Call for Research: Migration und Bildung

Das Institut IZB ist ein Forschungs- und Entwicklungsinstitut der Pädagogischen Hochschule Zug. Wir fokussieren auf globale und internationale Dimensionen im Bildungsbereich, insbesondere auf Fragen im Zusammnenhang mit Migration, sozialen Ungleichheiten, Bildungschancen und sozialem Lernen. Als anwendungsorientierte Forschungseinheit haben unsere Projekte letztlich zum Ziel, zur Verbesserung von Bildungsqualität beizutragen.

Aktell ist bei uns ein Projekt angelaufen, mit dem wir Schulen gezielt darin unterstützen möchten, mit den alltäglichen Chancen und Herausforderungen im Migrationskontext produktiv umzugehen, dabei Anerkennung für Gelingendes zu bekommen und dieses Gelingende zu vestärken, auch kreative Lösungen für verfahrene Situationen zu finden und – durch Austausch mit anderen Schulen – sich gegenseitig mit interessanten Ansätzen zu inspirieren.

Nebst dem direkten Austausch mit Bildungsfachleuten werden wir Erfahrungswerte, gute Ideen und praxiserprobte ‘Tipps und Tricks’ aus der Praxis recherchieren und für eine Website aufbereiten, mit theoretischen Hintergrundinformationen ergänzen und erklären und schliesslich in Form von Bild, Text und Ton (Podcasts) für den deutschsprachigen Raum zugänglich machen. Zudem planen wir Weiterbildungsangebote für Lehrpersonen und Module im Rahmen der Lehrerinnen- und Lehrerbildung sowie breite Disseminiationsaktivitäten im deutschsprachigen Raum, um die Informationen und erstellten Produkte bestmöglich zugänglich zu machen.

Die Wirksamkeit dieses Projekts steht und fällt mit der Frage, ob es uns gelingt, die effektiven Bedürfnisse der Bildungsfachleute zu verstehen und unsere Angebote möglichst direkt an diese Bedürfnissen anzuschliessen. Bedeutsam ist dabei das Erkunden von Anliegen, Sorgen, Ratlosigkeiten oder Resignationen, die oftmals nur auf der ‘Hinterbühne’ geäussert werden, als politisch unkorrekt gelten oder mit so viel Frustration verbunden sind, dass nur ein geduldiges Zuhören dazu führt, dass die darunterliegenden Bedürfnisse zum Ausdruck kommen. Zudem interessieren uns natürlich auch die kreativen, spannenden und inspirierenden Ansätze, die mitunter im Schulalltag entwickelt werden, von denen nur wenige erfahren und von denen andere aber – wenn sie davon erfahren würden – profitieren könnten.

Über eine Zusammenarbeit mit Studierenden der Sozialanthropologie würden wir uns sehr freuen. Wir sehen grosse Chancen insbesondere in zweierlei Hinsicht: Zum einen bietet die Sozialanthropologie und die ethnographische Methodologie hervorragende Möglichkeiten zur forschenden Annäherung an die genannten Perspektiven, Erfahrungen und Bedürfnisse von Lehrpersonen und Schulleitenden. Zum anderen ist die Rolle von ‘interessensneutralen’ Studierenden ideal, um insbesondere auch politisch Unkorrektes zu erfahren und damit letztlich wesentlich zur Anschlussfähigkeit von Angeboten im Rahmen der Lehrerinnen- und Lehrerbildung beizutragen.

Die Fragerichtungen werden sich – je nach Methodenwahl – in einem iterativen Prozess entwi- ckeln und schärfen müssen, als Ausgangsfragen wären die folgenden denkbar:

  • Welche Erfahrungen machen Lehrpersonen und/ oder Schulleitende in ihrem Berufsalltag mit migrationsbezogener Vielfalt?
  • Welche Umgangsweisen entwickeln sie damit, welche Ziele verfolgen sie, woran orientieren sie sich dabei?
  • Bei welchen Schulalltagsthemen konzentrieren sich welche Arten von Herausforderungen oder besonderen Vorlieben?
  • Welche Rolle spielen dabei unterschiedliche/intersektionale Dimensionen der Kategorisierung oder Grenzziehung, etwa auch soziostrukturelle Fragen im Zusammenhang mit Unter- und Überschichtung etc.?

Als theoretische Rahmungen bestehen ebenfalls viele Möglichkeiten, je nach Fokussierung der Fragestellung, etwa sozialkonstruktivistische, anerkennungstheoretische, systemtheoretische, diskurstheoretische, postkoloniale oder poststrukturalistische Theorieanbindungen.

Das Thema ermöglicht vertiefte Einblicke in einen hochrelevanten Bereich zu Fragen von Bil- dungsqualität im Migrationskontext und das bedeutsame Beitragen zum Füllen einer noch immer recht grossen Forschungslücke.

Über eine Zusammenarbeit würden wir uns sehr freuen, sind offen für weitere Anregungen oder Ideen und stehen für Rückfragen gerne zur Verfügung.

Dr. Carola Mantel
Januar 2020

 

Literaturvorschläge für ein erstes Einlesen:

Beck M und Jäpel F. (2019) Migration und Bildungsarmut: Übertrittsrisiken im Schweizer Bildungssystem. In: Quenzel G and Hurrelmann K (eds) Handbuch Bildungsarmut. 491-522.

Mächler S. (2001) Schulerfolg: kein Zufall. Ein Ideenbuch zur Schulentwicklung im multikulturellen Umfeld. Zürich: Lehrmittelverlag des Kantons Zürich.

Mantel C, Aepli M, Büzberger M, et al. (2019) Auf den zweiten Blick. Eine Sammlung von Fällen aus dem Schulalltag zum Umgang mit migrationsbezogener Vielfalt, Bern: hep.

Schweizerischer Wissenschaftsrat. (2018) Soziale Selektivität. Empfehlungen des Schweizerischen Wissenschaftsrates SWR. Expertenbericht von Rolf Becker und Jürg Schoch im Auftrag des SWR, Bern: Schweizerischer Wissenschaftsrat.

SKBF. (2018) Bildungsbericht Schweiz 2018, Aarau: Schweizerische Koordinationsstelle für Bildungsforschung.

Miriam Wohlgemuth

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