Kondolenzbuch Prof. Dr. Lorenz G. Löffler

Nach langer Krankheit ist am 28.12.2013 Prof. Dr. emeritus Lorenz G. Löffler verstorben. Er war von 1971 bis 1995 Leiter des Ethnologischen Seminars der Universität Zürich. Das Ethnologische Seminar spricht der Familie von Prof. Löffler sein herzliches Beileid aus.

Am 12. September 2014 fand im Völkerkundemuseum der Universität Zürich eine Gedenkfeier für Prof. Dr. Lorenz G. Löffler statt.

Nachruf auf Prof. Dr. Lorenz G. Löffler, 1930 - 2013

Kurz vor dem Jahresende verstarb in seinem Altersdomizil am Bodensee Prof. Lorenz G. Löffler, der das Ethnologische Seminar der Universität Zürich begründet und aufgebaut hat und von 1971 bis 1995 als inspirierender und ausserordentliche Freiheiten gewährender Lehrer mit seinem offenen und kritischen Geist mehrere Generationen von Studierenden, Ethnologinnen und Ethnologen in Zürich und darüber hinaus nachhaltig geprägt hat.
 

Löffler, der seine Kindheit und Jugend in Thüringen, in Deutschlands dunklen Jahren verlebte, studierte in den Nachkriegsjahren asiatische Sprachen und Völkerkunde in Jena, Leipzig, später in Mainz bei W.E. Mühlmann. Er führte 1955/56 Feldforschungen durch bei verschiedenen Gruppen in den Chittagong Hill Tracts im damaligen Ostpakistan (seit 1971: Bangladesh), in einer Region, die später zu seinem grossen Leidwesen kaum mehr zugänglich war. Zu seinen Forschungsfeldern gehörten bereits damals materielle Kultur und Wirtschaft, Verwandtschaft und Linguistik, und zu diesen Fragen hat er wichtige Beiträge verfasst. Später kamen dazu Themen der politischen Anthropologie und das zunehmend an Bedeutung gewinnende Feld der Ethnologie der Geschlechter, in welchem seine Arbeiten als bahnbrechend gelten können.

Prof. Dr. Lorenz G. Löffler

 

Lorenz Löffler war, wie die kurz vor seinem Tod bei Harvard University Press erschienene grosse Monographie Ethnographic notes on the Mru and Khumi of the Chittagong and Arakan Hill Tracts : a contribution to our knowledge of South and Southeast Asian indigenous peoples mainly based on field research in the Southern Chittagong Hill Tracts" deutlich macht, ein 'altmodischer' Ethnologe in dem Sinn, in dem sich heute wieder manche selbstbewusst auf die Kernfragen der Disziplin konzentrieren (wozu Linguistik, Verwandtschaft und kleine tribale Völkerschaften zählen). Er hat aber gleichzeitig wohl auch entscheidenden Anteil daran gehabt, dass aus der marginalen und erheblich kompromittierten deutschsprachigen Völkerkunde der Nachkriegszeit eine zeitgemässe, offene und welthaltige sozialwissenschaftliche Ethnologie geworden ist.

Möglich wurde dies durch eine seltene Kombination von ethnographischer Akribie und soziologischer Imagination, verbunden mit einer ausgeprägt kritischen theoretischen Neugier, die Löfflers Denken und Wirken geprägt hat. Er hat die Beschränkungen der Ausstattung seines Instituts dadurch überwunden, dass er studentischen Energien, wie sie in seinen frühen Zürcher Jahren im Nachhall von '1968' noch reichlich verfügbar waren, Entfaltungsmöglichkeiten geboten hat (er sprach davon, 'verdienstvolle Autodidakten' akademisch zu integrieren). Ausserdem hat Löffler eine Reihe von Personen um sich geduldet und an seinem Institut wirken lassen, die das Projekt einer erneuerten Ethnologie in die unterschiedlichsten Richtungen vorantrieben, die teils nicht unbedingt nach seinem Geschmack waren, die aber der Zürcher Ethnologie 'unter Löffler' eine ganz spezifische Aura der hippen Dissidenz gegeben haben, von der manche zuweilen heute noch zehren (so etwa auch der aktuelle Polizeivorsteher der Stadt Zürich, der über radikale soziale Bewegungen in die Politik gelangt ist und der unlängst in einem Interview explizit auf diese intellektuelle Genealogie Bezug genommen hat).

Daraus konnte sich jedoch auch Ärger ergeben. Dies geschah in aktenkundig gewordener Weise im Kontext der 'Zürcher Bewegung' von 1980, wo Löffler ins Visier der Autoritäten geriet, weil er sich im Namen der Freiheit der Wissenschaft weigerte, mit den Behörden zu kooperieren, konkret: der Polizei und Justiz Filmmaterial über die 'Jugendunruhen' auszuliefern, welches im Rahmen einer Lehrveranstaltung an seinem Institut entstanden war. So geriet Professor Löffler unversehens in den Ruch der Radikalität und wurde als 'fellow traveller' der 'Bewegten' angegriffen und geschmäht. Dies hat widerum erheblich zur Verfestigung der besagten Aura beigetragen.

In der akademischen Welt genoss Löffler hohes internationales Ansehen. Er hat als einer von ganz wenigen deutschsprachigen Ethnologen seiner Generation in fremdsprachigen internationalen Zeitschriften publiziert und sich — oft mit gespitzter Feder — an aktuellen Debatten beteiligt. In der engeren deutschen Ethnologie war er, vielleicht gerade deshalb und wohl mit einer gewissen Absicht, eher am Rande. Diese relative Marginalität hat ihm einigen Spielraum ermöglicht, wie vielleicht in ganz besonderer Weise auch die Tatsache, dass er in Zürich ein neues Institut aufbauen konnte und keinerlei Tradition verpflichtet war.

Lorenz Löffler hat selber stets Distanz gewahrt zum Achtundsechziger, resp. Achtziger-Radikalismus, zu den in diesen Jahren gerade in der Ethnologie angesagten Spielarten des Marxismus oder des radikalen Feminismus, auch weil ihm diese in entscheidenden Hinsichten zu wenig kritisch waren. Er war ein deutlich engagierter Intellektueller in den Bereichen, in denen ihm seine Kompetenz dies gebot. So setzte er sich im Rahmen der Herausbildung der entsprechenden internationalen Bewegung zunehmend aktiv für die Rechte indigener resp. autochthoner Bevölkerungsgruppen ein.

Uns, seinen Schülern, hat er eine Prägung vermittelt, die ich als 'konstruktive Subversion' bezeichnen möchte, die sich am besten aus einer dezidiert marginalen Position vertreten lässt. Manche von uns haben es im Laufe ihres späteren Lebens nichtsdestotrotz recht weit gebracht: 'Löffler-Schüler' sind in der Schweiz von heute in allen möglichen Sphären gut vertreten, in der akademischen Welt auch international. Ich bin sicher, dass sich selbst die Nicht-Raucher darunter zuweilen gern und wohl auch mit etwas Wehmut an die oft verqualmten, aber meist überaus inspirierenden Löffler-Seminare erinnern werden.

                                                                                                                                                         9. Januar 2014, von Heinz Käufeler


Kondolenz von Bernhard Albrecht
Danke, Professor Löffler, für die Urbanethnologie, das CID (Centro de Investigacion y Documentacion para América Latina y el Caribe) und Ihr Vorbild fürs ganze Leben.

In grosser Trauer, Ihr Berni
 

Kondolenz von Andreas Wimmer
LGL hat vielen, auch mir, beigebracht, analytisch und systematisch zu denken und zu forschen, immer mit Blick auf empirische Verallgemeinerbarkeit und logische Konsistenz. Seine Fähigkeit zur intellektuellen Selbstkritik, bis an die Grenze zum Agnostizismus, bleiben legendär. Er wird in unseren inneren Dialogen weiterleben.
 

Kondolenz von Piet van Eeuwijk
Wir verlieren einen anerkannten, die Ethnologie in Zürich prägenden Wissenschaftler, der viel für unser Fach geleistet hat.

Auch im Namen des Ethnologischen Seminars Basel kondolieren wir der Trauerfamilie von Prof. Löffler.
 

Kondolenz von Martin Woker
Heinz Käufelers Nachruf könnte trefflicher nicht sein. Wir halten den Verstorbenen in höchsten Ehren.

Martin Woker.
 

Kondolenz von Prof. Dr. emer. Georg Pfeffer, Berlin
Lorenz Löffler hat mir immer sehr gut gefallen, weil er damals viel Verständnis für die linken Studierenden hatte, ohne seine Forschung zugunsten von Agitation zu opfern. Er war immer klar und direkt im Umgang (auch in der Kritik) und immer sehr großzügig. Niemals war er in irgendwelche Intrigen verwickelt. Neben seinem Heidelberger Mit-Assistenten E.W. Müller war er außerdem in Deutschland der einzige, der die weltweiten Fachdiskussionen über 'Verwandtschaft' überhaupt mitbekam, um sich auch selbst aktiv einzuschalten. In der damaligen Welt von 'kulturhistorisch' geprägten Patriarchen bin ich wahrscheinlich wegen dieses persönlich so integren und fachlich unermüdlichen Forschers zum Thema 'Verwandtschaft' gestoßen. Es war intellektuell anspruchsvoller als die diffusionistischen Spekulationen.
 

Kondolenz von Sabina Tschudi
Danke Prof. Löffler, dass Sie uns Studentinnen und Studenten Räume des freien Denkens und Reflektierens offerierten, und uns ermunterten, zu Denkern out of the box zu werden.

In Ehrung und Dankbarkeit, Sabina Tschudi
 

Kondolenz von Michael Oppitz
Me, black bird, now soon and at once,
world leaf comes to make me a rotten water leaf’s stalk. and so,
even before seven days will have passed, and so
I, the black bird, I on the other hand, will become
a hill-spirit’s foliage, the ginger at the tree’s foot,
o the bulb of the cooling medicine...

aus einem alten Gesang der Khumi
vorgetragen von Menyom Tang 1957,
übertragen von Lorenz Löffler
in dessen Ethnographic Notes on the Mru and Khumi,
Harvard Oriental Series 74, 2012:617.

Dies, Lorenz, wird bleiben.
 

Kondolenz von U.Werner Winterberger
Herzlichen Dank, Prof. L. Löffler, für den freien Geist im Seminar, die (Heraus-)Forderungen und wichtigen Anregungen, die ich persönlich erfahren durfte während des Studiums bei und mit Ihnen und in der Feldforschung.

Mein herzliches Beileid gilt all den Angehörigen.

U.Werner Winterberger
 

Kondolenz von Annick Tonti-Ribouleau
Je ne pourrai jamais assez remercier le professeur qui m'a permis d'avoir une vie professionnelle aussi riche. L'ethnologie et l'ethnographie sont devenues mes outils de travail et ma manière de vivre. Merci à ce professeur que j'ai tant admiré pour la richesse de son savoir, son ouverture d'esprit, sa nature si humaine et l'intérêt qu'il portait à ses étudiants.
 

Kondolenz von Jennifer Duyne Barenstein
Danke Herr Prof. Löffler, dass Sie mir den Weg nach Bangladesh gezeigt haben. Ohne Sie wäre ich nicht wo und wer ich heute bin!
 

Kondolenz von Frank Beat Keller
aus dem diesseits ins jenseits:

lieber herr löffler, ich danke Ihnen dafür, dass ich Ihr schüler sein durfte, so viel gelernt habe zur ethnologischen sicht. viele von uns studierenden der ersten jahre sind zu Ihren schülern und schülerinnen geworden: Sie haben uns gelehrt, zu denken, wie wir es heute tun.

ich danke für alles, was Sie mir beigebracht haben:

zuerst für das genaue hinschauen,

dann für den ersten versuch, das gesehene und erlebte zu analysieren,

dann für das heraustreten aus der ersten, oft etwas vorschnellen art, die dinge zu sehen,

dann für die suche nach einem alternativen standpunkt, von dem aus eine neue analyse zu starten ist,

dann für die aufforderung, nochmals und wieder und wieder das gedachte vom kopf auf die füsse zu stellen,

und für Ihr Hinführen an den Gedanken, die eigene sicht der beobachteten menschen auf sich selbst und die welt nicht zu vergessen,

um schliesslich zu einer weiteren vorläufigen ansicht zu gelangen.

ich versuche, Ihre Art zu denken, weiterzugeben.
 

Kondolenz von Claudia Kock Marti
Prof. Lorenz Löffler wird mir als kritischer Wissenschaftler, anspornender Lehrer und begeisterter Feldforscher stets in guter Erinnerung bleiben; er hat das ethnologische Seminar Zürich tief geprägt.
 

Kondolenz von Shahnaz Nadjmabadi
Lorenz Löffler hat durch seine inspirierende Art der Lehre und des Dialoges viele Ethnologinnen meiner Generation ermutigt, unterstützt, geprägt und vor allem das genügende Selbsvertrauen vermittelt, Unabhängigkeit im Denken und Forschen zu lernen und mit Bestimmtheit unsere Ziele zu verfolgen. Ich persönlich habe ihm als Mensch und als Lehrer unendlich viel zu verdanken und kann mich nur den Worten von Jennifer anschliessen: ohne ihn wäre ich nicht dort, wo -- und die, die ich heute bin.
 

Kondolenz von Verena Münzenmeier (Kücholl)
Als eine Studentin der Ersten Stunde von Herrn Prof. Löffler durfte ich während über 10 Jahren am Wissen, Weitblick, Scharfsinn, Engagement und an seiner Energie und Offenheit beim Aufbau des Ethnologischen Seminars teilhaben. Das Erlernte waren meine treuesten und erfolgreichsten Arbeitsinstrumente, wo immer ich meinen Beruf als Ethnologin ausübte. Für diese wertvolle Ausbildung und persönliche Orientierung ehre ich Herrn Prof. Löffler und bin ihm immer dankbar.
 

Kondolenz von Andrea König
Lorenz Löffler hat mir Welten geöffnet und Denkansätze geschenkt, mit denen ich heute durchs Leben gehe. Mit den konstruktiven und wohlwollenden Auseinandersetzungen, den überraschenden Einsichten, die Sie mir vermittelt haben, sind Sie ein Teil meiner selbst geworden. Mit tiefem Dank. Andrea König
 

Kondolenz von Hans Peter Duerr
Lieber Lorenz,
ein arabischer Mystiker hat einmal gesagt: "Haben wir im Leben mal gewonnen, mal verloren, am Ende werfen wir alles ins schwarze Wasser." Du bist uns jetzt ins schwarze Wasser vorausgegangen. Adieu und - vielleicht- auf Wiedersehen!

Dein alter Gegner und Freund
Hans Peter Duerr, Heidelberg
 

Kondolenz von Wolfgang Mey
Lieber Lorenz,
du bist auf deine letzte Reise gegangen, ohne Stift und Notizbuch. Was bleibt? Neben vielem, was wir nicht ausgesprochen haben doch das: Gleich, wo immer ich unterwegs war, in den Chittagong Hill Tracts oder in Sri Lanka und ich mir manchmal nicht sicher war, wie ich ein ethnologisches Problem bearbeiten sollte, hab ich mich gefragt, wie du das wohl angehen würdest. Dann ging es immer gut weiter, dein Pragmatismus und dein erbarmungslos-unbestechlicher Blick, der mich immer fragte, ob ich denn das wirklich so stehen lassen wollte, haben mich immer wieder daran erinnert, wie gut es ist, noch mal ein Stück zurück zu gehen und neu nachzuschauen, oder gleich alles auf die Füße zu stellen. Du bist immer ein Stück neben mir gegangen und ich weiß, dass du auch beim nächsten Mal mit dabei sein wirst, in den Hill Tracts, zum Beispiel, bald.
Wolfgang
 

Kondolenz von Fritz Kramer
Möge er eingebunden sein in's Gebinde des Lebens.

Fritz Kramer
 

Kondolenz von Mario Erdheim
Auch ich erinnere mich an Herrn Löfflers Grosszügigkeit und an seinen Mut, der Ethnopsychoanalyse in Zürich einen breiten Raum zu gewähren, auch wenn sie ihm nie ganz geheuer war. Seine scharfe Kritik tat zwar weh, aber weil sie nicht einfach institutionell machtgestützt, sondern so gescheit war, zwang sie zum Weiterdenken statt zur Unterwerfung. Dafür danke ich ihm.

Mario Erdheim
 

Kondolenz von Elisabeth Hsu
Heute wird Ihre Asche zerstreut, im Friedwald bei Kassel. Aber Sie leben mit, in, durch and trotz uns weiter: genannt wurden schon Ihr Intellekt und Ihre Inspiration, Ihre selbstkritische Haltung, Ihre Freizügigkeit, und Ihr Feingefühl. "Er merkt soviel", Anna Straub hatte recht. Sie haben es fertiggebracht, dass so verspaetete Einzelkaempfer vom Loeffler Seminar wie ich meinen, etwas Bleibendes fuer's Leben gemeinsam zu haben.

PS. Sie haben ja noch beanstandet, dass das Gedicht in Ihrer Monographie (458-75) nicht richtig formatiert war. Ich habe es nicht vergessen, und notiere es hier, dass wir es in Zukunft noch in Ordnung bringen.
 

Kondolenz von Liselotte Kuntner
Der Besuch der Vorlesungen am Ethnologischen Seminar über Ethnomedizin - heute Medizinethnologie - bestärkte mich, die Forschung über Frauengesundheit, Geburt und Mutterschaft im Kulturvergleich zu intensivieren. Das Thema passte in die Zeit der neuen Frauenbewegung. Verschiedene Ethnologinnen am Seminar unterstützten die Idee, dieses gesellschaftlich relevante Thema zu integrieren. Zu diesem Zweck hat mich Herr Prof. Löffler zu einem Kolloquium eingeladen, wo dieses Anliegen besprochen wurde. Daraus ergab sich 1989 der erste Lehrauftrag, der bis 1999 jährlich fortgesetzt wurde. Die Interdisziplinarität war Herrn Prof. Löffler ein Anliegen, dass er mir dadurch ein Lehr- und Forschungsfeld eröffnet hat, bin ich ihm zu grossem Dank verpflichtet.

Auch sein Humor sei erwähnt: Als ich von meiner Feldforschung aus Nordkamerun zurückkam, und ich ihm über die Wichtigkeit der lokalen Ethnobotanik u.A. in der Frauengesundheit berichtete, rief er aus "um Gotteswillen, führen Sie nicht noch etwas Neues ein". Die interdisziplinäre Veranstaltung gelang aber doch mit dem Thema "Plants and Peoples", mit seiner Unterstützung.

Für die Wissensvermittlung, die Anregungen zur Forschung und für sein Wohlwollen werde ich ihn in dankbarer Erinnerung behalten.
 

Kondolenz von Danielle Bazzi
In Dankbarkeit

Lorenz G. Löffler, meinem Lehrer, dessen im wahren Wortsinn zeitgenössische Ethnologie mir half, die Augen für das Ineinandergreifen von Empirie und Theorie zu öffnen. Sein Sinn für Geschichte und seine Haltung, die jeglicher linearer Fortschrittsgläubigkeit abhold war, sein Ermuntern, kompakte herkömmliche Theoriekörper zu dynamisieren, indem man von ihnen einen kontextuellen, empirisch beglaubigten Gebrauch macht, sein scharfer Zweifel und seine Kritik haben es mir fürderhin unmöglich gemacht die Ethnologie in irgendeinem intellektuellen Unterfangen oberflächlich hineinzuziehen. Er war ein Ermöglicher von freiem Denken und hat gezeigt, dass dieses auch nicht ohne Not zu haben ist.

Danielle Bazzi, Zürich
 

Kondolenz von Charlotte Rutz
Ich kann Prof.Lorenz Löffler nicht vergessen, er war einer der wichtigen Lehrer auf meinem Weg. Ich schätze seine Offenheit und Grosszügigkeit ganz besonders, seine herausfordende Art bei Diskussionen ermöglichte mir immer wieder unerwartete Entdeckungen. Dank Prof.Löffler konnte ich, obwohl Studienanfängerin, am ersten Projekt des Ethnologischen Seminars in Benin teilnehmen: Es wurde eine der tiefsten Erfahrungen in meinem Leben.

Danke, Professor Löffler.
 

Kondolenz von Ekkehard Schröder
Professor Löffler war der einzige von Studenten aller Couleurs der frühen 1970er Jahre akzeptierte Professor in Heidelberg. Ich denke gerne an seine Seminare damals zurück. In Zürich konnte er dann verwirklichen, was in Heidelberg schwer war, und er förderte auch die kleinen Fächer: Ethnomedizin und Musikethnologie. Auch von Zürich aus unterstützte er unsere damals noch junge Arbeitsgemeinschaft Ethnomedizin und ihre damalige Konferenzen. Freundschaftliche Kontakte blieben bis zum Schluss. Er wird uns in Erinnerung bleiben.

Ekkehard Schröder, Herausgeber der "Curare. Zeitschrift für Medizinethnologie"
 

Kondolenz von Heinz Nigg
Ja, das waren abenteuerliche Zeiten, die ich mit Lorenz Löffler erleben durfte! Als meine Studierenden und ich Aktionsforschung mit Video betrieben und mit dem sogenannten Opernhaus-Video beim Auftakt der 80er Jugendunruhen in Zürich in einen heftigen Streit mit Erziehungsdirektor Alfred Gilgen gerieten, hielt "unser Professor" die Freiheit von Lehre und Forschung hoch. Dafür danke ich ihm!

http://www.memobase.ch/de#document/SozArch-Sozarch_Vid_V_081
 

Kondolenz von Rosa Metin-Huber
Mein Verständnis für fremde Kulturen wurde durch Prof. Löffler gefördert und gefordert. Sein Wirken entfaltete die Möglichkeiten des freien und weltoffenen Geistes, stets hinterfragend, kritisch und verständnisvoll zugleich. Dafür danke ich ihm aus tiefstem Herzen - durch seinen zu frühen Tod erschüttert.
 

Kondolenz von Richard Wolff
Als Student und Übungsassistent erlebte ich Professor Löffler als einen Leuchtturm des freien akademischen Denkens in den grauen späten siebziger und den bunten frühen achtziger Jahren. Diese Freiheit, Kritikfreudigkeit, die Präzision des Denkens, und seine offene, spontane Art waren für meine akademische Bildung enorm wichtig. Ein Vorbild. Danke!
 

Kondolenz von Claude André Ribaux
Prof. Löffler hat mein Denken und Handeln in den späten 1970 Jahren sehr stark beeinflusst. Seine Durchdringung des ethnologisch-ethnographischen Alltags half mir stark meine Feldforschung in Bangladesh zu einem erfolgreichen Abschluss zu bringen.

Er hatte sich auch nicht gescheut, die einzelnen Studentinnen und Studenten vor Ort im Dorf zu besuchen. Auf der Reise da hin war er als Passagier wegen seiner Grösse gezwungen, auf den Trittbrettern der viel zu niedrigen Busse mitzufahren. Aufgrund der vielen Gespräche, die er so vor Ort mit den Leuten führte, konnte er sich auch ein gutes Bild von der Art und Weise der Forschung seiner Studenten machen.

Diese Vorgehensweise hat sich später in meiner beruflichen Arbeit sehr bewährt, wenn es z.B. darum ging, bei der Auswahl von Projektpartnern die Sicht 'von unten' einzuholen.
 

Kondolenz von Thomas Laely
Mit seiner zurückhaltenden und unaufdringlichen, grosszügig fördernden wie fordernden Art verstand es Lorenz G. Löffler in bewundernswerter Weise, einen grossen Freiraum für eine breit ausgreifende neue Ethnologie anzulegen. Dazu gehörte, alle vermeintlichen Selbstverständlichkeiten immer von Neuem zu hinterfragen – immer mit dem Ziel, Denkanstösse zu geben, um gesellschaftlich bedingte Blockierungen zu überwinden, wie er es in einer Reihe von - stets überfüllten – Vorlesungen Ende der 1970er / zu Beginn der 1980er Jahre zu „Gestaltungsformen gesellschaftlichen Lebens“ oder unter ähnlichem Titel ausdrückte. Hinterfragt fanden sich neben der Sozialorganisation und unseren Wirtschaftsweisen nicht zuletzt die Entstehungsgeschichte und –gründe des Staates, was in der damaligen Zeit auf verschiedenen Seiten Interesse fand. Wiewohl persönliche Nähe nie selbstverständlich war, liess LG ohne viele Worte Vertrauen und Förderung spüren. Besseres konnte es nicht geben, und dafür bleibe ich ihm verbunden und dankbar.
 

Kondolenz von Niru Kumar Chakma, Prof. of Philosophy, University of Dhaka, Bangladesh
Saddened to hear of the passing away of Prof. Loffler. He was such a wonderful person, a great friend of us and a great soul. He was a great scholar, an orientalist and a humanist. He cannot die - he will remain alive in the minds of his friends and students. Please send our heartiest condolences and sympathies to his wife and the son for the irreparable loss.
 

Kondolenz von Susy Greuter
Unter Professor Löffler studieren und arbeiten zu dürfen, war zugleich ein Weg ins Offene und zu sich selbst, den eigenen Zielen und Fähigkeiten. Ich werde ihm immer dankbar bleiben.
 

Kondolenz von Willemijn de Jong
Er war ein Meister des Querdenkens – jede mögliche Perspektive auslotend und prüfend. Und er verweilte nicht selten dort, wo es darum ging, Benachteiligung begreifbar und angreifbar zu machen. Ich bin dankbar, dass ich von solch einem besonderen Meister lernen durfte. Es macht traurig, dass er nicht mehr da ist. Aber seine Wirkung bleibt.

Willemijn de Jong
 

Kondolenz von Ortrud Dal Maso - Handke
Prof. Löffler - Ich erinnere mich vor allem an seine Grosszügigkeit: an gute Gespräche, Denkanstösse, Hilfestellungen.
 

Kondolenz von Markus Weilenmann
Mit Professor Löffler ist ein grosser Ethnologe gegangen. Besonders dankbar bin ich ihm für die Art und Weise wie er das ESZ in den 70er Jahren aufgebaut hat, das Auffächern der Ethnologie in die vielen Teilgebiete, das gewollte Fördern von Feldforschungen, das Zulassen von Denkansätzen, die ihm vielleicht nicht immer nahe standen, seine Lust am kritischen Debattieren und am logischen Herausfindenwollen, und seine Art zu führen ohne ständig im Mittelpunkt stehen zu müssen. Das so entstandene Milieu ermöglichte mir ein sehr reiches Leben.
 

Kondolenz von Julia Stiefel, Bern
Lieber Lorenz Löffler

Genau hinhören, genau hinschauen. Und dann nochmal von vorn. Das ist es vor allem, was ich von Ihnen lernte. Das Misstrauen in die gesetzten Selbstverständlichkeiten, es begleitet mich noch heute.

Was mir von Ihnen als Person vor allem in Erinnerung bleibt, ist ihr verhaltenes, etwas sphinxhaftes Lächlen, ihr ausweichender Blick. Habe ich sie wirklich verstanden? Es bleibt ein Geheimnis. Ich bin stolz und froh, Sie als Lehrer gehabt zu haben.

Ihre Julia Stiefel, Bern
 

Kondolenz von Tobias Haller
Lorenz Löffler prägte mein Denken von Beginn meines Studiums bis heute. Ich habe gelernt alle Schattierungen und Positionen einzunehmen, Empirie und Theorie von allen Seiten zu beleuchten, oft bis zum Haare-Raufen. Meine Liz-Besprechung dauerte 5 Stunden und hätte wegen des Zigarettenrauches fast zu einem Lungenversagen meinerseits geführt. Meine Dissertation erhielt von ihm den entscheidenden Schliff, von dem ich noch heute profitiere. Vor allem aber schätzte ich Lorenz Löffler als Mensch, der auch zuhören konnte und der immer ein offenes Ohr hatte.

Tobias Haller
 

Kondolenz von Béatrice Goetz
In Gedanken an den geliebten Lorenz Löffler......

Mein charismatischer, feinfühliger Professor mit diesem wunderbaren, silbern glänzenden Haar in einer Gruppe abenteuerlustigen, bunten, phantasievollen StudentInnen, zeitlebens diese unglaubliche Wesensverwandtschaft und Verbundenheit zwischen uns allen, dieser relativ kleinen Gruppe EthnologInnen in Zürich, die wir noch heute uns so sehr miteinander zugehörig fühlen in diesem exotischen Zuhause, das unser friedliches Leben ist.

Mit Dir, mein verspielter, geliebter Lorenz, habe ich eine meiner schönsten Lebenszeiten liebevoll und zärtlich geteilt. Diese fröhliche, phantasievolle, beseelte Zeit voller Liebe lebt in meinem Herzen in der Erinnerung all dieser gemeinsamen Erfahrungen mit Dir weiter und weiter....Danke, danke für diese ganzen, wunderbaren, hoffnungsvollen, verträumten gemeinsamen Erlebnisse, die uns für immer verbinden werden....

Deine Béatrice Goetz
 

Kondolenz von David Signer
Als ich Lorenz G. Löffler Mitte der Achtzigerjahre zum ersten Mal bei einer Vorlesung erlebte, bei der er aus dem Stegreif in atemberaubendem Tempo Kulturen und Theorien durchquerte, dachte ich: "Um Himmels Willen, die ganze Welt ist in diesem Mann." Aber zugleich spürte man eine Leere, einen Hauch von Nichts.
 

Kondolenz von Prof. Dr. emeritus Farsin Banki
Mit großer Wehmut denke ich an meine Zeit am ethnologischen Seminar in Zürich zurück, die - geprägt von der sachlich-ironischen, distanziert-intellektuellen Führung Löfflers - in den Siebziger und Achtziger Jahren ein Ort der großen Theorien und Aktivitäten war. Ein Orchideenfach, sicherlich, doch der Zeitgeist wollte es anders. Ja, ich war so engagiert, dass Löffler meinte, ich hätte Ethnologie im Hauptfach studiert und musste dann bei der Abschlussprüfung enttäuscht zur Kenntnis nehmen, dass ich es doch "nur" als zweites Nebenfach gewählt hatte.

Ich denke gerne an jene Zeit zurück, die im "Aufbruch" war und echtes, freies Studieren im Humboldt'schen Sinne ermöglichte. Welch ein Unterschied zur heutigen Verschulung der Universitäten. Ob Studierende sich heute überhaupt vorstellen können, was es bedeutete, in völliger Freiheit und ohne schulische Gängelung zu studieren?

Obwohl ich bei Herrn Löffler nur zur Prüfung antrat und mich mehrheitlich in den Seminaren und Vorlesungen der Lehrbeauftragten herumtrieb, wusste und weiß ich, wie sehr wir es seiner Großzügigkeit zu verdanken hatten, auf diese Weise zu studieren. Er ist mir - nebst anderen aus jener Zeit - dennoch im Laufe meiner Lehrtätigkeit immer als ein Musterbeispiel geblieben, wie lebendiger, offener und der Wissenschaft verpflichteter Unterricht zu gestalten war. Dafür gebührt ihm auch heute noch mein ganzer Dank.

Farsin Banki
Institute of Humanities and Cultural Studies
Teheran
 

Kondolenz von Philippe Maag
Lieber Herr Löffler
Ich war, glaube ich, der erste Student der unter Ihrer Führung das Ethnologiestudium abschloss. Ihre geistige Offenheit ermöglichte es mir, nach dem Mozambikabenteuer 1976 jahrelang an Ihrem Institut zu wirken. Ihre genauen Analysen und Ihre unglaubliche Toleranz anderen Meinungen gegenüber haben mich begleitet und geprägt. Ich bin Ihnen von Herzen dankbar und Sie bleiben in meinem.