Roadwork: An Anthropology of Infrastructure at China’s Inner Asian Borders

2013 hat Chinas Präsident Xi Jinping den Silk Road Economic Belt, einen euroasiatischen ‚wirtschaftlichen Gürtel’, lanciert. Die Initiative sieht den Bau transkontinentaler Infrastrukturnetzwerke vor, mit dem Ziel, den euroasiatischen Kontinent in einen eng vernetzten Raum zu verwandeln. Diese Vision hat seither eine enorme Aufmerksamkeit in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft erhalten, die sich vorwiegend ihren möglichen zukünftigen geopolitischen und wirtschaftlichen Auswirkungen widmet.

In diesem immer grösser werdenden Diskursfeld sticht das Projekt «ROADWORK», das am Institut für Sozialanthropologie und Empirische Kulturwissenschaft unter der Leitung von Prof. Agnieszka Joniak-Lüthi durchgeführt wird, heraus. Durch langzeitig angelegte ethnographische Feldforschung entlang der neuen Strassen erforscht das Projektteam die soziale Komplexität und Ambiguität der gebauten Infrastruktur. Das Team untersucht sieben Strassen in der Grenzregion zwischen Nordwest-China, Kasachstan, Kirgistan, Pakistan und Tadschikistan, dort, wo sich die Hauptachse des ‘Gürtels’ befindet. Diese Region ist wirtschaftlich und geopolitisch von zentraler Bedeutung, gleichzeitig ist aber die politische Lage seit Jahren fragil. Dazu kommt noch, dass sich dort einige der höchsten Berge und der grössten Wüsten der Welt befinden. Die harschen Naturbedingungen treiben die Abnutzung und Erosion von Infrastruktur besonders rasch voran und erfordern ein konstantes Gegenhandeln. Eine Strasse, die nicht kostspielig unterhalten wird, verschwindet in diesem dynamischen Naturraum fast ebenso rasch, wie sie gebaut wurde. Das Projekt rückt also die Unterhaltsarbeiten einerseits und die omnipräsenten Prozesse des materiellen Zerfalls andererseits ins Zentrum der empirischen und theoretischen Analyse. Das Forschungsteam beschäftigt sich damit, was passiert, wenn die Baufirmen weiterziehen, das Baukapital verbraucht ist und der Zerfall, bzw. die Notwendigkeit, das Materielle zu unterhalten, einsetzt. Das Projekt erforscht die langfristigen sozialen Implikationen der neuen Infrastruktur und wird so zu einer notwendigen Stimme in der Debatte zur neuen chinesischen ‘Seidenstrasse’.

Das Team-Projekt ROADWORK dauert vier Jahre (2018-2022) und wird durch den Schweizerischen Nationalfonds SNF finanziert. Mehr zum Projekt unter www.roadworkasia.com