge in einem Themenschwerpunkt Kulturkämpfe  in das bulletin – für Alltag und Populäres, dem Onlinemagazin der EKWS, den ebenfalls Kathrin Ottovay und Julian Schmitzberger zusammengestellt haben, beginnend mit einem Interview mit dem Politikwissenschaftler Benjamin Opratko zur Stunde der Folk Devils.  

Beim Kongress der DGEKW im September in Kiel haben sich Olga Reznikova und Moritz Ege an einem Panel beteiligt, in dem es um den internationalen gesellschaftlichen Rechtsruck und dessen Hintergründe ging. Olga sprach dort über Moral und Verbrechen in der Musik: eine Vorgeschichte des russischen Faschismus?, Moritz über Moralismuskritik und Alltagsverstand.  

Einige Publikationen aus den letzten Jahren leuchten ebenfalls Kulturkampf-Dynamiken aus, so z.B. den ‹Bevormundungsvorwurf› in Popkultur, Alltag und Politik; die Kritik an ‹Eliten›; das Unbehagen mit moralischen Urteilen, das in popmusikalischen Genres wie Party-Schlager, R’n’B und Gangsta Rap auf unterschiedliche Art und Weise zum Ausdruck kommt, oder antifeministische Haltungen von Frauen, die Feminismus lediglich als elitäre Ideologie betrachten.  

In der nächsten Zeit wird das Thema u.a. auf einem Podium bei der BuchBasel (14.11.) diskutiert. Zudem ist eine Sonderausgabe des Schweizerischen Archivs für Volkskunde (Ottovay/Schmitzberger) in Vorbereitung. 

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Laura Bäumel arbeitet an einem Dissertationsprojekt über Lebensweisen in Re-/Produktion. Die Dissertation beschäftigt sich mit Fragen der Arbeits- und Geschlechterforschung, nimmt aber auch Themen der politischen Anthropologie und der Populismusforschung in den Blick. Für ihre Forschung interviewte sie in der Steiermark (AUT) Frauen, die – meist als Leiharbeiterinnen angestellt – in Fabriken arbeiten. In ihrer Analyse geht sie den biografischen Verläufen der Gesprächspartnerinnen nach, fragt nach der Gestaltung ihrer alltäglichen Lebensführung an der Schnittstelle von Produktionsarbeit und Reproduktionsarbeit und beschreibt verschiedene Beziehungsweisen in- und ausserhalb der Fabrik. Die Studie mündet in einem abschliessenden Teil, der sich mit den politischen Ideen und Auffassungen der Befragten und mit deren Hintergründen auseinandersetzt: Die meisten vertreten antifeministische, wohlfahrtschauvinistische und auch rassistische Ideologien und unterstützen entsprechende Parteien. Aus einer narrationsanalytischen Perspektive soll die Arbeit zeigen, wie die ersten drei Aspekte (biografische Verläufe, Überforderung an der re-/produktiven Schnittstelle, familialistisch geprägte Beziehungsweisen) mit der Attraktivität dieser – kurz gesagt: rechten – Ideologien für die Befragten zusammenhängen. 

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Julian Schmitzberger beendet gerade sein Dissertationsprojekt zum Feiern zu elektronischer Tanzmusik. Auf der Grundlage empirisch-ethnografischer Forschung in Berlin und München untersucht er, welche Erfahrungen, Umgangsweisen und Beziehungsformen die Clubkultur prägen und mit welchen Vorstellungen und Imaginationen sie verbunden wird: Wie wird hier Hedonismus gelebt? Was bedeuten Mode und Stil als symbolische Ausdrucksweise und kulturelle Repräsentation? Wie wird im Nachtleben mit Drogen umgegangen und welche Funktion erfüllt der Rausch? Welche Formen von Gemeinschaft und Moral charakterisieren das Feiern? 
Das Ergebnis ist eine Konjunkturanalyse, die Clubkultur als historisches Phänomen und als Element einer spezifischen Gesellschaftsformation versteht. Denn der Stellenwert des Feierns lässt sich erst bestimmen, indem man die Übergänge und Grenzen zwischen Alltags- und Nachtleben in den Blick nimmt. Hier zeigt sich, dass sich sowohl kollektive Hoffnungen und Sehnsüchte als auch Spannungen und Widersprüche in der Clubkultur verdichten. Die Kulturanalyse des Feierns eröffnet damit einen Zugang zum besseren Verständnis gesellschaftlicher Entwicklungen und gegenwärtiger Konflikte. 

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Olga Reznikova arbeitet im Rahmen ihres Habilitationsprojekts an einer Rekonstruktion der hundertjährigen Geschichte des musikalischen Genres der russischsprachigen ‹Gaunerlieder›. Ziel ist es, dessen widersprüchliche Bedeutung für die Gegenwart kulturanalytisch zu erforschen. Dazu untersucht sie die Entwicklung des Genres und seiner Rezeption – von der jüdischen Stadtfolklore über die verschiedenen Phasen seiner Popularisierung bis hin zur Transformation in das neue Genre des russischen Chansons innerhalb der (jüdischen) Emigrant:innen-Musik sowie dessen rasante Verbreitung in den 1990er- und 2000er-Jahren in Russland. Kaum ein anderes musikalisches Genre eignet sich so gut für eine zeitdiagnostische Analyse der kulturellen Verarbeitung sozialer Ungleichheiten und Repressionen in der Sowjetunion und den postsowjetischen Ländern. 

Im Zentrum der Untersuchung stehen dabei nicht nur die medialen und popkulturellen Repräsentationen, sondern auch die Lebensrealitäten der Musikproduzent:innen und -konsument:innen sowie informelle ökonomische Strukturen. Um die Figurierungen in lebensweltliche Perspektiven und Alltagspraktiken einzubetten, legt das Forschungsprojekt einen empirischen Schwerpunkt auf Brighton Beach in New York City – das Zentrum der ‹Gauner›-Emigranten-Musik der 1980er- bis 2000er-Jahre – und verknüpft diesen mit den biografischen Narrationen jüdischer Emigrant:innen. 

Das Projekt untersucht also anhand von Alltagspraktiken und Musikkonsum der sogenannten einfachen ‹Menschen› die Faschisierung der russischen Gesellschaft sowie die damit verbundenen populistischen und antipopolulistischen Elemente des gegenwärtigen russischen Faschismus in seiner historischen Gewordenheit.  

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Abschluss des CHANSE-/SNF-Projektes  

Redistributive Imaginaries: Culture, Digitalization, and Prosocial Contribution

 

Nach drei Jahren gelangt das Umverteilungsprojekt – eine internationale Kooperation – zu seinem Abschluss. Am 3. November diskutierte das Zürcher Projektteam im Rahmen eines Knowledge-Exchange-Workshops einige der Ergebnisse mit Vertreter:innen zivilgesellschaftlicher Organisationen aus der Schweiz.  

Im Rahmen des Projekts erschien eine erste Publikation in der Zeitschrift Zeithistorische Forschungen/Studies in Contemporary History, die von der (Zeit-)Geschichte des Crowdfundings handelt. Ein weiterer Artikel über die Twint-Spendenplattform und die ‹Appifizierung› des Spendens wird 2026 in der Zeitschrift Finance and Society publiziert. Weitere Veröffentlichungen sind geplant – einen Einblick in ein Thema der ethnographischen Forschung gibt ein Blogbeitrag von Kathrin Ottovay über Welfare beyond the Welfare State, der sich um ‹Spendenläufe› zur Unterstützung geflüchteter Menschen im Kontext einer auf Abschreckung abzielenden Migrations- und Fluchtpolitik dreht. 

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Medienbeiträge

Bildquelle: Für Stadt und Land: Eine volkstümliche Sendung aus dem Prättigau, 13.02.1978, Schweizer Radio und Fernsehen SRF. (Filmstill)

 

Volksmusik und Folklore sind im Schweizer Fernsehen seit den 1960er Jahren ein beliebtes Thema. Das Schaufenster auf Memobase Kulissen der Heimat widmet sich heimatlichen Kulissen, wie sie von 1960 bis ca. 1990 in diversen Sendungen des SRF präsentiert wurden. Alpine, ländliche sowie urbane Landschaften sind dabei wiederkehrende Motive, die auch in Innenräumen inszeniert wurden. Diese Vitrine entstand im Rahmen des Forschungsprojekts Claiming Folklore – Politiken und Praktiken von Volksmusik im Schweizer Fernsehen (1960er–1990er): Kulissen der Heimat Memobase, 27.10.2025.

 

Publikationen

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Autobiographical accounts of living with dementia: Life story narration as self-care

Beitrag von Valerie Keller und Malte Völk im Journal of Aging Studies (open Access)

Die Gold-Open-Access-Publikationsgebühren des Elsevier-Verlags sind von der Universität Zürich finanziert worden

 

Based on statements from people with dementia on the positive impact of reflecting on one's own biography, this study examines the ways in which life story narration can help those affected make sense of a disrupted present and a fragmented life characterised by forgetfulness. In this paper we analyse both oral and written accounts of everyday life as told by people living with dementia. In doing so we apply a heuristic based on the notion of key (auto)biographical strands in order to make clear how the individuals in question link their current experience of dementia with previous experiences and thereby revise the way they see themselves. Whether this occurs in an erratic, associative manner or in a more structured and connected fashion, there are varied ways in which people with dementia come to an emotional and cognitive appreciation of their life. The main aim of the analysis is not to establish biographical accuracy but rather to identify elements of self-care: a creative act of appropriating one's own life story, and the communicative presentation of a self-image.

 

 → Journal of Aging Studies

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Vampire ANT Moth Maids

Editorial: Valerie Keller und Matthias Liechti

Autor:innen: Nikolaus Heinzer, Raja’a Khalid, Kim Naehoon, Jennifer Merlyn Scherler

 

In Vampire ANT Moth Maids wird Dilruba gebissen. Gotische Buchstaben auf schwarzem Hintergrund ziehen sie in den Abgrund und eröffnen Raja’a Khalids Geschichte um die Aushandlung von Wirklichkeit und deren Grenzen. Handlungsmächtig sind dabei längst nicht nur die Menschen, wie Nikolaus Heinzer in seiner Einführung in die Akteur-Netzwerk-Theorie deutlich macht. Auch Kunstblut, melancholische Musik und Pistolen können Wirkung entfalten. Doch in der Verkettung von schwer kontrollierbaren Teilchen können Phänomene auch aus dem Ruder laufen. Dann mag es hilfreich sein, einzelne Verbindungen genauer zu betrachten. Im Zusammenspiel von kultureller Unzufriedenheit, technologischen Möglichkeiten und neuen Kommunikationsformen erkennt Kim Naehoon einen Nährboden für Faschismus: sensibilitätsarme Mottenmenschen ohne Zeitgefühl flattern von einer Sensation zur nächsten und tragen dabei scheinbar die Last der Welt auf ihren Flügeln. In der Verkettung von Anime, viktorianischen Kostümen und hyperindividualisierter Gesellschaft erfährt Jennifer Merlyn Scherler eine ganz andere Situation: Im 2.5-dimensionalen Raum des maid/made-Cafés ist es möglich ewig 17 zu sein, immer wieder nach Hause zu kommen, der Einsamkeit zu trotzen und gemeinsam zu weinen.  

 

Vampire ANT Moth Maids erscheint im Dialog mit der Ausstellung Wear a Mask and your face grows to fit it mit Sebastián Dávila, Leon Höllhumer, Mati Jhurry, SPORT, Jennifer Merlyn Scherler, Melanie Jame Wolf, die von 28.08.2025 bis 01.11.2025 im For stattfand.

 

Dr. Nikolaus Heinzer gibt in seinem Beitrag Die Dinge und wir: Kurze Einführung in die Akteur-Netzwerk-Theorie/Things and us: A brief introduction to actor-network theory eine kurze Einführung in die ANT.


→ For

 
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Institut für Sozialanthropologie und Empirische Kulturwissenschaft der Universität Zürich
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