Lesetipp von Esther Leemann

Zusammen mit meiner langjährigen Lesegruppe habe ich gerade das „Mushroom-Buch“ von Anna Tsing gelesen. Es ist eine überaus inspirierende Leseerfahrung, das Buch begleitet mich noch immer - nicht nur Pilze schaue ich nach der Lektüre mit anderen Augen an. Tsing nimmt einen in dieser Ethnographie mit auf eine erstaunliche Reise zu Pilzsammlern in Oregon, Liebhabern von Matsutake-Pilzen in Japan, Wissenschaftlern in Yunnan und aufgeräumten Wäldern in Finnland, um nur einen Bruchteil der Stationen zu nennen. 

Man braucht etwas Zeit, um sich in dieser Welt von Tsings neuen Konzepten (‚noticing’, ‚salvage accumulation’ , ‚unintentional design’, ‚multispecies landscapes’, ...) zurechtzufinden, doch mit jedem Kapitel wächst das Verständnis und damit auch die Neugierde auf mehr.

Empfehlen möchte ich das toll geschriebene Buch all jenen, die einen neuen Blick auf Themen wie globale Warenketten, Schenken, Anthropozän (oder eben ‚Ruinen des Kapitalismus’), prekäre Lebenswelten, Umweltgeschichte und Wissenschaftsforschung werfen wollen, sowie allen, die Inspiration in Tsings ungebrochen experimentierfreudiger Herangehensweise suchen für ihr ethnologisches Forschen und Schreiben.

Anna Lowenhaupt Tsing 2015. The Mushroom at the End of the World.
On the Possibility on Life in Capitalist Ruins
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Princeton and Oxford: Princeton University Press.    

Ausleihbar in der Bibliothek Ethnologie: ESZ 085: 718

 

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Miriam Wohlgemuth

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