Narratologie und Erzählforschung

Leitung: Prof. Harm-Peer Zimmermann

Der Schwerpunkt Narratologie und Erzählforschung bevorzugt einen offenen und intermedialen Begriff des Narrativen, der Erzählungen jedweder Art, Intention und Thematik sowie unterschiedliche Medien und Formate umfasst. Neben den klassischen Genres und Formaten (Mythos, Märchen, Sage etc.) werden aktuelle Themen und Formen des Erzählens berücksichtigt. Leitend sind die Perspektive des Alltags und die Perspektive der Akteure. Erzählen wird als kommunikatives Handeln, als alltägliches Geschehen unter Menschen in ihren lebensweltlichen Zusammenhängen aufgefasst. Erzählmuster, Plots und Strukturen des Erzählens korrespondieren mit soziokulturellen Kontexten, die wiederum sowohl historische Hintergründe als auch situative Rahmenbedingungen haben. Kennzeichnend für eine auf Alltagskulturen gerichtete Erzählforschung ist, dass sie von einer dialogischen Beziehung zwischen Text und Kontext ausgeht. Hier sind aber auch Fragen der Autopoiesis mitzubedenken, Fragen nach einer Ästhetik des Narrativen in ihrer Autonomie.

Mitarbeiter/innen:
Simone Stiefbold
Maximilian Jablonowski

Forschung

Aktuelle Projekte

  • Dissertationsprojekt zu „Drone Stories. Praktiken und Bedeutungen ziviler Drohnennutzung“ (Maximilian Jablonowski)
  • Habilitationsprojekt zu „Wettererzählungen in gegenwärtiger und historischer Perspektive“ (Simone Stiefbold)

Aktuelle Forschungen des Schwerpunktleiters

  • Musikalisches Erzählen, insbesondere mythische Aspekte in der Folk- und Popmusik (z. B. Bob Dylan)
  • Brüder Grimm, traditionelle Gattungen (Märchen, Mythen, Sagen) unter Einbezug ästhetischer Theorien
  • Theorie des Erzählens (Narratologie) auf ästhetischer und zugleich epistemologischer Grundlage
  • Narratologische Ansätze in Kulturerbe- und Ausstellungsfragen (z. B. UNESCO-Weltkulturerbe „Kinder und Hausmärchen der Brüder Grimm“)
  • Narrative Gerontologie (z. B. zu Hochbetagten, Menschen mit Demenz, türkische Migranten)

Abgeschlossene Projekte

  • Dissertationsprojekt „Menschenbilder in lebensweltlichen Kontexten und als Formen narrativen Wissens im 19. und 20. Jahrhundert (Simone Stiefbold)

Abgeschlossene Projekte des Schwerpunktleiters

  • Forschungsprojekt  „Zwischen Identität und Image – Die Popularität der Brüder Grimm und ihrer Märchen in Hessen“ (2007-2010), gefördert durch HMWK, IHK, Initiative UNESCO-Welterbe
  • Ausstellungsprojekt „Die Popularität der Brüder Grimm und ihrer Märchen“ (2008-2012), gefördert durch das HMWK, gezeigt in Marburg (Haus der Romantik), Frankfurt am Main (Caricatura Museum für Komische Kunst), Ulm (Ulmer Museum), Steinau (Brüder Grimm-Haus), Schleswig (Landesmuseum Schloss Gottorf)
  • Ausstellungsprojekt „Echt hessisch? Land – Leben – Märchen“ (2012-2014) zum 200. Jubiläum der Kinder- und Hausmärchen, gefördert durch das HMWK und die Universität Marburg, gezeigt im Museum für Kunst und Kulturgeschichte, Marburg

Publikationen

Herausgeberschaften

Zürcher Schriften zur Erzählforschung und Narratologie (ZSEN), hrsg. von Harm-Peer Zimmermann und Simone Stiefbold:

  • Harm-Peer Zimmermann (Hg.): Lust am Mythos. Kulturwissenschaftliche Neuzugänge zu einem populären Phänomen (ZSEN, 1). Marburg: Jonas 2015. (hier Cover auf der Seite)
  • Simone Stiefbold: Mit dem Wechselbalg denken. Menschen und Nicht-Menschen in lebensweltlichen Narrativen (ZSEN, 2), Marburg: Jonas 2015. (hier Cover auf der Seite)

Fabula. Zeitschrift für Erzählforschung. Journal of Folktale Studies. Revue d'Etudes sur le Conte Populaire, hrsg. von Brigitte Bönisch-Brednich, Harm-Peer Zimmermann, Simone Stiefbold

Weitere Publikationen (Auswahl)

  • Maximilian Jablonowski: 2015: Drone It Yourself! On the Decentring of 'Drone Stories'. In: Culture Machine 16/ 2015.
  • Simone Stiefbold: Erfahrung und Erzählung. Wetterkatastrophen, Sagen und die Bedeutung der Form. In: Bernd Rieken (Hg.): Erzählen über Katastrophen. Beiträge aus Deutscher Philologie, Erzählforschung und Psychotherapiewissenschaft (Psychotherapiewissenschaft in Forschung, Profession und Kultur, 16). Münster, New York, München, Berlin: Waxmann 2016, S. 101-114.
  • Simone Stiefbold: Vom ‚Anderen‘ zum ‚Anderssein‘? Der Wechselbalg in Saaski aus dem Moor. In: kids+media 2/2015, S. 20-37.
  • Harm-Peer Zimmermann: „Was soll dieser Wust?“ Zur Anthropologie und Ästhetik der Enzyklopädie des Märchens. In: Fabula. Zeitschrift für Erzählforschung 57/2016, S. 39-59.
  • Harm-Peer Zimmermann: Mythen in Massen. Überlegungen zu einem Schlagwort in der Tagespresse. In: Claudia Brinker-von der Heyde u.a. (Hrsg.): Märchen, Mythen und Moderne. 200 Jahre Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. Frankfurt am Main: Lang 2015, T. 2, S. 749-760.
  • Harm-Peer Zimmermann: C für Cassel. In: Die Grimmwelt. Von Ärschlein bis Zettel. Hgg. von der Stadt Kassel in Zusammenarbeit mit Annemarie Hürlimann und Nicola Lepp. München: Sieveking 2015, S. 68-77.
  • Harm-Peer Zimmermann: グリム兄弟と故郷ヘッセンとの相反的な関わり. In: 大野寿子(編)『カラー図説 グリムへの扉』、勉誠出版(東京)、2015年, S. 46-71. (Das ambivalente Verhältnis der Brüder Grimm zu ihrer hessischen Heimat. In: Hisako Ono (Hrsg.): Eine Tür zur Welt der Brüder Grimm. Mit farbigen Abbildungen. Tokyo: Bensei-Verlag 2015, S. 46-71).
  • Harm-Peer Zimmermann: „sich eine Vergangenheit geben, aus der man stammen möchte“ Zur Kritik der Heritage-Kritik. In: Ingo Schneider, Valeska Flor (Hrsg.): Erzählungen als kulturelles Erbe – Kulturelles Erbe als Erzählung. Münster, New York: Waxmann 2014, S. 47-62.
  • Sonja Windmüller / Harm-Peer Zimmermann: Sound des Wunderhorns. Kulturwissenschaftliche Resonanzen auf Bob Dylan. Berlin: Panama 2014.

Tätigkeit des Schwerpunktleiters in wissenschaftlichen Institutionen und Vereinigungen

  • Mitglieder in der Erzählforschungskommission der dgv
  • Mitglied im Wissenschaftlichen Rat der Brüder Grimm-Gesellschaft
  • Mitglied des Präsidiums der Märchen-Stiftung Walter Kahn
  • 2010-2012 Vorsitzender der Kommission für Erzählforschung in der Deutschen Gesellschaft für Volkskunde
  • 2006-2012 Mitglied im Beratergremium „Hessen – Land der Brüder Grimm“ des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst (HMWK)
  • 2002-2012 Mitglied der Jury für die Vergabe des Brüder Grimm-Preises der Philipps-Universität Marburg

Ausstellungen

  • Echt Hessisch? Land Leben Märchen. Museum für Kunst und Kulturgeschichte, (Landgrafenschloss Marburg) 2012-2015
  • Die Wahrheit über Hänsel und Gretel. Hans Traxler und die Anfänge der Märchenarchäologie. Wanderausstellung 2008-2012: Marburg (Haus der Romantik), Frankfurt am Main (Caricatura Museum für Komische Kunst), Kassel (IHK-Initiative UNESCO-Weltkulturerbe), Ulm (Ulmer Museum), Steinau (Brüder Grimm-Haus), Schleswig (Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum Schloss Gottorf)
  • Grimmskrams & Märchendising. Die Popularität der Brüder Grimm und ihrer Märchen. Wanderausstellung 2008-2012: Marburg (Rathaus, Haus der Romantik, Brüder Grimm-Stube), Kassel (IHK-Initiative UNESCO-Weltkulturerbe, Winsen an der Luhe (Marstallmuseum), Schleswig Schleswig (Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum Schloss Gottorf)

Forschungskooperationen

Im Rahmen des Schwerpunktes Erzählforschung besteht international eine enge Kooperation mit dem

  • Department für Cultural Anthropology der Victoria University of Wellington (Neuseeland), Prof. Dr. Bönisch-Brednich (gemeinsame Herausgabe der Zeitschrift Fabula)
  • Institut für Germanistik (Lehrstuhl Erzählforschung) der Toyo-Universität in Tokio (Japan), Prof. Dr. Hisako Ono (gemeinsame Tagung zu den Brüdern Grimm 2012 in Tokio; nächste Tagung in Zürich 2018: Rezeption der Grimms in Japan und Fernost)
  • Instytut Germanistyki der Universität Warschau, Prof. Dr. Katarzyna Grzywka (geplante Tagung 2019 in Warschau, Herausgabe eines special issue der Fabula zum Thema „Märchen auf dem Theater“)