Lesetipp von Heinz Käufeler

Hat die Ethnologie etwas beizutragen zu den Fragen und Sorgen, die 'der Neue' aufwirft und weckt? Die amerikanischen Anthropologen Kira Hall, Donna M. Goldstein und Matthew Bruce Ingram haben in HAU noch während der Vorwahlen einen Aufsatz veröffentlicht, der sich dem Phänomen Trump über eine Analyse der Gestik annähert. Der physische Auftritt und insbesondere der Einsatz der Hände sind beim medienerfahrenen Trump sozusagen tragende Pfeiler der Rhetorik, insbesondere in seinem Umgang mit Rivalen und Kontrahenten. Die Autoren untersuchen ausgehend von einer Analyse dieses Einsatzes von 'visual capital' den Weg des krassen Aussenseiters an die politische Macht durch Provokation, Spektakel und den Einsatz der Mittel von Comedy und der Ressource des Celebrity-Status. Dabei erscheint die zunehmende Aufweichung der Grenzen zwischen den medialen, politischen und ökonomischen Sphären als Charakteristikum des frühen 21. Jahrhunderts.

Kira Hall, Donna Meryl Goldstein, Matthew Bruce Ingram:
The hands of Donald Trump: Entertainment, gesture, spectacle.
HAU, Journal of Ethnographic Theory, Vol. 6, No. 2, 2016

https://www.haujournal.org/index.php/hau/article/view/hau6.2.009

 

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Miriam Wohlgemuth

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