Ethnografisch-kulturanalytische Stadtforschung

Städte sind Labore, in denen Menschen neue Lebensweisen ausprobieren (können) und annehmen (müssen). «Das Urbane» ist mit dem Versprechen eines materiell besseren, aber auch eines intensiveren und freieren Lebens verbunden, dem nur zu häufig die Wirklichkeiten von sozialer Ungleichheit, Wohnraumknappheit, Diskriminierung und Polarisierung entgegenstehen. In diesem Spannungsfeld entwickeln Stadtbewohner*innen neue Routinen, Formen des Zusammenarbeitens und -lebens.

Die stadtethnografische Forschung am ISEK untersucht das städtische Zusammenleben «der Vielen» in all seiner Heterogenität und Konflikthaftigkeit. Das Forschungsinteresse gilt den Formen urbanen Lebens in unterschiedlichsten Milieus und Szenen, seinen Rahmenbedingungen und auch den städtischen Möglichkeitsräumen. Anders gesagt: der (kulturellen) Politik und der Poetik des Urbanen. Die ethnografisch-kulturanalytische Stadtforschung fragt dabei nach dem vordergründig Konflikthaften und symbolisch Aufgeladenen, aber gleichermassen nach dem Unspektakulären, Alltäglichen, Beiläufigen, scheinbar Unwichtigen – und nach deren Verbindung. Da das Geschehen in Städten hochgradig widersprüchlich ist, fällt die Tonlage der ethnografischen Stadtforschung mal eher problemorientiert und düster («dark anthropology»), mal eher optimistisch aus.

Die zentrale stadtethnografische Methode bildet die teilnehmende Beobachtung. Sie führt die Forschenden in andere soziale Welten und beinhaltet vielfältige Formen von Zusammenarbeit mit Forschungspartner*innen. Die Stadtethnografie schliesst auch Methoden der Medienforschung ein, um Medialität als mitlaufende Wirklichkeitskomponente zu analysieren. Sie nutzt historische Methoden, um das Gegenwärtige als Gewordenes zu verstehen. Das ISEK kann auf eine lange Tradition kulturwissenschaftlicher Stadtforschung zurückblicken, die sich immer wieder weiterentwickelt und – im Austausch mit der internationalen Forschungslandschaft – eigene Impulse setzt.

Laufende und kürzlich abgeschlossene Projekte:

  • Forschungsgruppe Urbane Ethiken (Teilprojekte M. Ege)
  • Habil-Projekt Dr. Tobias Scheidegger