Bachelorarbeiten

Das ISEK - Ethnologie publiziert ausgewiesene Arbeiten in Ethnologie (ab Note 5.5) auf Bachelorstufe. Sie finden hier die Titel und Abstracts dieser Arbeiten. Die Volltexte sind via untenstehende Links oder direkt im Nebis Katalog zu finden.

2018

Melanie de Visser: Zugänge zu Ugandas kulturellem Erbe: Kulturvermittlung an Schulklassen im Uganda Museum in Kampala

Der Besuch von Schulklassen gehört im ugandischen Nationalmuseum in Kampala zum Alltag. Speziell in der Sommersaison bilden die Schulklassen aus ganz Uganda die grösste Besuchergruppe des Museums. Ausgebildete Freiwillige (Guides) im Museum bieten den Klassen geführte Touren an, die je nach Alter und Thema variieren. Die Kulturvermittlung der Guides an Schulkinder bildet den Kern dieser empirischen Bachelorarbeit. Grundlage der Analyse bilden acht Interviews mit Mitarbeitenden im Museum und Schulkindern sowie Beobachtungen meines dreiwöchigen Aufenthaltes im Juli 2017 am Uganda Museum. Die analysierten Interviews geben Einblick in spezifische Inhalte der Vermittlungsarbeit, Arbeitsmethoden, Ziele, Voraussetzungen sowie Visionen und Wirkung der Kulturvermittlung im Uganda Museum.

Im Zentrum der Wissensvermittlung von Guides an Schulkindern stehen die Objekte. Diese repräsentieren das kulturelle Erbe und dienen den Guides zum einen zur Orientierung der Führungsdurchführung und zum anderen als Mittel, um einen thematischen Bogen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zu schlagen. Noch ist unklar, wie das Uganda Museum auf die zukünftig wachsende Anzahl an besuchenden Schulkindern agieren wird und wie die fehlenden Ressourcen gedeckt werden. Fest steht, dass das Museum nach wie vor die Bildung von Schulkindern und dadurch den Erhalt des ugandischen Kulturgutes priorisieren möchte.

Volltext im Bibliothekskatalog

2017

Meret Balmer: Spaces of Interaction: Volunteers and Refugee Residents in Greece in 2017

This BA thesis is an anthropological study of migrants on the Northern Greek mainland and is based on fieldwork conducted in the summer of 2017. The focus is on the interactions between people who – fleeing the wars in the Middle East – are waiting in Greece to be granted asylum by other European countries and volunteers (mostly from Western Europe) working for grass-roots organizations (GROs) seeking to help these ‘refugees’ (which the author prefers to call ‘residents’). The BA thesis provides an ethnographic account of the housing projects in Sindos, a suburb of the Greek city of Thessaloniki. The primary concerns are friendships, solidarity, and political activism that can develop in the liminal spaces of such temporary settlements. Moreover, this study analyzes the relationships between volunteers and refugee residents, as they emerge in these places. Light is being shed on how the political, infrastructural, and institutional context puts limits to such relationships – e.g. through specific codes of conduct that volunteers need to sign before working with ‘refugees’.

Volltext im Bibliothekskatalog

Tabea Grob: Sharing Economy: Zwischen Ökonomisierung der Gesellschaft und Sozialisierung der Wirtschaft

Diese Arbeit untersucht den in den letzten Jahren aufgekommenen Wirtschaftszweig der Sharing Economy aus einem anthropologischen Blickwinkel. Der Begriff der Sharing Economy verknüpften Ethnologen wie Mauss und Widlok von je her mit Jäger und Sammler Gesellschaften. Jedoch löste er sich von seiner Herkunft und wandelte er sich zu einem populären Alltagsbegriff, der für ein breites Spektrum an Praktiken eingesetzt wird. Kritiker tun diese neue Form der Sharing Economy als „sharewashing“ ab. Im Gegensatz dazu zeigt diese Arbeit durch die kritische Besprechung klassischer Tauschtheorien auf, dass sich die heutige Sharing Economy als alternative Wirtschaftsform erfassen lässt. Die übergreifende Frage ist dabei, ob die Sharing Economy eine Sozialisierung der Ökonomie darstellt – wie bei ethischen Konsumentscheidungen – oder eine Ökonomisierung von bisher rein sozialen Bereichen – wie etwa die Kommerzialisierung der Nachbarschaftshilfe.

Ziel der Arbeit war es, diesen Untersuchungsgegenstand aus der Sicht der Teilnehmenden zu verstehen. Dazu wurden verschiedene Akteure in der Schweiz untersucht, von kleinen Nachbarschaftsprojekten bis zu Angeboten marktwirtschaftlich orientierter Unternehmen. Der erste Teil widmet sich der Bandbreite an Motiven, welche die Anbieter und Nutzer nennen, um an der Sharing Economy überhaupt teilzunehmen. Im zweiten Teil geht es um die unterschiedlichen Zukunftserwartungen und das ideelle Potential, welches die Teilnehmer/innen der Sharing Economy zuschreiben. Abschliessend geht es um mögliche Auswirkungen der Sharing Economy – etwa die Verwischung der Grenze zur professionellen Arbeit oder die teils widersprüchlichen Versprechen bezüglich Konsumsenkung und Förderung sozialer Werte.

Volltext im Bibliothekskatalog

Selina Maria Reusser: "Remembering Olala Farms" - Ein ethnographisches Multimedia-Projekt

2016

Hans Boss: Ist der Eurozentrismus überwunden? : inwiefern lässt sich eine vorurteilsfreie Sicht auf die Wirklichkeit erreichen?

Charlotte Frey: Mother – Bentō – Child. An Investigation of the mother-child relationship in Japan

Bentō boxes are lunch boxes prepared by Japanese women for their children and their husbands. As everyday practice for both mother and child, bentō provides a good object of investigation on the mother-child relationship in Japan. In order to get insights into this relationship two emic concepts of Japanese society will be applied: amae and uchi/soto. Amae is the ‘need to be responded to and taken care of’ (Johnson 1993: 374) and presents itself in ‘dependency’. The mother-child relationship is seen as prototype of amae, begins in early childhood and has importance throughout adulthood. Uchi and soto (‘inside’ and ‘outside’) is a concept that manifests itself in language and interpersonal relationships. The ‘inside’ is associated with intimacy and familiarity, the ‘outside’ is the more regulated, distanced or unknown space (Bachnik 1994: 3–7). In the transition of a child from the uchi to the soto, when entering school, the bentō is a symbol of amae in the new environment. Both, mother and child, are socialized through bentō. A child learns how to behave in a group and a woman is socialized into her role as mother. This investigation will show that bentō can act as bridge between uchi and soto. Through blogging about bentō, aspects from the uchi, like childrearing, are transferred into the sphere of soto.

Volltext im Bibliothekskatalog

Tanja Luchsinger: „Quieres tarjeta“ – Die Ethnografie eines Wi-Fi Hotspots

Im Juli 2015 wurden in ganz Kuba öffentliche jedoch kostenpflichtige Wi-Fi Hotspots installiert, welche vielen Kubanern und Kubanerinnen zum ersten Mal Zugang zum world wide web ermöglichten. Öffentliche Plätze, Parks und Einkaufsstrassen wurden quasi über Nacht zu überfüllten Internetzonen, die bis heute neue Akteure und Aktivitäten auf den Plan rufen. Basierend auf einer einmonatigen Feldforschung in Havanna untersucht diese Arbeit einen solchen Hotspot als Raum. Dabei analysiert sie dessen soziale Konstruktion und Produktion mit Hilfe von Theorien der anthropology of space and place von Setha M. Low. Weiter stellt sie den Versuch an, durch Interviews, Gespräche und Hotspotbesuche den Raum mit den Augen verschiedener Akteure zu betrachten. Wie nehmen unterschiedliche Hotspot-Besucher wie etwa Wi-Fi Nutzer, Internetkartenverkäufer, fliegende Händler oder andere Akteure den Hotspot wahr? Wie konstruieren sie ihn für sich im Kopf? Wie wird ein Hotspot als Raum von seinen Besuchern sozial produziert und konstruiert? Wie überlappt für sie die „alte“ Bedeutung als Park mit der neuen Bedeutung als Hotspot? Wie ist ein solcher Ort physisch beschaffen und wie wird er geschichtlich, wirtschaftlich oder politisch produziert? Was passiert wenn sich der digitale Raum und der physische Raum immer mehr verstricken und zu einer Art „global space“ werden, in einem Land, wo Internet eigentlich nie für die allgemeine Bevölkerung vorgesehen war? Diese Arbeit bietet eine Momentaufnahme einer Nation im Wandel und hofft so mit der Ethnografie eines Hotspots einen Beitrag zur anthropology of space and place zu liefern.

Diese Bachelorarbeit ist überarbeitet und in ZANTHRO publiziert worden: Download ZANTHRO No 4 (PDF, 8171 KB)

2015

Anaëlle Tissières: Identitätsformen in der Schweiz: Geboren zwischen einer schweizerischen und einer arabischen Kultur

Identität spielt in der Lebensentwicklung jedes Menschen eine wichtige Rolle; dies gilt besonders für Menschen, die migriert sind. Muslime und vor allem auch Personen mit arabischem Hintergrund wurden in den letzten Jahren immer kritischer in der schweizerischen Öffentlichkeit wahrgenommen. Aus diesen zwei Tatsachen ergeben sich verschiedene Fragen: Wie werden Personen, die in der Schweiz geboren und aufgewachsen sind und die einen Elternteil schweizerischer und einen arabischer Herkunft haben, ihre Identität(en) darstellen? Wie nehmen sie ihre Identität wahr? Wie spielen die beiden unterschiedlichen kulturellen Kontexte in den Prozess der Identitätsfindung hinein und welche Dynamiken gibt es dabei? Die Arbeit beruht auf neun teilstrukturierten Leitfaden-Interviews mit Informanten/-innen, welche Eltern zweier Nationalitäten haben (Schweizer und Marokkaner bzw. Jordanier). Nach einer qualitativen Analyse konnte festgestellt werden, dass die Informanten/-innen in Bezug auf ihre Identität von der Herkunft beider Elternteile geprägt sind. Da Identität ein gesellschaftlicher Prozess ist und sich erst in den Interaktionen mit anderen Menschen entwickelt, hängt sie ebenfalls von der Situation oder von den Menschen ab und kann je nach Kontext wechseln. Ausserdem spielen mehrere Faktoren eine entscheidende Rolle bei der Identitätsbildung wie die Staatsbürgerschaft, die arabische Sprache, die Kindheitserfahrungen, etc.

Volltext im Bibliothekskatalog

2014

Catherine Raya Polishchuk: Citizenship in Theorie und Praxis: Kategorien als Leitfaden in Europa

Durch Migration bedingte Veränderungen von citizenship am Beispiel Frankreichs

Diese Arbeit zeichnet eine Skizze sozialwissenschaftlicher Debatten über citizenship, um anschliessend eine Antwort auf die Frage nach ihrer Anwendbarkeit in westeuropäischen Staaten zu suchen. Hierzu wird das Beispiel der Berber in Frankreich herangezogen, über die bereits ethnografische Daten vorhanden sind. Die Analyse ergibt, dass von den sogenannten differenzierten Kritiken an T.H.Marshalls citizenship-Theorie, nämlich von Multikulturalismus, Postnationalismus, und Transnationalismus, transnationale citizenship durch ihre Flexibilität am zutreffendsten ist. Angesichts der fluktuierenden Definition des staatlichen Kontextes (Definition von Staat, politischer Gemeinschaft und BürgerInnen) wird Flexibilität als Muss jeder praxisnahen Theorie identifiziert. Die Suche nach praxisnahen citizenship-Theorien ist durch die Lokalisierung der vom Staat ausgeübten Gewalt motiviert, denn ihre Behebung oder Minimalisierung kann erst in einem nächsten Schritt gelingen. Kombiniert mit einem personenzentrierten Ansatz zeigt transnationale citizenship auf, wie Diskurs, stereotypisierte Bürgerkategorien und Politiken der Exklusion einander gegenseitig beeinflussen, was die Rolle des öffentlichen Diskurses hinsichtlich politischer Entscheidungen betont. Da der Informationsfluss öffentlichen Diskurs prägt und Machtverhältnissen unterliegt, die vom Staat mitbestimmt sind, kann man das Vorliegen demokratischer Grundbausteine wie der Informationsfreiheit hinterfragen.

Volltext im Bibliothekskatalog

Annuscha Wassmann: Problematik der Nachhaltigen Entwicklung in der Lehre an der Universität Zürich und der ETH Zürich – Eine qualitative Analyse

Nachhaltige Entwicklung ist eine der dringendsten und komplexesten Herausforderungen, welcher sich die Weltbevölkerung gegenüber gestellt sieht. Der Bildung, insbesondere an Hochschulen, kommt diesbezüglich eine besonders grosse Verantwortung zu. Dieser Arbeit liegen folgende Fragestellungen zugrunde: 1. Welche Verantwortung und Aufgaben haben die Universität Zürich (UZH) und die ETH Zürich (ETHZ) in Bezug auf eine Verankerung von Nachhaltiger Entwicklung in der Lehre? 2. Vor welche Herausforderungen sehen sie sich diesbezüglich gestellt? 3. Welche Lösungsansätze könnten deren Überwindung ermöglichen?

Diese Fragestellungen werden in Form einer Analyse des Podiums „Nachhaltigkeit an unseren Hochschulen – Worthülse oder Gebot der Stunde?“, welches im Rahmen der studentisch organisierten Nachhaltigkeitswoche an der UZH und ETHZ am 6. März 2014 stattfand, sowie durch eine mit Fachliteratur ergänzte Analyse der nachträglich einzeln mit den Podiumsreferierenden geführten Interviews angegangen. Neben Vertreter*innen aus der Politik und Wirtschaft nahmen der Rektor der UZH und der designierte Präsident der ETHZ teil.

Die Analysen zeigen, dass der UZH und der ETHZ eine Verantwortung in Bezug auf die globale Herausforderung einer Nachhaltigen Entwicklung zukommt, welche neben einer Vorbildfunktion insbesondere in der Bildung zukünftiger Entscheidungsträger*innen besteht. Eine Zusammenarbeit der beiden universitären Hochschulen bietet dabei ein grosses Potenzial. Von entscheidender Bedeutung ist, die Professor*innen dazu zu motivieren, Nachhaltige Entwicklung in die Lehre zu integrieren, auch wenn diesbezüglich eine Vielzahl an Herausforderungen besteht: historische Gegebenheiten, kulturelle Probleme, Berufsautonomie und andere mehr. Das breite Spektrum von Lösungsansätzen reicht von rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen über institutionelle Massnahmen bis hin zur direkten Einwirkung in Lehre und Forschung.

Volltext im Bibliothekskatalog

Martina Zierhofer: Fahrradkultur in St. Petersburg. Wie das Fahrrad die Welten St. Petersburgs verbindet (Cycling culture in St. Petersburg. How the bicycle links the worlds of St. Petersburg)

Within the relatively young research field of an anthropology of the bicycle, this bachelor thesis analyses the meaning of the bicycle within the specific cycling culture of the metropolis of St. Petersburg. While cycling culture is understood as an integral part of a society’s culture of mobility, the bicycle itself is a material object which has its own particular social constructedness and entangledness in different settings. However, the bicycle as an object does not vary greatly on a global scale.

This BA thesis uses a material culture and social biography of objects approach, supported with auto-ethnographic evidence from experiences and participant observation in two settings, the Netherlands and St. Petersburg, that focuses on the use and the perception of the object, rather than on its production. The bicycle is used as a lens through which to view society in St. Petersburg. In this way, examining St. Petersburg’s bicycle culture not only opens up an interesting range of meanings which the bicycle as a mobility device can create but, surprisingly, also a deeper understanding of the cultural tension fields which emerge around it. Three of these tension fields are discussed in the paper: how the bicycle and its users position themselves somewhere between collectivism and individualism, how they situate themselves between the ‘European’ and ‘Russian’ sides of their identity, and how bicycle users creatively develop strategies to cope with tensions between stressful public life and small private happiness.

The thesis furthermore reflects the advantages and limits of the chosen research approach and proposes suggestions for future research.

Volltext im Bibliothekskatalog